Walter Goldinger: Ergänzungsband 5. Geschichte des Österreichischen Archivwesens (1957)

Schatzgewölbe und Kanzleiarchive

12 Walter Goldinger die Herstellung einer besseren Ordnung ließ er sich angelegen sein. So gab er am 23. Februar 1508 der Regierung in Innsbruck den Befehl, die Urkun­den seines Hauses in der Burg zu verwahren und Auszüge aus ihnen an­zufertigen. Im nächsten Jahre erweiterte er diesen Auftrag dahin, daß volle Abschriften anzufertigen seien. Auch gelehrte Männer wie Fuxmagen und Cuspinian verstand er für diesen Zweck heranzuziehen58). Das geplante Zentralarchiv in Innsbruck ist nicht zustandegekommen. Doch zeitigten die Bestrebungen Maximilians den Erfolg, daß sowohl dort wie in Wien die alten Archivalien — es handelt sich dabei in der Haupt­sache um Urkunden — in eine gute Ordnung gebracht wurden. Dies ist das Verdienst des Sekretärs und Registrators Wilhelm Putsch, den Erz­herzog Ferdinand 1524 in etlichen gehaymen sacken und, sonderlich zu besichtigung etlicher brief, so hie im schatzthurm liegen nach Wien be­rief59 *). In zwei Jahrzehnten, von 1527—1547, hat er die beiden Schatz­archive in Innsbruck und in Wien geordnet und verzeichnet. Das Ergebnis seiner Tätigkeit sind ein fünf- und ein vierbändiges Repertorium, die als ein bedeutendes archivarisches Werk angesehen werden dürfen69). Gestört wurden diese Ordnungsarbeiten durch die mehrfachen Extra­dierungen, die sich immer wieder ergaben. Festzuhalten ist, daß der Aus­druck Archiv nicht verwendet wird 61), doch ist 1526 erstmalig von Schatz­gewölben die Rede, wenn es heißt, es seien alle brief, register und puecher in den schätz- und anderen gewölben zu registrieren 62 63). Bald aber beginnt sich die Entwicklung des „Schatzes“ und jener Einrichtungen, denen Archivaufgaben zugedacht waren, zu trennen es). Damit endet auch der erste Abschnitt der österreichischen Archivgeschichte. Man wird dafür ganz allgemein die Mitte des 16. Jahrhunderts festlegen können. Die großen Arbeiten, die Wilhelm Putsch in den Schatzgewölben von Wien und Inns­bruck geleistet, später noch in Millstatt fortgesetzt hat64), bewegen sich durchaus im Rahmen des mittelalterlichen Herkommens. Auch die Art, in der 1565 die Aufteilung der Archivalien des Wiener Schatzgewölbes und die Einrichtung des Hofschatzgewölbes in Graz erfolgte, als nach dem Tode Ferdinands I. eigene Verwaltungsstellen in Wien, Graz und Innsbruck entstanden, ist noch „Mittelalter“, nicht bloß im Hinblick auf die recht­lichen Anschauungen, die dabei zur Geltung kamen, ebenso unter dem Ge­sichtspunkt der Behandlung der Archivalien, die diese hüben und drüben erfahren haben. Nicht unerwähnt soll daneben auch die unbewußte, rein *8) Stolz 88 f. 59) Hüter, Wilhelm Putsch. Versuch einer Lebensskizze. Historische Blätter, hgg. v. Haus-, Hof- u. Staatsarchiv 7, 1937, 93. 69) Stolz 91 ff. «i) Ebda 91. 82) Ebda 89. 63) L h o t s k y 78. 64) Latzke 606 ff.

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