Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/2. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1951)

VII. Allgemeine und österreichische Geschichte. - 73. Theophila Wassilko (Wien): Rudolph Graf Wrbna als landesfürstlicher Hofkommissär für Niederösterreich während der Besetzung Wiens im Jahre 1805

424 Wassilko, ihm, sondern der Armee gehöre, der er sie geschenkt habe. Im übrigen würde nicht er die Zerstörung der Fabriken veranlassen, sondern geeignete Leute hiefür aussuchen, die er später desavouieren werde; außerdem werde er „außerordentliche Forderungen machen und alle partikular Requisitionen dulden“. Wrbna trat beim Kaiser dafür ein, die Forderungen Soults, wenn es der Zustand der Finanzen nur irgendwie „zulasse“, zu erfüllen, um damit der Stadt und deren Bevölkerung „unendliche Plackereien und vieles Elend zu ersparen“ und machte in dieser Hinsicht einige Vorschläge. Der Kaiser genehmigte die Anträge Wrbnas und schrieb ihm „als Hauptgrundsatz vor, daß in dem gegenwärtigen Zeitpunkte alles daran liege, die Evacuation Wiens und Österreichs mit dem möglichst geringsten Ungemache der Einwohner und der sorgfältigsten Erhaltung des Staats- und Privateigentums zu bewirken und daß die Aufopferung einiger Geldsummen so empfindlich sie Mir bei der dermaligen Lage der Finanzen auch fällt gegen einen Ausbruch von Exzessen und Gewalttätigkeiten nur das kleinere Übel ausmache“. Ferner beauftragte er Wrbna, „einverständlich mit dem FML. Grafen Gyulay und dem Militärübernahmskommissär Grafen Kolowrath x) diejenigen Opfer auszumitteln . . ., die, um diese Landplage einmal loszuwerden und das Land von größeren Übeln zu befreien, unumgänglich notwendig sind, die sodann unbedenklich dar­gebracht werden können“ * 2). Am 5. Jänner 1806 konnte Wrbna berichten, daß Soult bisher „bloß schönes Porzellan 3) und zwei sehr schöne Reitpferde“ erhalten habe, „auch werde er ihm noch sechs Wagen­pferde, welche (er) ihm ein verständlich mit dem Fürsten Liechtenstein zusagte, verschaffen müssen und damit hoffe (er) ihn vor der Hand abspeisen zu können“, da er ihm bezüglich seiner anderen Forderungen erklärt habe, „daß es . . . nicht tunlich sei, die von ihm geforderten Geldsummen aufzubringen, besonders weil die Artilleriegegenstände nicht von ihm abhangen. Übrigens wird“, fügt Wrbna hinzu, „solange der Marschall Berthier sich hier befindet, durch die Verwendung des Fürsten Liechtenstein allen Erpressungen von seiner Seite begegnet, und alle Exzesse hintangehalten werden können; nach der Abreise Berthiers aber dürften wir wohl einen ziemlich schweren Stand, obgleich nur sehr kurz mit Marschall Soult haben, doch werden wir mit vereinten Kräften alles aufbieten, um bei der betreffenden Evacuation von Wien alles Ungemach ohne weitere Kosten von den hiesigen Einwohnern möglichst hintanzuhalten“ 4). Besonders unerquicklich gestalteten sich auch die Verhandlungen mit Staatsrat Daru wegen des Rückkaufs der beschlagnahmten Aerarialgüter. Wie wir wissen, hatten die Franzosen trotz aller Vorsichtsmaßregeln sämtliche Salz-, Tabak-, Früchten-, Holz- und Steinkohlen­vorräte beschlagnahmt. Im Zuge des nun einsetzenden Abverkaufs dieser Güter hatte Daru dem landesfürstlichen Kommissär auch die in Nieder- und Oberösterreich vorhandenen Salzvorräte jedoch zu einem so hohen Preis zum Rückkauf angetragen, daß Wrbna dieses Anbot — teils aus Geldmangel, teils weil der Preis weit über dem tatsächlichen Erzeugungs­preis lag — im Einvernehmen mit Freiherrn von Bartenstein ablehnen mußte. Daru, darüber sehr erbost, drohte, das ganze Salz ins Ausland zu exportieren und dafür zu sorgen, daß für den auftretenden Salzmangel das österreichische Gouvernement verantwortlich gemacht werde 5). Wrbna hat sich später doch entschlossen, „unter der Hand alles Salz in Unter- und Oberösterreich um einen ziemlich hohen Preis, nämlich um mehr denn 7 Livres in gutem Gelde, weil sich zu viele Konkurrenten meldeten“, aufzukaufen, „den Tabak hoffte (er) wohl­feiler zu erhalten“ 6). q Dieser war als Übernahmskommissär ex parte militari für Ober- und Niederösterreich bestimmt worden; KFA, Fasz. 76 a, Resolution auf Note vom 30. Dezember 1805. 2) KFA, Fasz. 76 a, Note mit Resolution vom 31. Dezember 1805. 3) LHK, Nr. 940; Liste der an Marschall Soult aus der Porzellanmanufaktur abgegebenen Porzellan- gegenstände. 4) KFA, Fasz. 76 a, Note vom 5. Jänner 1806. 5) Ibid., Note vom 2. Dezember 1805. *) Note Wrbna an Zichy vom 15. Dezember 1805, Kab. Akten, Z. 161 Pr. 1805.

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