Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/2. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1951)
V. Rechts-, Verfassungs- und Wirtschaftsgeschichte - 54. Paul Roth (Basel): Baslerisch-Vorderösterreichische Schiffahrtsstreitigkeiten im Lichte geheimer Korrespondenzen (1760-1765)
90 Roth ( Basel), Ungebührlichkeiten des Oberamtes Rheinfelden vorgetragen und um Abhilfe ersucht werden. Als sich Bender zum Schluß der Unterhaltung noch erkundigte, ob Bruckner nicht auch dem Herrn Präsidenten von Sommerau einen Besuch abstatten wolle, lehnte dieser instruktionsgemäß ab; gleichzeitig ersuchte er, Sommerau nichts von der stattgehabten Unterredung zu berichten. Über die Verrichtungen Bruckners in Freiburg zeigte sich der Rat von Basel befriedigt. Das erfreulichste Ergebnis der Besprechung bestand darin, daß es gelungen war, eine Nachrichtenlinie zur Freiburger Regierung aufzubauen. Den kostspieligen Weg nach Wien wollte der Rat dagegen nicht beschreiten, da er den Anständen doch nicht die Bedeutung zumaß, um ein kaiserliches Schiedsgericht anzurufen. Nach den Äußerungen Benders konnte man hoffen, daß vor allem keine Basler Schiffe auf dem Rheine angehalten würden. Die übrige Entwicklung der Dinge wollte man also zunächst ab warten. Seit dieser geglückten Kontaktnahme im März des Jahres 1760 spielten diese Beziehungen in der Form eines diplomatischen Nachrichtenaustausches bis zum Beginn des Jahres 1765 weiter. Der Freiburger Regimentsrat wußte, daß die Basler Angelegenheiten nur im Geheimen Rate der Dreizehn behandelt wurden, und man ihm gegenüber Diskretion bewahrte. Anderseits erkannte Basel den hohen Wert der ihm von Bender übermittelten vertraulichen Mitteilungen aus dem Schoße der vorderösterreichischen Regierung. In der Tat: die neue Quelle begann alsbald zu sprudeln. Schon am 25. September 1760 berichtete Bender Bruckner, daß in der gestrigen Sitzung des Rates ein Schreiben des Amtmanns von der Schlichten eingelangt sei, in dem sich die Rheinfelder Fischer gegen Basel beschwerten und als Repressalien das Recht zur Anhaltung baslerischer Schiffe verlangten. Der Antrag wurde indessen abgelehnt und dem Amtmann befohlen, sich mit Basel ins direkte Benehmen zu setzen. Bender empfahl Bruckner, auf das von Rheinfelden zu erwartende Schreiben ,,ganz trocken“ zu antworten: Obwohl der Amtmann die von Basel seinerzeit vorgeschlagene Konferenz zur Besprechung der Anstände abgeschlagen habe, willige man aus guter Nachbarschaft ein, doch nur in Anwesenheit eines Abgeordneten der vorderösterreichischen Regierung, um nicht genötigt zu sein, die unfreundliche Haltung Rheinfeldens dem Kaiser anzeigen zu müssen! Es war klar, daß sich der Geheime Rat in Basel über den ihm zuteil gewordenen Erfolg freute und in der Gestaltung der Dinge den Einfluß Benders erblickte. Man bedankte sich also bei diesem und erbat sich fernerhin vertrauliche Mitteilungen von ihm. Aber die Steinfahrt blieb zunächst gesperrt, und Rheinfelden rührte sich nicht. Am 12. März 1761 verlautete in Basel, daß von der Schlichten auf dem Rhein durch Basel gefahren sei und sich nach Freiburg begeben habe. Da der Rat befürchtete, daß die Reise im Zusammenhang mit den Basler Forderungen stehe, wurde der Registrator der Kanzlei beauftragt, unverzüglich bei Herrn von Bender einen Bericht zu erbitten. Gleichzeitig wurde dem Regiment in Freiburg gemeldet, daß von der Schlichten beim Verkauf von Basler Gütern im Österreichischen aus fiskalischen Gründen Schwierigkeiten bei der gerichtlichen Fertigung bereite und die bestehende Gegenseitigkeit nicht respektiere. Benders Antwort, die umgehend einlief, konnte die Basler teilweise beruhigen: Es sei der Sohn von der Schlichtens gewesen, der nach Freiburg gekommen sei, was nichts zu bedeuten habe. Dagegen sei bekanntgeworden, daß von der Schlichten die rechtsrheinische Landstraße nach Basel hinauf zu umgehen trachte, indem er die Güterfuhren von der Kalten- herberge über Mapprach, Lörrach und Degerfelden nach Rheinfelden ziehe; die österreichischen Landstände seien diesem Vorhaben zwar gar nicht gewogen, da zum Ausbau dieser Straße oder zur Errichtung neuer Verkehrswege kein Geld vorhanden sei; wegen der Fertigung von Gütern beidseitiger Untertanen sollte es beim alten und das Gegenrecht gewahrt bleiben. Anfangs Mai 1761 schien sich insofern eine neue Situation zu ergeben, als das Gerücht auftauchte, daß Oberamtmann von der Schlichten von Rheinfelden wegkomme und an