Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)
I. Archiv-Wissenschaften - 4. Anton Largiadér (Zürich): Schweizerisches Archivwesen. Ein Überblick
Schweizerisches Archivwesen. 41 katholisch und galt seither als Vorort der katholischen Kantone. Die Bestände des Luzerner Archivs sind für die Beziehungen zu Italien, Savoyen, Spanien und zum Papst von großer Wichtigkeit. Klosterarchive kamen infolge der Säkularisationen im 18. und 19. Jahrhundert ans Staatsarchiv. Luzern besitzt ferner umfangreiche Bestände, die zur Ergänzung der Amtlichen Sammlung der älteren eidgenössischen Abschiede herangezogen werden können 4). Freiburg und Solothurn, welche beim katholischen Bekenntnis verblieben sind, traten dem Bunde 1481 bei. Die Hauptgruppen im Freiburger Archiv sind das alte Staatsarchiv, das aus einem kommunalen Archiv herausgewachsen ist, und dann die Bestände der im 19. Jahrhundert aufgehobenen Klöster, der Korporationen und des Hospitals. Die mittelalterlichen Notariatsprotokolle sind eine besondere Eigentümlichkeit des Archivs von Freiburg und kennzeichnen die Stadt als eine Siedlung, die an der Grenzscheide des deutschen und romanischen Kulturgebietes liegt. Erst im 15. Jahrhundert konnte Freiburg die letzten Spuren der landesherrlichen Stadt abstreifen, indem es den Bruch mit Österreich vollzog. In der Westschweiz verwaltete es seit dem 15. Jahrhundert eine Reihe von kleineren Herrschaften gemeinsam mit Bern 2). In Solothurn, ebenfalls einem katholisch verbliebenen Stadtstaat, ähnlicher Aufbau der politischen Entwicklung wie in Bern. Ganz besonders sind im solothurnischen Staatsarchiv die Urkunden und Akten zu den französischen Bündnissen von 1549 bis 1777 zu erwähnen. Die unter dem Einfluß des liberalen Katholizismus durchgeführten Säkularisationen brachten im 19. Jahrhundert Zuwachs an Klosterarchiven 3). Auch Basel spiegelt die Geschichte eines Stadtstaates mit eigenem Untertanengebiete wieder. Die an beherrschender Stelle des Oberrheins gelegene Republik emanzipierte sich vollständig vom bischöflichen Stadtherrn (Bundeseintritt 1501) und übernahm geistliche Archive im Zuge der Reformation. Im 16. und 19. Jahrhundert erhielt Basel Teile des Archivs des Bistums Basel, mußte anderseits 1834 an den neugeschaifenen Kanton Basel-Land wichtige Bestände abtreten. Außer dem Hauptarchiv bestehen umfangreiche Nebenarchive und eine Gruppe von zahlreichen Privatarchiven4). Zu den reformierten Stadtstaaten gehörten auch Schaffhausen und Genf. Schaffhausen (Bundeseintritt 1501) entwickelte sich neben dem Kloster Allerheiligen zum selbständigen Staat, wußte die österreichische Hoheit im 15. Jahrhundert abzuschütteln und vollzog seinen endgültigen Anschluß an die Eidgenossenschaft. Einen großen Zuwachs brachten im 16. Jahrhundert die Archive der aufgehobenen Klöster5). Genf, das bis 1798 nur zu den „zugewandten Orten“ gehörte, zeigt in seiner ganzen Entwicklung den Typus des reformierten Stadtstaates. Es überwand sowohl die bischöfliche *) *) Anton Philipp von Segesser, Rechtsgeschichte der Stadt und Republik Luzern, 1. Bd., Luzern 1851, S. X—XVIII (kurze Geschichte und Skizzierung der Bestände des Staats- und Stadtarchivs Luzern). 2) Paul E. Martin, Catalogue des manuscrits de la Collection Gremaud conservés aux Archives d’Etat de Fribourg, Fribourg 1911. — Hektor Ammann, Mittelalterliche Wirtschaft im Alltag; Quellen zur Geschichte von Gewerbe, Industrie und Handel des 14. und 15. Jahrhunderts aus den Notariatsregistern von Freiburg im Uechtland, 1. Lief., Aarau 1942. 3) Josef Bannwart, Das solothurnische Kanzleiwesen im Mittelalter. In: Vereinigung Schweizerischer Archivare, Jahresversammlung 1947, Solothurn 1947, S. 6—12. — Ambros Kocher, Entwicklung der solothurnischen Archive, a. a. O. S. 13—19. 4) Rudolf Wackernagel, Das Staatsarchiv des Cantons Basel-Stadt, Basel 1882. — Rudolf IV ackernagel, Inventar des Staatsarchivs des Kantons Basel-Stadt, Bern 1895 (Inventare 1. Bd.). — Rudolf Wackernagel, Repertorium des Staatsarchivs zu Basel, Basel 1904. — August Huber, Das neue Archivgebäude in Basel. In: Archivalische Zeitschrift, NF., 9. Bd., München 1904, S. 237—252. —August Huber, Das Staatsarchiv Basel. In: Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel-Stadt, 1. Bd., Basel 1932, S. 647—686 (Im Neubau verwendete alte Architekturteile und Ausstattungsstücke; Goldbullen und silbervergoldete Siegelschalen; Wappenbücher; Hilfssammlungen). — Paul Roth, Basler Wappenbücher, II. Die handschriftlichen Wappenbücher des Basler Staatsarchivs. In: Schweizer Archiv für Heraldik, 52. Bd., Basel 1938, S. 39—43; 68—71. 5) Mitteilungen aus dem Schaff hauser Stadtarchiv, Schaff hausen 1914.