W. Wagner: Ergänzungsband 6. Die obersten Behörden der k.u.k. Kriegsmarine 1856-1918 (1961)

4. Die Schaffung des Marineministeriums

33 zum Sektionschef ernannten Linienschiffskapitän Breisach möglichst bald Anträge über die Organisierung des Ministeriums sowie Stellung und Wir­kungskreis des Marinekommandanten zu erstatten habe. Letztere Stellung wurde Erzherzog Ferdinand Max übertragen 16). Der Erzherzog ließ dem neuen Marineminister durch Fregattenkapitän Herzfeld seine gnädige und wohlwollende Gesinnung aussprechen 17) und be­antwortete ein Schreiben Wickenburgs am 31. Jänner dahingehend, die Wahl des Kaisers hätte keine glücklichere sein können und stehe in voller Überein­stimmung mit seinen Ansichten und Wünschen. Er schließt mit den Worten: „Die maritimen Geschicke Österreichs müssen und werden sich erfüllen — und die Geschichte wird jene Männer verzeichnen, die einem Prinzipe von solcher Tragweite, allen Schwierigkeiten entgegen, Geltung verschafft haben werden 17). Ob diese freundlichen Worte aufrichtig gemeint waren und die erbitterte Feindschaft der beiden Männer erst später begann und nur rückschauend schon auf diesen frühen Zeitpunkt projiziert wurde, oder ob der Erzherzog nur seine wahren Gefühle zu verbergen suchte, läßt sich kaum entscheiden. Immer­hin könnte Ferdinand Max die bisherige Haltung Wickenburgs in den Reichs­ratssitzungen ihm stark verübelt haben. Die Grundidee seiner Pläne, eine Vereinigung des gesamten Seewesens, war ja zunächst nicht durchzusetzen gewesen. Jedenfalls begannen bereits unmittelbar nach der Ernennung Reibungen und Schwierigkeiten zwischen dem Minister und dem Marinekommandanten. Ein in den ersten Februartagen vom Erzherzog an den Kaiser und Wickenburg gesendetes vollständiges Organisationsstatut wurde — laut Amtsgeschichte — von Seiner Majestät „wohlgefällig“, vom Minister aber „mit dem Ausdrucke beleidigenden Mißtrauens“ aufgenommen 19). Freilich wird man sich bei Beurteilung dieser Vorgänge vor Augen halten müssen, daß Wickenburgs Stellung als Nichtfachmann und Neuling gegenüber dem Marinekommandanten, der noch überdies kaiserlicher Prinz war, sicherlich große Schwierigkeiten mit sich brachte und eine gewisse Befürchtung, lediglich zum Strohmann zu werden, nahelegen mußte. Das erwähnte Statut ist nicht überliefert, wohl aber eigenhändig ergänzte Punktationen 20), in denen die gänzliche Überlassung der Administration an das Ministerium, dafür aber keine Einmischung in die aktive Leitung, bei der dem Minister nur das Recht der Kontrolle zustehe, vorgeschlagen wurde. Die einzelnen Zweige des Seewesens sollten beim Marineministerium zentralisiert und die Zentralseebehörde mit der Kriegsmarine vereinigt werden, also Forde­rungen, die eben erst von den Ministern einschließlich Wickenburg abgelehnt worden waren. Weiter verlangte der Erzherzog Einflußnahme auf die hydro­graphische Anstalt und das Unterrichtswesen, gegenseitige Unterstützung und offenes Vertrauen, Anerkennung des Geschaffenen und der vergangenen Leitung, Zerstörung des alten „Intriguen und Diebs Geistes“ und schließlich das Versprechen, sich beim Kriegsminister bzw. Kriegsministerium nie Rat zu holen. Nach einem undatierten Briefkonzept an Wickenburg 21) wollte ihm Wagner, Die obersten Behörden. 3

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