Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)
IV. Quellen und Quellenkunde - 33. Fritz Popelka (Graz): Die ritterlichen Dienstreverse in der Grafschaft Görz und das Aufkommen der Feuerwaffen
506 Popelka, Görz ist nicht selten der Anlaß, Kriegsdienste auf sich zu nehmen. Mit der Aufnahme in die Dienerschaft waren besondere Begünstigungen verbunden, die aber in den Reversen als bekannt vorausgesetzt und daher nicht besonders aufgenommen wurden x). Diese Aufnahmen kommen erst ab 1376 vor. Manchmal führten besondere Anlässe in die Kriegsdienste der Grafen von Görz. Auch ein gewisser Zwang fehlte nicht und gewisse Umstände ließen es lohnend erscheinen, sich den Grafen zu verpflichten. Franz von Villalta bedang sich 1349 für seine Kriegsdienste den Beitritt zum Bündnis zwischen den Görzern und der Kommune von Cividale aus * 2). Niklas dem Weissenegger mußten die Görzer 1352 die Beibehaltung der „haubtmaney“ auf dem „Mursei“ zusichern 3). Hanns Schlintenpurg von Drauburg wurde zu diesem Schritte durch die Bewilligung seiner Heirat mit Wendel, der Tochter der Frau Königin zu Dölach veranlaßt 4). Mitunter führten die Auslösung einer Schuld und gewisse Verfehlungen in die Kriegsdienste der Görzer. Mixe von Waxenstein verpflichtete sich 1368 „von der schuldt wegen“ zu dienen. 1377 mußten Friedrich der Wolfsawer und seine Tochter Anna, weil ihre Leute vor der Feste Velsperg (Welsberg) einen Mann gehängt hatten, ohne diesen dem Görzerischen Landrichter zu überantworten, als Sühne dem Grafen geloben, Kriegsdienste auf ein Jahr zu leisten. Die Urkunde stellten Nikolaus von Lint, Konrad der Trautsun von Sprechen- stain und Meinhart der Florianer als Bürgen aus 5). Michel der Ebersteiner hatte auf dem Karst in den Besitzungen des Grafen Meinhard Räubereien verübt. Auf die Bitte der „erbaren ritter und knechte mitsambt meinen freunden“ wurde ihm Gnade gewährt, jedoch mußte er drei Jahre lang gegen jedermann Kriegsdienste leisten 6). Hanns von Stall, seine Ehefrau Sophia und seine Schwestersöhne Jörg, Niclas, Ottl und Ruedl verpflichteten sich 1379 „nach meiner freundten rhat“ alle feindseligen Handlungen gegen die Görzer einzustellen, allen Bündnissen zu entsagen und keinem andern Herrn als den Görzern auf unbestimmte Zeit Gefolgschaft zu leisten 7). Nicht nur die Belehnung mit einer Burghut, auch die Überlassung einer Burghut, die mit bestimmten Einkünften dotiert war, verpflichtete zu Kriegsdiensten, die in den Reversen in einem festgesetzten Ausmaße aufgezählt werden 8). Der Grund für die Verpflichtung des Walther Pertholdus war 1377 die Überlassung eines Eigenmannes 9). Selten ist in den Reversen von der Wiedergutmachung die Rede, die durch Verluste im Kriegsdienste entstanden. Der Ersatz der Verluste scheint selbstverständlich gewesen zu sein. Graf Meinhard bedang sich 1363 in dem Vertrag mit Vlle Rinchk für die ihm überlassenen Huben mit dem Erträgnis von drei Mark eine Ablöse von 25 Mark Schilling aus und sicherte ihm und seinen Erben im Falle der Gefangenschaft die Auslöse und für den Verlust von Pferden einen Ersatz zu „als andern seinen getriuwen dienern“ 10). Wurde der Vertrag aufgelöst, so wurde die Dienstesentlassung durch eine Urkunde bekräftigt. 1372 bestätigte Graf Meinhard Nikel dem Sumerecker und seinem gleichnamigen Sohne die Lösung des Kriegsdienstverhältnisses unter Aufzählung aller Verpflichtungen, die beide Edelknechte in ihrem Reverse eingegangen waren 11). *) Leonhart, Sohn des Hanns von Velach, H.H.St.A., Österreichische Akten, Görz, Nr. 2 (1376); Hans der Heuz, Sch. A. II, 2002 (1381); H.H.St.A. Rep. 24, 1383 II 11; II 19; IV 7. 2) Hofschatzgewölbeurkk. Nr. 176. 3) Ebenda Nr. 181. 4) Ebenda Nr. 352 (1379). 6) Ebenda Nr. 272 (1368); H.H.St.A., Österreichische Akten, Görz, Rep. 24, Nr. 1. 6) Hofschatzgewölbeurkk. Nr. 337 (1377). 7) Ebenda Nr. 352 (1379). 8) Für Brießnikh 1373 VII 3 (ebenda Nr. 296), Moosburg 1384 VII 23 (ebenda Nr. 413), Puttersberg 1384 IX 28 (ebenda Nr. 414), Waidenburg 1385 II 5 (ebenda Nr. 419). 9) Ebenda Nr. 326 (1377). 10) H.H.St.A. Rep. 24, Urkk. 1363 s. d. u) H.H.St.A. Rep. 24, 1372 II 12 Lienz.