Fritz Reinöhl: Ergänzungsband 7. Geschichte der k.u.k. Kabinettskanzlei (1963)

II. Der Monarch und seine Stellvertretung

96 die vorgekommenen Gegenstände und die verfaßten Resolutionen eigene „Elenche“ zu führen hatte, die dem Kaiser nach Baden nachzusenden der Kaiser zur Erledigung vorbehielt, läßt sich leider nicht mehr erfassen, waren, damit er in Kenntnis der Dinge bleibe73). Welche Stücke sich weil die Akten des Staatsrates 1945 zu Grunde gegangen sind74). Wir wissen nur, daß er sich auch diesmal jene Interzepte, welche bezüglich auswärtiger Staaten wichtig waren, nachsenden ließ. Sie waren von der Staatskanzlei in der Weise zu behandeln, die 1794 verfügt worden war75). Bessere Einsicht gewinnen wir, als sich der Kaiser im folgenden Jahre wieder nach Baden begab. Diesmal gab er mündlich dem Grafen Kolowrat den Befehl die staatsrätlichen Geschäfte wie im Vorjahre zu führen; noch vor seiner Abreise, am 26. August, genehmigte er schriftlich einen An­trag Kolowrats, daß diesem alle im Kabinett befindlichen Vorträge und Circulanda, das sind also Rückstände, zu übergeben seien, dieser ihm Gratialia und andere dringende Stücke, welche der kaiserlichen Fertigung bedürfen, nach und nach zur Entscheidung nach Baden schicke und andere wichtige Stücke, die abzufertigen er sich nicht getraue, bis zu des Kaisers Rückkehr aufbewahre. Kolowrat fertigte „In Abwesenheit Sr. K. K. A. Mtt. per Consil. Status auf dero eigens erlassenen Befehl“ 76). Als der Kaiser in diesem Jahr am 6. August nach Deutschland zur Armee abging, beauftragte er wieder mit der Begründung, Stockung der inländischen Geschäfte zu vermeiden, Erzherzog Leopold alle Geschäfte auf die Art, wie es zur Zeit durch ihn geschehe, zu erledigen 77). Im selben Jahr, am 19. Dezember, befahl der Kaiser, da er mit anderen Staats­geschäften belastet war, Kolowrat die staatsrätlichen Sitzungen so­gleich wieder aufzunehmen, die noch erliegenden staatsrätlichen Circu­landa zur Erledigung zu bringen und die Expeditionen, so wie es sonst in seiner Abwesenheit geschähe, mit seiner Unterschrift an die Stellen gelangen zu lassen78). In all diesen Fällen der Vertretung des Kaisers durch Kolowrat oblag diesem auch die Verständigung der Hofstellen über den kaiserlichen Auftrag. Am 5. November 1805 begab sich der Kaiser in der Absicht nicht lange fern zu bleiben zur Eröffnung des ungarischen Reichstages nach Preßburg; von dort reiste er dann am 27. November zur Armee im Feld. Schon am 7. November hatte er sei­nem Bruder dem Palatin Erzherzog Joseph in Voraussicht der Möglichkeit, daß auch, wenn er selbst sich in Ungarn aufhalten sollte, die Verbindung mit den Stellen in Budapest gelöst werden könne, „voll­7S) Handschreiben an Graf Kolowrat 30. 7. 1799, StR. ZI. 3422. 74) S. Coreth, a. a. O. "j) Billet vom 31. 3. 1794, an Colloredo, Or. Habsb.-lothr. Familienarchiv, Sammelband 41. 7«) StR. ZI. 2815/1800. • 77) StR. ZI. 2938/1800. 7») StR. ZI. 4114/1800.

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