Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/2. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1951)

VII. Allgemeine und österreichische Geschichte. - 76. Karl Feiler (Wien): Karl Ritter von Ghega. Ein Beitrag zur Entstehungsgeschichte der Semmeringbahn

Karl Ritter von Ghega. 473 Der überraschende, in seinen wahren Hintergründen kaum je ergründete Wandel in der staatlichen Eisenbahnpolitik hatte Ghega, der sein ganzes Leben ausschließlich — er war unvermäblt geblieben — der Wissenschaft und dem öffentlichen Dienste weihte, wohl sehr tief und schmerzlich berührt. „Liebenswürdig im Umgänge, in Sturm und Wetter seine gute Laune nie verlierend“, seine Mitarbeiter „selbst nach überstandenen schweren Mühen durch Witz und sprudelnde Heiterkeit“ erfrischend, fand ihn sein getreuer Weggefährte Engerth zuletzt „leidend und entmuthiget. Nur im Gespräch über technische Wissenschaft, über die Leistungen der Neuzeit und den wahrscheinlichen Fortschritt belebte sich sein ermattendes Auge, der seiner Kraft bewußte Mann trat wieder hervor“. Nach seinem allzu frühen Tode wurde Ghega im alten Währinger Friedhof bestattet; sein Grabstein wies die lateinische Inschrift auf: „Quieti et memoriae Caroli de Ghega V. C. domo Venetiis Equitis et doctoris Caes. Aug. a consiliis minist, quem ad supremam sidero- dromum per Austriacas ditiones praefecturam pro meritis avectum arduis ingentium operum molitionibus scientia atque alacritate summis facile aequandum pluribus exinde domi-foresq. principum, jure auctum honoribus ann. aet. suae LVII citum heu nimis fatum inopine praeripuit prid. Id. Mart. ann. MDCCCLX sorores earumq. viri filiiq. fratri amantissimo leviro avunculoq. b. m. cum lacrimis posuere“ x). In Wiedergutmachung des einstigen Vorstoßes gegen Ghega errichtete der österreichische Ingenieur- und Architekten-Verein seinem berühmtesten Mitglied (ab 1852) ein von Künstler­hand geschaffenes Denkmal auf dem Semmering und gründete aus dem reichlichen Spenden­überschuß eine Ghega-Stiftung für Hörer der Technischen Hochschule in Wien (1869); Ghegas sterbliche Überreste aber ließ er in ein prunkvolles Grabdenkmal auf dem Ehrenfriedhof der Stadt Wien übertragen (6. September 1887) und ergänzte schließlich das Ehrenmal auf dem Semmering durch zwei Weihetafeln, die eine mit dem Wahlspruch Ghegas: „Durch die Eisenbahnen verschwinden die Distanzen, die materiellen Interessen werden gefördert, die Kultur gehoben und verbreitet“, die andere lautend: „Segensreich hat sich erfüllt, was Dein heller Geist erkannte, zum Ruhme unseres Vaterlandes, unserem Stande zur Ehre“ (1904). Unter den in der Eingangshalle des Technischen Museums für Industrie und Gewerbe in Wien aufgestellten Hermen der drei berühmtesten heimischen Ingenieure befindet sich auch jene Ghegas. Quellennachweis: Die Schriftquellen des Österreichischen Staatsarchivs-Verkehrsarchiv. Gedruckte Quellen: Kupka P. F., Die Eisenbahnen Österreich-Ungarns (Leipzig 1888). Strach H., Die ersten Eisenbahnen, in: Geschichte der Eisenbahnen der österreichisch-ungarischen Monarchie, I. Band, I. Teil (Wien 1898). Beschreibender Katalog des k. k. Historischen Museums der österreichischen Eisenbahnen, verfaßt im Aufträge des k. k. Eisenbahnministeriums (Wien 1902). Enderes Bruno, Das österreichische Eisenbahnwesen, in: Blätter für Geschichte der Technik, hrsg. vom österreichischen Forschungsinstitut für Geschichte der Technik in Wien, Erstes Heft (Wien 1932). Feiler Karl, Aus dem Reiche der Schiene (Wien 1949). Ferner fallweise Veröffentlichungen in der Zeitschrift des österreichischen Ingenieur- und Architekten- Vereins und in der Zeitung des Vereins Deutscher (später Mitteleuropäischer) Eisenbahn Verwaltungen sowie einzelne Veröffentlichungen im Selbstverlag der Herausgeber. q In freier Übersetzung: „Der Ruhe und dem Andenken des sehr berühmten Dr. Karl Ritter von Ghega, k. k. Ministerialrates, der durch seine mit Wissenschaft und Tatkraft vollführten großartigen Schöpfungen zu einer obersten Stelle im österreichischen Eisenbalmdienste sowie zu mannigfachen Ehren und in- und ausländischen Auszeichnungen gelangte. Leider ereilte ihn unerwartet rasch schon im 57. Lebensjahr, am 14. März 1860, der Tod. Das Grabmahl haben seine von ihm zärtlich geliebten Schwestern und deren Gatten und Söhne dem auch um sie besonders verdienten Bruder gesetzt.“

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