Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

IV. Quellen und Quellenkunde - 23. Hanns Leo Mikoletzky (Wien): Zur Charakteristik Bruns von Querfurt

Zur Charakteristik Bruns von Querfurt. 391 Latein alle Skalen der Gefühle von der schwülstigsten höfischen Phrase1) bis zum derbsten Gleichnis2) wortgewaltig und einprägsam durchlaufen konnte, dazu aufzustacheln, sich endlich als der zu bekennen, der er war: als eine Persönlichkeit, die weder Grenzen noch Könige noch Kriege als notwendig anerkannte und einzig dem alles ausgleichenden, über allem schwebenden Gott als dem Symbol der Barmherzigkeit und des Friedens ver­schworen war. Thietmar erzählt, Boleslaw habe auch Bruns Reliquien gleich denen seiner Vor­gänger erworben3). Heinrich II. jedenfalls hat sich nicht darum gekümmert, so daß man heute nicht weiß, wo er bestattet liegt. Bezeichnend für das Verhältnis, in dem der Mönch von Querfurt zu König und Papst stand, ist auch, daß die Kirche ihn nie offiziell kanonisiert hat4). x) Vgl. den Einzug der Mörder in Brun. Passio c. 13 (MG. SS. XV/2. 730). 2) Ebenda, Vorrede (716): qui occidentium me scelerum stercore mortuus canis dudum fateo et in peccatorum meorum crasso luto, heu me!, sordida sus delectabiliter iaceo. Über Brrmos Stil vgl. auch Eberhard Kessel: Die Magdeburger Geschiehtsschreibung im Mittelalter bis zum Ausgang des 12. Jahrhunderts (in: Sachsen und Anhalt. 7. 1931), S. 118. 3) Thietm. VI. 58 (MG. SS. n. s. a. 345). 4) Vgl. bes. A. Kolberg: Der heilige Brun von Querfurt, zweiter Apostel von Preußen. (In: Zeit­schrift für Geschichte und Altertumskunde Ermlands. 8. 1886.) S. 79ff.

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