Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/2. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1951)
V. Rechts-, Verfassungs- und Wirtschaftsgeschichte - 53. Josef Karl Homma (Eisenstadt): Die Wüstungen des nördlichen Burgenlandes
Die Wüstungen des nördlichen Burgenlandes. 79 Csánkix) sucht Alrams an der österreichischen Grenze bei Großhöflein, Müllendorf oder Wulkaprodersdorf. Daß es an der Leithagrenze gelegen war, ist klar, die nähere Lagebezeichnung Csánkis scheint aber irrig zu sein. Nach der oben erwähnten Urkunde 1323 ist es jedenfalls Wr. Neustadt benachbart, da der Handel der Neustädter Bürger auf Grund des Privilegs Herzog Albrechts vom Jahre 1289 mautfrei über Alrams nach Ungarn geht1 2). Aus dem Teilungsbrief von 1346 erfahren wir aus der Folge der Ortsbenennungen: Ruhtukewr—Alrams—Kethykka juxta fluvium Saar—Kwesd—Besenew—Pomagli—Heren— Syklusd-Mattersdorf die Einreihung. Demnach lag Alrams zwischen Ruhtukewr und Kethykka an der Leitha. Wird nun Ruhtukewr dem heutigen Neudörfl gleichgesetzt, so liegt der Ort nordöstlich vom heutigen Neudörfl, etwa im Ostteile des Hotters von Lichtenwörth am rechten Leithaufer. Die Ursache der Verödung des Ortes Alrams ist uns nicht bekannt. Da wir nach 1434 keine Erwähnung der Siedlung auf finden können, dürfte es ein Opfer der Grenzkämpfe des 15. Jahrhunderts geworden sein. Eckendorf (Ekka, Ekca, Ikka, Kethykka, die beiden Ikka): 1309 kaufte Simon II. und sein Bruder Michael, Grafen von Mattersdorf, die beiden Ikka von den Söhnen des Banus Csah 3). Im Jahre 1325 (17. Jänner) läßt Paul, Sohn des Simon von Mattersdorf, im Beisein seines Bruders Lorenz vor dem Raaber Domkapitel seiner Braut Eis, Tochter des Grafen Albert von Pottendorf, auf seine Besitzanteile in Sigleß, Pöttsching, Ikka, Müllendorf und Stöttera eine bestimmte Summe als Morgengabe verschreiben. Für das Dorf Ikka werden 15 Talente festgesetzt4). Im gleichen Jahre (6. Juli) bindet Lorenz von Mattersdorf seinen Besitz Ekka, Pöttsching, Höflein, Müllendorf und Stöttera mit einerSumme von 80Talenten als Morgengabe für seine Braut Margareta, Tochter des Grafen Wlweng Hosundarfary (Wolf v. Haschendorf) 5). 1346 nehmen die gleichen Brüder Paul und Lorenz von Mattersdorf vor dem Kapitel von Gran die Teilung eines Großteiles der zu den Burgen Forchtenstein und Kobersdorf gehörenden Dörfer vor. Unter ihnen befindet sich auch Kethykka iuxta fluvium Saar (Leitha) 6), 7). 1377 spricht der Palatin Nikolaus Garai die Hälfte des Besitzes in einem Streit mit Tyuan, Sohn des Adrian de Byk, den Forchtensteiner Grafen Nikkul und Jensel ab und den Herren von Byk zu 8). Genannt werden in der Urkunde Pomach und ,,Ika ac altera Ika“. 1434 wird Kethekka iuxta fluvium Saar wieder in der gleichen Reihe der Dörfer genannt 9), desgleichen im Jahre 1435 Ketth Ikka 10 *). Nach den angeführten Urkunden handelt es sich um zwei Dörfer gleichen Namens. Ebenso ist klar, daß die Siedlungen an der Leitha lagen. Schwieriger ist die nähere Lagebestimmung, bzw. Identifizierung mit den Siedlungen von heute. Csánki n) setzt die beiden Ikka mit Zillingdorf und Zillingtal gleich. Dies hat bereits E. Moor 12) widerlegt, indem er darauf verweist, daß in der Urkunde von 1435 13) Cilingenthal und Keth Ikka nebeneinander genannt werden. Da bei Aufzählung der Grenz- Siedlungen Kethykka sowohl 1346 als auch 1434 14) zwischen Rettekewr (Neudörffl), Arlam 1) Csánki, III., S. 598. 2) Löger, ebenda, S. 57. 3) Löger, ebenda, S. 53. 4) Nagy, I., Nr. 86, S. 103. 5) Nagy, I., Nr. 67, S. 79. «) Nagy, I., Nr. 88, S. 106. 7) Nagy, I., Nr. 149, S. 186. 8) Nagy, I., Nr. 300, S. 425. 9) Nagy, II., Nr. 128, S. 212. 10) Nagy, II., Nr. 134, S. 228. u) Csánki, III., S. 611. 12) Moór E., ebenda, S. 43, Anm. 13) Nagy, II., Nr. 134, S. 228. 14) Siehe oben Nagy, I., Nr. 149 und II., Nr. 128.