Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)
IV. Quellen und Quellenkunde - 29. Franz Martin (Salzburg): Die Urkundensammlung der Freyburg in Salzburg
458 Die Urkundensammlung in der Freyburg zu Salzburg. Von Franz Martin (Salzburg). Carl von Frey (1826—1896) *), der zu dem Werk von Dr. Michael Walz „Die Grabdenkmäler von St. Peter und Nonnberg * 2)“ die Zeichnungen geliefert und sich durch eine im städt. Museum hinterlegte Sammlung salzburgischer Wappen verdient gemacht hat, übrigens auch ein Maler von beachtenswertem Können war, hat sich in dem 1862 angekauften „Roten Turm“ auf dem Mönchsberg in Salzburg 3) ein Tusculum geschaffen, das er mit einer Fülle von gotischen Plastiken, Tafelbildern und anderen Altertümern im Sinne der Romantik als mittelalterliche Burg ausstattete. In der „Flögelwarte“, deren illuminierte Chronik noch vorhanden ist, sammelte sich ein Kreis Gleichgesinnter zu Musik und ritterbundsmäßiger Fröhlichkeit. Klangvolle Namen finden wir im Gästebuch des Hauses eingetragen wie Jodok Stülz, Franz Stelzhamer, Anton Bruckner, R. von Eitelberger, Albert Ilg, Hans Richter, Dirigenten des II. Salzburger Musikfestes, Wilhelm Wattenbach, Engelbert Perners- torfer, Hans von Zwiedinek, G. Meyer von Knonau, Adolf Harnack u. a. Dieses gastliche Haus hat aber für uns Historiker noch eine andere Bedeutung. Als der junge Absolvent des Instituts für österreichische Geschichtsforschung Eduard Richter im Herbst 1871 seine Lehrstelle am Salzburger Staatsgymnasium antrat, führte ihn sein erster Weg — wir wissen nicht, durch wen eingeführt — in die Freyburg. Am 9. September schrieb er sich als „E. Richter aus Wien“ ins Gästebuch ein, und einige Tage darauf stellte er sich auch noch mit einem Gedichte ein. Es sollte kein Jahr verfließen und Richter f ührte—am 3. August 1872 — die einzigeTochter des Hauses, Julie von Frey, zum Traualtar, ein Herzensbund, dem leider keine Dauer beschieden war. Schon am 20. Juli 1873 lag die junge Frau auf der Bahre. Der schöne Traum war aus. Aber noch nach Jahrzehnten, in seinen letzten Lebensmonaten erschien Richter „das kunst- freudige herrlich gelegene Freyschlößchen wie in einem wundervollen Park, worin edle und hohe Menschen wohnen“ 4). Die Pietät der Nachkommen hat alles unverändert und unvermindert auf unsere von dieser schönen Zeit ach so verschiedenen Tage kommen lassen und ich danke dem Enkel des Sammlers, meinemlieben Freunde Herrn Dr. Wolfgang von Frey, dafür, daß er mich auf die im folgendem zu behandelnde Urkundensammlung aufmerksam gepiacht und die Veröffentlichung freundlichst gestattet hat. Zu einer Burg gehörte nämlich auch ein „Archiv“ und so sammelte Carl von Frey auch Originalurkunden, wie sie damals im Handel noch häufiger vorgekommen sind. An ihnen interessierten den Sammler hauptsächlich die Siegel. So gelang es allmählich gegen sechzig Stück zusammenzubringen, die Museumsdirektor Dr. Alexander Petter (1832—1905) bestimmte und verzeichnete. Solche zufällige Urkundensammlungen sind einem Forscher überaus willkommen. Gerade ihre Buntheit bedingt ihren Reiz. Er kommt sich beim Durchsehen vor wie vor einem Lostopf. Neben mehr belanglosen Stücken kann er plötzlich ein hochbedeutsames finden, das über irgend eine Frage eine Aufklärung bringt. Es ist auch von Interesse, Gruppen *) Nekrolog in Mitteüungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 36 (1896), 427—433. 2) Ebendort Bd. 7, 8, 10, 11, 15. 3) Vgl. Adolf Frank, Der Mönchsberg und seine Baulichkeiten, ebendort 70, 19. *) Wilhelm Erben, Eduard Richter in Neue Österreichische Biographie VIII, 139.