Walter Goldinger: Ergänzungsband 5. Geschichte des Österreichischen Archivwesens (1957)
Schatzgewölbe und Kanzleiarchive
Walter Goldinger Endes geben dann die Inhaltsverzeichnisse zu den Kopialbüchern ein Arehivrepertorium ab. Man nannte das in der Regel Tabulatur"). Der nächste Schritt ist dann die Verselbständigung solcher Inhaltsverzeichnisse, die so zu eigentlichen Archivrepertorien werden. Als ältestes mir bekanntes Beispiel in Österreich sind drei lose Papierblätter aus der Zisterze Reun anzuführen, die in die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts zu setzen sind und folgende Bezeichnung tragen: Descriptio brevis privilegiorum ac litterarum de bonis Runensis, de quibus, si quis velit ma.iorem habere noticiam, querat ipsas litteras in bursa nostra secundum subnotatum ordinem cdphabeticumiw). Noch älter, aber einem Dienstbuch beigebunden ist ein Urkundenver- zeichnis des Wiener Bürgerspitals aus dem Jahre 1342 mit der Überschrift Hic notantur littere hospitalis continentes in parvo scrinio, signo hospitalis signato * 101). Ein Archivrepertorium in der Art des Reuner Verzeichnisses besitzt das Stift Klosterneuburg aus dem 15. Jahrhundert102). Nicht unmittelbar mit einer archivarischen Tätigkeit hängen die sogenannten Seckauer Archivregister zusammen, die sich im Bistumsarchiv Graz befinden. Sie enthalten nahezu 400 Urkundenregesten, die um 1375 angefertigt wurden. Den Anlaß zu dieser Verzeichnung scheint aber nur ein wirtschaftlicher Gesichtspunkt, die Erfassung der vergabten Lehen, geboten zu haben. Auch im Codex 50 des steiermärkischen Landesarchivs findet sich das Fragment eines solchen Registers aus der Zeit um 1300 l02a). Auch das von Fritz Posch veröffentlichte Hagegker Archivverzeichnis aus dem Jahre 1450 verdankt seine Entstehung einem geschäftlichen Zweck. Es handelt sich nämlich um eine am 12. I. 1450 ausgestellte Urkunde, in der sich nach dem Tode des letzten Hagegkers seine Witwe verpflichtete, die darin verzeichneten Stücke den Erben auszufolgen 102b). ") Stolz, 91, 133, 135. Ein nach 1356 entstandenes Urkundenverzeichnis der Kartause Aggsbach, das ursprünglich ein Inhaltsverzeichnis zum ältesten Kopialbuch bildete, veröffentlichte L a t z k e, 418 ff. Desgl. f. Gaming 450 ff., ebenso Textproben aus einem von ihm rekonstruierten Mauerbacher Archivrepertorium 489 ff. 10°) A. Weiß, Das Archiv des Cistercienserstiftes Reun. Beitr. z. Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 2 (1865), 11. Pirchegger-Dungern, Urkundenb. d. Herzogt. Steierm., Ergänzung, 1949, bringt S. 22, 33 zwei Regesten aus dem Reuner Urkundenverzeichnis. 101) H. Z a t s c h e k, Zur Ausgabe der Urkunden des Wiener Bürgerspitals. Jahrb. d. Vereins f. Gesch. d. Stadt Wien 5/6 (1946/47), 142; Uhlirz, Quellen z. Gesch. d. Stadt Wien II/l, S. V. 102) Übersicht über die Bestände des Stiftsarchivs Klosterneuburg. Abschrift im Haus-, Hof- u. Staatsarchiv, Archivbehelf 465 aaa. i°2a) Alois Lang, Die Lehen des Bistums Seckau. Beitr. z. Erforschung steirischer Geschichtsquellen 42 (1931), 17; A. Mell, Katalog d. Handschriften d. Steiermärkischen Landesarchivs (1908), 8. i02b) Mitt. d. Steierm. Landesarchivs 5 (1955), 17—21. Hieher gehören auch die von L o s e r t h veröffentlichten Verzeichnisse des Stubenberger Archivs. A. a. O., 77 ff.