Walter Goldinger: Ergänzungsband 5. Geschichte des Österreichischen Archivwesens (1957)

Zur Geschichte des Archivalienschutzes

60 Walter Goldinger Die Archivsektion wandte ihr Augenmerk auch den stark gefährdeten Zunftarchivalien zu 20) ebenso wurden das Schriftgut der Alp- und Weide­genossenschaften in Tirol und Vorarlberg21), wie überhaupt die so seltenen Bauernarchive22), beachtet. Ein Eingreifen zugunsten der oft stark ver­nachlässigten Pfarrarchive war den staatlichen Instanzen nicht immer möglich. In Tirol23) wurden sie in die Inventarisierung einbezogen, in grö­ßerem Umfang jedoch nur vom Vorarlberger Landesarchiv übernommen. Manchmal suchte man durch die Hinterlegung gefährdeter Stücke in eigenen Diözesanarchiven vorbeugend zu wirken. Ein solches wurde 1903 in Linz errichtet, später jedoch dem Landesarchiv übergeben24). In St. Pölten hat der verdiente Heimatforscher Kanonikus Alois Plesser manche dem Untergang preisgegeDene Archivalien der Diözese im dortigen Ordinariatsarchiv hinterlegt25). Auch verschiedene unter Mitwirkung von Facharchivaren ausgearbeitete Anleitungen zur Ordnung von Pfarrarchiven sind an dieser Stelle zu nennen26).-°) Zibermayr, a. a. O., 319 ff. Die vom oberösterr. Landesarchiv ver- anlaßten Erlässe der oö. Statthalterei über die Zunftarchivalien sind in der 2. Aufl. des genannten Werkes, 1930, 157—162, abgedruckt. Sie dienten dem k. k. Handelsministerium zum Muster, das gleichfalls Verfügungen über den Schutz der Archivalien der gewerblichen Genossenschaften getroffen hat. (Alig. Verwaltungsarchiv: Handelsmin., ZI. 36650/1910 u. 21339/1915.) Zum Ganzen vgl. auch Mitt. d. k. k. Archivrates 1, 294 f. u. 2, 341 f.; K. Böhm, Zur Rege­lung des Zunftarchivwesens in Deutschtirol. Mitt. aus dem Tiroler Landes­archiv, 1915, 10—11; E. Straßmayr, Das Archiv der Kirchdörfer Sensen- werks-Genossenschaft. Mitt. d. k k. Archivrates 2, 87—98, u. 3, 75—83; d e r s., Die St. Anna-Zeche der Schiffsleute in Enns und ihr Archiv. Mitt. d. Oberösterr. Landesarchivs 3 (1954), 220—232. 21) M. T i e f e n t h a 1 e r. Das Vorarlberger Landesarchiv. Übersicht über die Bestände des Landesarchivs und Bericht über die Gemeinde- und Pfarr­archive Vorarlbergs. Feierabend, Wochenbeilage z. Vorarlberger Tagblatt, 25. II. 1939, 77—100. 22) O. Menghin, Über bäuerliches Archivwesen. Mitt. d. Archivrates 3, 63—74 (bezieht sich nur auf Tirol). 2S) Archivberichte aus Tirol, hgg. v. E. v. Ottenthal u. O. Redlich, 3 Bde., 1888—1903. Tiefenthaler, a. a. O., 87—99; F. Schober, Das Archiv der Stadtpfarre Linz. Mitt. d. oö. Landesarchivs 1 (1950), 183—191. Im k. k. Archiv­rat hat Graf Pöttickh v. Pettenegg am 2. Juli 1895 ein Referat über den Schutz der Pfarrarchive erstattet (Alig. Verwaltungsarchiv: Min. d. Innern, Präs., ZI. 6548/1897, 3748/1895). Zwei krasse Beispiele aus den letzten Jahrzehnten erwähnt G. Grüll, Die Matriken in Oberdonau 1 (1939), 7. 24) Z i b e r m a y r, a. a. O., 336 f.; E. T r i n k s, Die Bestände des oö. Lan­desarchivs. Mitt. d. oö. Landesarchivs 1 (1950), 58 ff. 25) Vieles davon wurde in den Geschichtlichen Beilagen zu den St. Pöltner Diözesankurrenden veröffentlicht. Vgl. St. Biedermann, Kanonikus Alois Plesser in Klein-Pöchlarn, 50 Jahre Quellenforscher im Dienste der Landes­geschichte. Unsere Heimat 9 (1936), 287—291. Nachruf von K. L e c h n e r, ebd. 10 (1937), 205 ff. 26) Michael Mayr, Zur Pflege der Pfarr- und Gemeindearchive. Forschun­gen u. Mitt. z. Geschichte Tirols u. Vorarlbergs 10 (1913), 54 ff.; F. Sießl,

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