Fritz Reinöhl: Ergänzungsband 7. Geschichte der k.u.k. Kabinettskanzlei (1963)

VII. Kurzbiographien der Leiter der Kabinette, der Kabinettsdirektoren und der Sektionschefs - 1. Die Leiter der Kabinette und die Kabinettsdirektoren

341 Theresia zu ihrem geheimen Kabinettssekretär ls). Am 1. Juni 1762 wurde Koch auch zum Staatsrat ernannt, was jedoch nicht mehr als die Verlei­hung des Titels bedeutete 14). Koch galt als ein geistreicher Kopf, schar­fer Denker und als überaus verschwiegener Mann; seine Zuvorkommen­heit und seine Verläßlichkeit verschafften ihm allgemeine Beliebtheit15). Wie zahlreiche Äußerungen Maria Theresias beweisen, erwarb er sich ihr schrankenloses Vertrauen16). Daß Haugwitz durch ihn der Weg zu Maria Theresia gewiesen wurde, wurde schon erwähnt17). Seiner Ver­mittlung pflegte sich der der Kaiserin so nahestehende erste Obersthof­meister Johann Josef Graf Khevenhüller in besonderen Angelegenheiten zu bedienen so z. B. auch als er sich wegen der gegen ihn gerichteten Angriffe Kaiser Franzens von der Leitung des Theresianums zurückzie­hen wollte 18). Maria Theresia verwendete ihn auch in heiklen Hofange- legenheiten, so etwa, wenn sie die Vermählung eines Kammerfräuleins in die Wege leiten wollte 19) oder einem Ajo die peinliche Aufforderung zugehen ließ, auf seine Stelle zu verzichten 20). Er mußte in Vertretung der Kaiserin neben Khevenhüller der Prüfung des jungen Erzherzogs Jo­seph beiwohnen21). Er erhielt bei einer Festvorstellung, die in Gegen­wart des Hofes in der Oper gegeben wurde, eine eigene Loge und ist im Theater, wenn die jungen Erzherzoge und Erzherzoginnen selbst vor klei­nem Kreise spielen22). Dem entspricht eine angesehene gesellschaftliche Stellung; Khevenhüller nennt ihn seinen „alten und vertrauten Freund“23). Nachdem Koch, dessen Vater 1738 in den erblichen Ritter­stand erhoben worden war, am 2. Juni 1739 das Inkolat in Mähren, am is) Kriegsarchiv, HKR., Prot. Reg. 1726 fol. 658 v, 1728 f. 88, 1737 f. 292 Nr. 667, Prot. Exp. 1726 f. 1347 Nr. 475, 1728 f. 50 Nr. 274 f., 117 Nr. 538, 1729 f. 383 Nr. 571, 1736 f. 1853 Nr. 809, s. ferner Kap. I, Abschn. 2 Anm. 7, Biographien Kochs in Wurzbach, Bd. 12, S. 181 ff. und Allgemeine Deutsche Biographie, Bd. 16, S. 384 (beide nicht verläßlich), s. ferner Nandé, Beiträge zur Entstehungs­geschichte des siebenjährigen Krieges, Bd. 1, S. 30, 54 ff., F. C. Hinrichs, Fried­rich d. Große und Maria Theresia, S. 97 ff., M. Braubach, a. a. O. S. 55. Siehe auch S. 13. ii) StR., Präs. VII/III, OKA. XXXXVII. 15) Finalbericht Capellos 30. 9. 1744, Arneth, Fontes rerum Austriacarum, Bd. 22. Bericht Podewils 19. 9. 1747 SBWA., Bd. 5, S. 524. Keiths Urteil „nicht fähig, aber grundanständig“ (Guglia, Maria Theresia, Bd. 2, S. 105) ist im ersten Teil arg verfehlt. i®) S. S. 14 f. Denkschriften Maria Theresias, öst. Archiv, Bd. 47, S. 306 ff., Ar­neth, Maria Theresia an Kinder u. Freunde, Bd. 3, S. 311, Bd. 4, S. 274, Ders., Maria Theresia u. d. siebenjähr. Krieg, Bd. 1, S. 362. 17) S. S. 16. 1») Tagebuch, Bd. 2, S. 139, 1752—1755, S. 105, 211. i®) Ebenda, Bd. 2, S. 74. 2») Ebenda, 1756/57, S. 44. 21) Ebenda, 1752—1755, S. 4. 22) Ebenda, Bd. 2, S. 289, 358. 23) Ebenda, 1752—1755, S. 211, 1758/59, S. 126.

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