Walter Goldinger: Ergänzungsband 5. Geschichte des Österreichischen Archivwesens (1957)
Zur Geschichte des Archivalienschutzes
Zur Geschichte des Archivalienschutzes 59 schichtsvereinen ein entscheidendes Verdienst dafür zu; es ist bezeichnend, daß gerade in Steiermark erstmalig der Wunsch nach einem Denkmalschutzgesetz laut wurde13). Einen wesentlichen Fortschritt bedeutete die Errichtung der Archivsektion der Zentralkommission für Kunst und historische Denkmale im Jahre 1873 14). Doch fehlten für den Schutz der Privatarchive geeignete Handhaben. Schwere Substanzverluste waren daher nicht zu vermeiden. Das Archiv der Grafen Hardegg auf Schloß Seefeld wurde verschleudert,ä). Im Jahre 1905 fand in Berlin eine Urkunden Versteigerung statt, bei der viele österreichische Stücke, die ältesten aus dem aufgehobenen steirischen Kloster Neuberg, unter den Hammer kamen. Einen Großteil davon hat das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg erworben1 16). Ein Majestätsgesuch des Grafen Khevenhüller zur Erhaltung des Schloßarchivs Kammer am Attersee blieb erfolglos 17 18), daneben sind manche österreichische Archivalien auch durch Familienbeziehungen außer Landes gekommen 17a). Es ist bezeichnend, daß Theodor Sickel, der in die Archivsektion der Zentralkommission berufen worden war, dort nach dem Fehlschlagen der Archivenquete von 1869 und dem Versagen der maßgebenden staatlichen Stellen den Anhaltspunkt suchte, seine Bemühungen um die Weiterentwicklung des österreichischen Archivwesens in die Tat umzusetzen13). Manchenorts, vor allem in Böhmen, verfolgte man aber die Bestrebungen zur einheitlichen Regelung des Denkmalschutzes mit Mißtrauen, weil man darin einen Eingriff in autonome Rechte erblickte, und suchte durch verschiedene Vorschläge und Anträge eine Sonderregelung anzubahnen19). 1S) A. Mell, Archive und Archivschutz in Steiermark = Veröffentl. d. hist. Landeskommission f. Steiermark 23 (1906), 16. 14) L. Groß, Zur Geschichte des Archivschutzes in Österreich. Archivali- sche Zeitschr. 42/43 (1934), 176. 15) Nag 1, Das Archiv der Grafen zu Hardegg auf Schloß Seefeld. Blätter d. Vereins f. Landesk. v. Niederösterreich 29 (1895), 65—89. 16) Mitt. d. Inst. f. österr. Geschichtsf. 27, 155—161. 17) Z i b e r m a y r, a. a. O., 200. Haus-, Hof- u. Staatsarchiv, Generaldirektion der ah. Private u. Familienfonde, ZI. 5034/1892. 17a) Vgl. etwa A. Fuchs, Urkunden aus dem gräflich Baudissin-Zinzen- dorfischen Archiv. Blätter d. V. f. Landesk. v. Niederösterr. 35 (1901), 474 ff.; H. Finke, Ein österreichisches Privatarchiv des 19. Jahrhunderts in England. Hist. Jahrb. d. Görresges. 57 (1937), 541 ff. Es handelt sich um das Privatarchiv der Freiherren von Hügel. 18) B. Bretholz, Zur Reorganisation des österreichischen Archivwesens. Mitt. d. Inst., 11. Erg.-Bd. 798. 19) Der jungtschechische Landtagsabgeordnete Karl Adámek, zu dem der Direktor des Böhmischen Landesarchivs Dvorsky gute Beziehungen unterhielt, brachte im böhmischen Landtag mehrere Anträge über den Schutz der historischen Denkmäler ein. Vgl. M. V o 1 f, Die Maßnahmen des Landes Böhmen und seines Archivs zur Archivpflege in der Selbstverwaltung. Mitt. d. Böhmischen Landesarchivs 9 (1943), 77ff.