Fritz Reinöhl: Ergänzungsband 7. Geschichte der k.u.k. Kabinettskanzlei (1963)

VII. Kurzbiographien der Leiter der Kabinette, der Kabinettsdirektoren und der Sektionschefs - 1. Die Leiter der Kabinette und die Kabinettsdirektoren

344 Christian August (seit 28. 5. 1763 Ritter von) Been. Beck, dessen Vater Bürger von Langensalza in Thüringen war, studierte an den Universitäten Jena und Leipzig die Rechte und befaßte sich insbe- sonders mit dem Natur- und Völkerrecht, sowie dem deutschen Staats­und Lehensrecht40). Nach einer kurzen Dienstleistung als Sekretär beim österreichischen Gesandten im fränkischen Kreis Freiherrn von Widmann wurde er als Professor des öffentlichen und des Lehensrechtes an die neugestiftete Theresianische Akademie in Wien berufen. Als er dort be­reits sieben Jahre gelehrt hatte, wurde wohl 1756 ihm der Unterricht des Erbprinzen Erzherzogs Joseph in diesen Fächern übertragen. Fünf Jahre dauerte dieser Unterricht. In dieser Zeit wurde er von Kaiserin Maria Theresia zum wirklichen Hofrat und Staatsoffizial in der österreichischen Staatskanzlei ernannt. Bald hernach wurde Beck zum Kabinettssekretär des Erzherzogs und zugleich zum Sekretär des eben gestifteten Maria Theresien-Ordens bestellt. Nach Vollendung seiner Aufgabe als Lehrer Josephs wurde Beck von Kaiser Franz dem Erzkanzler des deutschen Reiches als deutscher Sekretär der Reichshof kanzlei auf gezwungen; am 12. Februar 1761 ernannt, wurde er am 13. Februar als solcher vereidigt. Gleichzeitig ernannte ihn der Kaiser zum wirklichen kaiserlichen Hofrat. 1766 resignierte Beck auf seine Stellung in der Reichshof kanzlei 41). Am 28. Mai 1763 erhob ihn Kaiser Franz in den Ritterstand des deutschen Reiches 42). Am 27. November 1784 ist er im sechsundsechzigsten Lebens­jahre in Wien gestorben 43). Philipp Stefan (seit 3. 3. 1764 Freiherr von) Lamine, der einer Lütticher Familie entstammte und akademische Studien ge­pflogen zu haben scheint, wurde im Oktober 1751 zum Praezeptor Erz­herzogs Joseph ernannt44). Im März 1762 scheint er, der inzwischen zum wirklichen kaiserlichen Hofrat ernannt worden war, als „Cabinets Secre- tarius“ des Erzherzogs bestellt worden zu sein 45). Offenbar anläßlich der bevorstehenden Krönung Josephs zum römischen König wurde er, der Joseph nach Frankfurt begleiten sollte, am 3. März 1764 in den erblichen Reichsfreiherrnstand erhoben. Seit der Krönung führte er den Titel „rö­40) Angaben über Becks Lebenslauf im Ritterstandsdiplom vom 28. 5. 1763, Reichsregisterbücher Franz I., Bd. 14, fol. 199 ff. 41) L. Groß, Die Geschichte der deutschen Reichshofkanzlei, S. 400 ff., fer­ner ebenda S. 85 f., 197, 354, 467. Über Beck ist weder im Archiv des OMeA. etwas zu finden, noch taucht sein Name im Hofstaate des Erbprinzen in den Hofschematismen und Staatsschematismen auf. Auch die „Personalia“ der Staatskanzlei wurden erfolglos durchgesehen. «) S. Anm. 40. «) Wiener Zeitung Nr. 97 vom 4. 12. 1784, S. 2766. 44) J. Wendrinsky, Kaiser Joseph II., S. 31, Instruktion 24. 10. bei Arneth, Maria Theresia nach dem siebenjährigen Krieg, S. 522 Nr. 205. 45) Anweisung seiner Bezüge OMeA., Hofprot. in Parteisachen, 733.

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