Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

IV. Quellen und Quellenkunde - 33. Fritz Popelka (Graz): Die ritterlichen Dienstreverse in der Grafschaft Görz und das Aufkommen der Feuerwaffen

504 Popelka, in deutscher Sprache abgefaßt, während sich Franciscus von Villalta (1349), Guglielmus von Ragonia (1364), Franciscus de Ragonia (1373), Walther Pertholdus und sein Sohn Pregonea (1377) und Johannes von Cutania (1378) der lateinischen Sprache bedienten. Letztere sind sicher trotz ihrer teilweise deutschen Namen Italiener gewesen, die aber nur einen verschwindenden Teil der Gesamtzahl ausmachen. Als Venezianer erscheint ein Andriolus oder Arnoldus, Sohn des Vitor(is) de Venetis 1370. Unter die ritterlichen Leute gehört auch Hanns Vordisem (?), der als Richter zu Virgen sich 1365 dem Grafen Meinhard von Görz zu ritterlichen Diensten verpflichtete. Als Anführer von Söldnergruppen waren in den östlichen Alpenländern besonders die Weissenegger bekannt. Von 1357 bis 1382 standen mindestens sechs Angehörige dieses Geschlechtes im Solde der Salzburger Erzbischöfe *)• Sie finden sich ebenso im Kriegsdienste der Görzer Grafen. 1352 war Niclas der Weissenegger der Anführer einer Gesellschaft, unter denen Friedrich von Völkermarkt, Ulrich von Reiffenberg, Hannß von Stain, Simon Burggraf von Görz, Albrecht und Heinrich von Görz, Hannß Paimer, Ott Khindt- berger und Heinrich Fraß von Dy wein (Duino) namentlich genannt sind. Hartneid von Weissenegg, Hauptmann in Krain und in der windischen Mark, trat 1353 mit 60 Gewaff- neten um den Betrag von 500 Mark Schilling in den Sold der Grafen Meinhard und Heinrich von Görz. Die Einzelaufnahmen in den Kriegsdienst bildeten die Regel. Sie erfolgten in der weitaus überwiegenden Mehrzahl der Fälle ohne Beschränkung des Zeitraumes auf „alczeit“ und „wider allermenichleich“, also gegen alle jene, die in Gegenwart und Zukunft gegen die Grafen von Görz Krieg führen sollten. Selten ist der Zweck der Aufnahme in den Dienst bezeichnet. So verpflichtete sich Otto von Monparis (Montpreis) 1301 gegen die Ortenburger Dienste zu leisten. Hartneid von Weissenegg führte 1353 seine Söldner ausdrücklich nur gegen den Patriarchen von Aquileja* 2). Viel öfter bedangen sich die aufgenommenen Ritter und Edel­knechte territoriale Beschränkungen aus. Friaul, Karst und Isterreich (Istrien) sind die am meisten genannten Schauplätze, innerhalb deren Grenzen sie sich zu Kriegsdiensten ver­pflichteten 3). Auch die Begrenzung auf Friaul, Karst und Österreich kommt in den Reversen vor, falls dies in den Abschriften kein Versehen des Abschreibers ist 4). In dem Revers des Joannes de Cutania ist die Heeresfolge auf Friaul eingeschränkt5). Hans, des Sagmaisters Eidam von Spital, der Lehensmann der Ortenburger war, bedang sich 1383 in seinem Revers nur Heeresfolge „in dem Landt, in dem Pustertall und in nidern Kernten“ aus 6). In den andern Reversen ist der Umfang des Landes, d. h. des Machtbereiches der Görzer und ihres Rechtsgebietes, näher umschrieben. Mertel von Altenhofen und Hannß Schlintenpurg von Oberdrauburg nahmen Kriegsdienste nur innerhalb von „Kernten, Luenz und in dem Pusterthal unzt an die Claus under Seben“, die anderen Machtgebiete der Görzer Grafen in Friaul sind also nicht inbegriffen 7). Ohne Nennung des Kriegsschauplatzes beruft sich Nicel Petschacher auf die im gleichzeitigen Lehensbrief des Grafen Meinhard von Görz angegebenen „Stätten“ 8). q Klein, a. a. O. S. 150. 2) Landesregierungsarchiv, Hofschatzgewölbeurkk. Nr. 28 (1301), Nr. 184 (1353). 3) Ebenda, Hofschatzgewölberepertorium VII, f. 232’ (1361). — H.H.St.A., Rep. 24 (1363) Vlle Rinchk. — Guglielmus de Ragonia, Hofschatzgewölberepertorium VIII, f. 16 (1364). — Hans von Stegberch imd sein Sohn Wilhalm, H.H.St.A. Rep. 24, 1368 VI 19. — Elzbet des Piero wirtinn von Cremawn, H.H.St.A. Rep. 24, 1372 I 26, Cremawn. — Franciscus von Ragonia, Hofschatzgewölbeurkk. Nr. 292 (1373). 4) Sclirannet von Rubein, Hofschatzgewölbeurkk. Nr. 192 (1359). — Hans Sebriacher, H.H.St.A. Urkk. 1361 III 12. 6) Ebenda Nr. 342 (1378). 9) Ebenda Nr. 390 (1383); über den Begriff „Land“ vgl. Otto Brunner, Land und Herrschaft 2, 201 ff. 7) H.H.St.A. Rep. 24, 1363 X 8; Hofschatzgewölbeurkk. Nr. 249 (1365). 8) Ebenda Nr. 395 (1383).

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