Walter Goldinger: Ergänzungsband 5. Geschichte des Österreichischen Archivwesens (1957)
Schatzgewölbe und Kanzleiarchive
Schatzgewölbe und Kanzleiarchive 11 Inventar angelegt, das 1422 erneuert wurde48). In Österreich aber hat eine enge Verbindung mit dem Schatz bestanden und die Archivalien haben demnach sein Schicksal geteilt. Unter Albrecht II. ist von ihnen die Rede49), auch Rudolf IV. trifft über sie Verfügungen50), während jedoch im Neuberger Vertrag von 1379 darüber nichts enthalten ist. Es liegt daher die Annahme nahe, der Schatz sei schon lange geteilt gewesen und die für die Verwaltung der beiden Ländergruppen notwendigen Urkunden und Register seien schon vorher von den Häuptern der beiden Linien übernommen worden51). Tatsächlich befand sich in Wiener Neustadt seit 1412 neben Graz und der Feste Klamm das Archiv der Leopoldiner. Friedrich III. versuchte es zum eigentlichen kaiserlichen Archiv zu machen52). Schon 1424 war ein Inventar über die damals zu Wien, Wiener Neustadt und Graz vorhandenen Archivalien angelegt worden, das aber heute verschollen ist53). Hatten die Babenberger ihr Familienarchiv in Klosterneuburg hinterlegt, so folgten die Habsburger diesem Beispiele, indem sie einzelne für das Haus besonders wertvolle Urkunden dem Stift Lilienfeld überantworteten. Der größere Teil lag aber in der Wiener Burg, zunächst im Sagrär der Burgkapelle, seit dem Beginn des 16. Jahrhunderts aber im ersten Geschoß des Westturmes der Burg54). Für den Innsbrucker Urkundenbestand wurde 1484 ein Inventar angelegt55). Besondere Fürsorge wandte Maximilian I. den Archiven zu. Er bemühte sich, in Innsbruck ein Gesamtarchiv zu schaffen, wo alle Urkunden und Register des Hauses Österreich aufbewahrt werden sollten56). Dazu kam es nicht, doch sorgte Maximilian für eine bessere Unterbringung des alten Tiroler Schatzarohivs. 1501 ließ er im Hause der tirolischen Kanzlei in Innsbruck ein feuersicheres Gewölbe bauen und 1508 die Archivalien in ainem gewölb in unserm turn neuen St. Jacobskirchen unterbringen57). Auch 48) Vgl. Bruno Meyer, Das habsburgische Archiv in Baden. Zeitschrift für schweizerische Geschichte 23, 1943, 169—200, und die Edition von Thom- m e n, Die Briefe der Feste Baden, 1941. 40) Stowassei 19, Anm. 2; Lhotsky 20. 50) In der Übereinkunft mit seinen Brüdern vom 18. November 1364. Schwind-Dopsch, Ausgewählte Urkunden zur Verfassungs-Geschichte der deutsch-österreichischen Erblande im Mittelalter, S. 23, nr. 117; Lhotsky 26. 51) Lhotsky 32 f. 5D Kletler 81. 53) V. T h i e 1, Zur Geschichte des k. k. steiermärkischen Statthaltereiarchivs. Beiträge zur Erforschung steirischer Geschichte 37, 1914, 4. 54) Kletler 14; Lhotsky 78. 55) Stow as ser 40 f.; Stolz, Archiv- und Registraturwesen der oberösterreichischen (tirolisch-schwäbischen) Regierung im 16. Jahrhundert. AZ 42/43, 1934, 88. 56) Tille, Zum Versuche unter Maximilian I. ein Reichsarchiv zu schaffen. MIÖG 29, 1901, 296 ff.; Lhotsky 77 f., 115 f. 57) Michael Mayr, Das k. k. Statthalterei-Archiv zu Innsbruck. Mitteilungen der dritten (Archiv-) Section d. k. k. Centralkomm. z. Erforschung u. Erhaltung d. Kunst u. historischen Denkmale 2, 1893, 144.