Fritz Reinöhl: Ergänzungsband 7. Geschichte der k.u.k. Kabinettskanzlei (1963)
VII. Kurzbiographien der Leiter der Kabinette, der Kabinettsdirektoren und der Sektionschefs - 1. Die Leiter der Kabinette und die Kabinettsdirektoren
340 säuischen Diensten gestanden war, am 2. Februar 1736 zum Kabinettssekretär der Erbprinzessin Erzherzogin Maria Theresia ernannt, welche am 12. Februar den Großherzog Franz Stephan von Lothringen heiratete9). Er gehörte dem Personalstatus des Großherzogs an und diente diesem auch in dessen Kanzlei als Registrator 10). Als Kabinettssekretär hatte er lediglich den offiziellen Briefwechsel der Großherzogin zu erledigen. Nach dem Regierungsantritt Maria Theresias verblieb er in seinen beiden Stellungen. Ende Februar oder Anfangs März 1741 wurde er als „geheimer und zugleich Hof Sekretär“ in das Obersthof meisteramt der Königin einberufenu), versah aber seine bisherige Aufgabe auch weiterhin, ja auch nach der Ernennung seines Nachfolgers Koch blieb er bis 1. August 1742 als Kabinettssekretär tätig. Am 11. März 1751 erfolgte seine Ernennung zum wirklichen Hofsekretär beim Obersthofmeisteramt, er führte aber den Titel eines geheimen Sekretärs und Hofsekretärs weiter 12). Im Obersthofmeisteramt verfaßte er die Hofkonferenz- und Zeremonialpro- tokolle, ferner Referate und Expeditionen besonders in politischen und hofwirtschaftlichen Angelegenheiten. Er diente bis zu seinem Tode, der ihn in Wien im Alter von zweiundsiebzig Jahren am 3. April 1773 aus seinem Wirkungskreis riß ,2a). Ignaz Ritter (seit 17. 7. 1748 Freiherr) von Koch, Sproß einer Paderborner Familie, um 1697 geboren, trat 1720 als Konzipist bei der österreichischen Hofkanzlei in den Staatsdienst. Diese Stellung vertauschte er am 1. September 1726 mit der eines Hof- und Feldkriegssekretärs beim Hofkriegsrat, wo ihm die Feldkriegsexpedition des Prinzen Eugen aufgetragen wurde. Schon am 20. Jänner 1728 wurde er zum Hofkriegsrat ernannt; im März des folgenden Jahres hatte er neben jener Korrespondenz auch die Expedition der deutschen Erb- und Reichslande sowie der österreichischen Niederlande zu übernehmen; am 25. Februar 1737 wurde ihm zudem noch die Korrespondenz mit dem Varasdiner und Karlstädter Gener alat übertragen. Am 19. März 1742 ernannte ihn Maria s>) OMeA, Hofprot. in Parteisachen Bd. 15, Fol. 105 ff., 118 ff., vgl. auch die vom OMeA am 14. 3. 1775 unterbreitete Bitte seiner Tochter Maria Anna um Kontinuierung ihrer Pension (Prot. Bd. 38 fol. 60), wo erwähnt ist, daß Wolffscron volle 37. Dienstjahre hatte. Uber die Gewährung jener Pension ist im Archiv des OMeA nichts zu finden. i°) Poschakten, jüngere Serie, 8/2. 11) Beeidigung 3. 3. OMeA., Zeremonialprotokoll und Zeremonialakten VIII/1741. Vgl. auch den Stab des OMeA., Bige. zu Intimation des OMeA. an die Hofkammer vom 15. 3. 1741, OMeA., Prot., Bd. 17, Fol. 16 v. 12) Dekret des OMeA. an das Hofkontrolloramt 19. 4. 1749 OMeA., Prot., Bd. 20, fol. 508, Alleruntertänigste Vorstellung des OMeA 11. 3. 1751 mit Placet s. d. ebenda, Bd. 21, Fol. 111 ff., dgl. v. 30. 3. 1754, ebenda, Bd. 22, fol. 495. Dekret 15. 3. 1754 ebenda, Bd. 22, fol. 504 f., siehe auch die bezüglichen Intima- tionen ebenda fol. 507 u. 519. i—íl) Wiener Zeitung, Nr. 28 vom 7. 4. 1773.