Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

IV. Quellen und Quellenkunde - 33. Fritz Popelka (Graz): Die ritterlichen Dienstreverse in der Grafschaft Görz und das Aufkommen der Feuerwaffen

Ritterliche Dienstreverse in der Grafschaft Görz. 507 Außer der eigentlichen Kriegsdienstleistung wurden die Ritter noch zu verschiedenen anderen Leistungen verpflichtet. Die häufigste und selbstverständlichste Forderung war wohl das Offenhalten ihrer Burgen für die Grafen von Görz *). Die Übernahme der Hut über eine bestimmte Burg wurde ihnen neben dem Kriegsdienst vielfach zur Pflicht gemacht. Wülfing Gurnizer verpflichtete sich 1361 mit acht „erbaren dienern“ (Edelknechten), mit Wächtern, Pförtnern und ,,mit andern sorgnußen“ auf der Veste zu Obertolmein sich dauernd seßhaft zu machen. Dafür erhielt er jährlich 55 Mark Schilling aus dem Amt Tóiméin, die ihm vom Amtmann und Schreiber Hanns Heinrich vierteljährlich ausbezahlt werden sollten * 2). Mit acht Ehrbaren (Knechten) hatte 1368 Vlrich Schlinwer auf der Feste Raspurg zu hausen. Marx der Heuzz aus dem Lauental hatte 1376 „gewappent ze Rossen“ dem Grafen Meinhard zu dienen und zugleich auch den ,,turen, der gelegen ist in dem Gurchtal“ zu behüten 3). Die Görzer Grafen trachteten, den Kriegsdienst auswärtiger Ritter und Edelknechte durch stärkere Bindungen zu festigen. So mußte sich Galle von Gallenberch am 18. Mai 1360 unter die Herrschaft der Brüder Meinhard und Heinrich von Görz begeben, bis zum Jakobitag (25. Juli) 625 Gulden für den Ankauf von Gütern anlegen und Kriegsdienste leisten. Dafür erhielt er 4 Mark Einkünfte in Friaul und verpflichtete sich, falls diese von den Grafen aus­gelöst würden, das eingenommene Geld für den Ankauf anderer Güter innerhalb ihrer „Gewalt und Herrschaft“ anzuwenden 4). Vom Venezianer Andriolus oder Arnoldus verlangte Graf Meinhard von Görz, er müsse sich innerhalb eines Jahres, gerechnet vom St. Laurentiustag (10. August) an, in Görz niederlassen5). Die Forderung, auf den belehnten Gütern sich niederzulassen, wurde öfters erhoben 6). Den dienstsuchenden Rittern billigte man manchmal Stellvertretung im Kriegsdienst zu, doch durfte der Stellvertreter nur ein Ehrbarer, ein Edelknecht, sein. So verpflichtete sich Mertel von Altenhofen 1363 „mit mein selbs leyb oder ein erber dyner an meiner stat“ Kriegsdienste zu leisten 7). Aufnahmen in die Kriegsdienste der Görzer Grafen fanden fast alljährlich statt. Die Reverse häufen sich dann, wenn Kriege bevorstanden. Die Görzer Grafen waren an allen Auseinandersetzungen beteiligt, die sich zwischen den Venezianern, dem Patriarchen von Aquileja und den Herzogen von Österreich abspielten. Der Zwist zwischen dem Patriarchen und Herzog Rudolf IV. äußert sich in dem Anschwellen der Reverse zwischen 1360 und 1363. Damals stellten sich die Grafen Meinhard und Heinrich von Görz Herzog Rudolf IV. gegen ein Dienstgeld von 1100 Pfund zur Verfügung8). Auch die Spannungen, die der Anfall Tirols an die Habsburger auslöste, spiegeln sich in den Reversen. Auf den Auffensteiner- aufstand von 1368 sind etliche Kriegsdienstverpflichtungen zurückzuführen. Besonders zahlreich sind die Reverse aus dem Jahre 1373, als Venedig Krieg mit Franz von Carrara führte. Die höchsten Zahlen weisen die Jahre 1377 und 1383 auf. Im ersteren Jahre kam es zwar zu keinen umfangreichen Kriegshandlungen, 1383 wirkten aber der Berchtesgadener Krieg und der bevorstehende Feldzug Herzog Leopolds III. gegen Venedig um den Besitz von Treviso ein. Nach 1384 flaute die Ausstellung von Reversen, soweit sich dies aus ihrer Erhaltung schließen läßt, stark ab. Die ritterlichen Dienstverpflichtungen der Görzer Grafen unterscheiden sich ihrem Inhalte nach kaum von anderen ähnlichen Verträgen, die mit den benachbarten Salzburger Erzbischöfen und den Herzogen von Österreich in diesem Zeiträume abgeschlossen wurden. x) Hofschatzgewölbeurkk. Nr. 28 (1301), Nr. 176 (1349), Nr. 292 (1373), Nr. 326 (1377). 2) Ebenda Nr. 205 (1361). 3) Ebenda Nr. 271 (1368); H.H.St.A. Rep. 24, 1376 XII 9. 4) H.H.St.A. Rep. 24, 1360 V 18. 5) Ebenda 1370 VII 28. — Hofschatzgewölbeurkk. Nr. 280 (1370). 6) Zum Beispiel Niclaß der Grimschitzer für den Hof des Jakhe zu Grimschiz. Hofschatzgewölbeurkk. Nr. 318 (1375). 7) H.H.St.A. Rep. 24, 1363 X 8. 8) Frisch, a. a. O. S. 42.

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