Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/2. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1951)

V. Rechts-, Verfassungs- und Wirtschaftsgeschichte - 53. Josef Karl Homma (Eisenstadt): Die Wüstungen des nördlichen Burgenlandes

80 Hómmá, einerseits, Kwesd (Müllendorf) anderseits gestellt erscheint, so können die beiden Ikka, falls es sich um Wüstungen handelt, wie Csánki, Moór u. a. annehmen, im Hottergebiet von Lichtenwörth am rechten Ufer der Leitha gesucht werden. Einfacher und nicht von der Hand zu weisen wäre allerdings die Annahme, daß es sich bei den beiden Ikka nicht um Wüstungen, sondern um Ober- und Untereggendorf an der Leitha handelt. Für diese An­nahme würde sprechen: slawisch Ekkawa oder Ikkava = deutsch Eckendorf*). Wie österreichische Grafen (Haschendorfer, Pottendorfer) infolge verwandtschaftlicher Bei­ziehungen auch besitzrechtlich über die Leitha ostwärts griffen, können auch die Matters- dorfer-Forchtensteiner aus den gleichen Ursachen über die Leitha westwärts vorgestoßen sein. Es ist schwer anzunehmen, daß sich an der Leitha auf engem Abschnitt vier Dörfer gleichen Namens befunden haben. Dagegen spricht allerdings, daß noch 1377 Pomach, Pomagh mit den beiden Ikka an der Leitha als benachbart erwähnt wird * 2). Seyfried (Seifriedendorf, Siegfried, Sebreth, Sefred, Zsebret): Erstmalig ist der Ort in der Markbeschreibung von Stinkenbrunn urkundlich genannt 3). 1292 4) bestätigt Graf Georg von Alrams aus dem Geschlechte Osl die Übernahme einer Wiese in der Nähe des Ortes Alrams seitens des Deutschen Ordenshauses in Wiener Neustadt, für die jährlich der Frau Hedwig, Witwe nach Herrn Syffrid von Haslau (Haslowe) zu Michaeli 1 Talent Denare Wiener Währung zu zahlen sind. Aus den weiteren Abmachungen geht hervor, daß die Witwe Syffrid in der Nähe Besitzrecht hat und man darf annehmen, daß es sich hier um die Herrin von Seyfried (Sebreth) handelt. 1309 wird vor dem Raaber Domkapitel unter den Mitgliedern der Familie Osl ein Tauschvertrag um einen Besitzanteil in Sefred ge­schlossen 5). Nach dieser Zeit wird der Ort urkundlich nicht mehr erwähnt. Die Lage von Seyfried ist durch die Markbeschreibung von 1271 eindeutig gegeben. Hotter und Dorf lagen im Westen von Stinkenbrunn. Der Hotter dürfte mit dem des heutigen Neufeld identisch sein. Pomagh (Pomogh, Pomach): Die Siedlung wird 1346 den Brüdern Paul und Nikolaus, Söhnen des Magisters Lorenz, sowie Nikolaus, Sohn des Nikiin von Mattersdorf, zu gleichen Teilen zugeteilt 6). 1356 ist Pomagh im Besitze Niklyn des Deutschen von Forchtenstein. In der Urkunde des gleichen Jahres 7) wird angeführt, daß Nikolaus von seiner Besitzung Pomogh mit seinen Genossen zum Besitz Peters, Saruid, mit Waffengewalt gekommen und 100 Netze (sagena sive gulgustra) der Jobagyonen des Peter verbrannt und andere 100 ver­wüstet habe. 1377 spricht der Palatin Nikolaus Garai die Hälfte des Besitzes Pomach und der beiden Ikka dem Nikolaus und Jensel von Forchtenstein ab und dem Tyuan, Sohn des Adrian von Byk, zu 8). Wie in der Teilungsurkunde der Forchtensteiner von 1346 9) wird auch in jener des Jahres 1434 der Ort als „Villa“ in der Reihe der Siedlungen Rutukewr (Neudörfl), Alrams, Kethykka, Kwesd (Müllendorf), Pomagh, Heren (Hirm), Syklusd (Sigleß), Nogmartun (Mattersburg), castrum Faruhno (Forchtenstein), Wysun (Wiesen) und Sandorph (Schattendorf) genannt. E. Moór 10) setzt dieses Pomagh mit Pomagh iuxta lacum Ferthew, also Pamhagen (Pomogy) im Seewinkel gleich. Dies geht indessen nicht an, da beide Pomogh in derselben Urkunde von 1346 nebeneinander angeführt werden und ganz klar von einander geschieden sind. Nach der Markbeschreibung von Stinkenbrunn aus x) Vgl. Moór E., ebenda, S. 61. 2) Bei Moór, ebenda, S. 43. 3) Wenzel, ebenda, 8, 362. 4) Nagy, I., Nr. 45, S. 58. 5) Nagy, I., Nr. 57, S. 70/71. 6) Nagy, I., Nr. 149, S. 187. 7) Nagy, I., Nr. 193, S. 250. 8) Nagy, I., Nr. 300, S. 425. 9) Nagy, I., Nr. 149, S. 187. 10) Moór E., ebenda, S. 43, Anm.

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