Walter Goldinger: Ergänzungsband 5. Geschichte des Österreichischen Archivwesens (1957)

Schatzgewölbe und Kanzleiarchive

14 Walter Goldinger verwahrt hatten68). Beim Bau des Landhauses in Linz wurde 1563 für die Urkunden ein woll verwarlich givelb herzustellen begonnen69). Die weitere Entwicklung ist gekennzeichnet durch die Bestellung eigener Registra­toren, die typische Zweiteilung in „Schatzarchiv“ und Betreuung der laufen­den Verwaltungsakten in den Registraturen tritt damit sinnfällig in Er­scheinung. In Steiermark läßt sich 1566 70), in Oberösterreich 157171) und in Niederösterreich 1580 72 73) ein solcher Einschnitt erkennen. Das Um und Auf dieser Geschäftsführung ist die Anlage von Registern, das Festhalten des Auslaufes in fortlaufend geführten Büchern 7S). Bei den kirchlichen Institutionen besteht aber die Verbindung mit dem „Schatz“ weiter. In den Inventaren über das Klöstervermögen, sei es im Zusammenhang mit der Reformation und Gegenreformation, sei es beim Wechsel des Vorstehers, werden auch die Archivalien, soweit sie zum Nach­weis der Gerechtsame dienten, vorwiegend also der Urkundenbestand, neben den Kleinoden und Paramenten verzeichnet74). Die Verbindung mit dem Schatz bleibt auch räumlich bestehen. Zur nämlichen Zeit, als man daran­geht, in den neuen Barockbauten großartige Bibliotheken einzurichten und an vielen Orten prunkvolle Empfangssäle der Wissenschaft und des Geistes entstehen75), zur selben Zeit werden auch nicht selten die Archivalien der Klöster neu geordnet. Wohl von Männern, die zumeist stark berührt sind von den kulturellen Strömungen, die jetzt an die Oberfläche drängen. Diese Arbeit vollzieht sich aber im Stillen und die Räume, die den Archivalien gewidmet werden, sind dem Außenstehenden verschlossen, kein Kloster­vorstand denkt daran, etwa mit ihnen prunken zu wollen; sie werden als Arcanum, oft in unmittelbarem Anschluß an die Schatzkammer, gehütet. 68) Anton Mayer, Das Archiv und die Registratur der niederösterreichi­schen Stände von 1518—1848. Jahrbuch f. Landeskunde von Niederösterreich 1, 1902, 89—168; dazu eine Ergänzung im Monatsblatt d. Vereins für Landeskunde v. Niederösterreich 2, 1904/5, 369 ff. 69) Zibermayr, 93. 70) Anton Mell, Das Archiv der steirischen Stände im steiermärkischen Landesarchive. Bericht über die vorläufige Ordnung desselben. Veröffentlichun­gen d. Hist. Landeskomm. f. Steiermark 21; ders., Archive und Archivwesen einer österreichischen Landschaft. Korrespondenzblatt d. Gesamtvereines d. deut­schen Geschichts- u. Altertumsvereine 54, 190, 507 ff.; ders., im Grundriß der Verfassungs- u. Verwaltungsgeschichte Steiermarks (1930), 467; Sittig, Die landständische Verwaltung und die Anfänge des steirischen Archivwesens. Un- gedr. Prüfungsarbeit am Österr. Inst. f. Geschichtsforschung 1938. Seine Er­gebnisse liegen mehr auf dem Gebiete der allgemeinen Verwaltungs- als der Archivgeschichte. 71) Zibermayr, 93. 7ä) Anton Mayr, 114 ff. 73) Zibermayr, 107. 74) L atzk e, 401. 75) A d r i a n i, Die Klosterbibliotheken des Spätbarocks in Österreich (1935).

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