Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

IV. Quellen und Quellenkunde - 22. Othmar Wonisch (Graz): Unbekannte Glossen zur Historia miscella und ihre weitere Verwendung

363 Unbekannte Glossen zur Historia miscella und ihre weitere Verwendung. Von Othmar Wonisch (Graz). In der aus dem Benediktinerstift St. Lambrecht stammenden Handschrift 454 der Grazer Universitätsbibliothek, die neben anderen historischen Schriften x) auch die Historia miscella enthält, finden sich zu dieser zahlreiche Randglossen, die aus den nachfolgenden Wahrnehmungen und Erwägungen nicht ohne Bedeutung sind. Zunächst soll festgestellt werden, daß die Glossen, wenn überhaupt in St. Lambrecht geschrieben, kaum in diesem Kloster entstanden sein dürften. Denn sie sind nicht von einer Hand über den ganzen Text verteilt, sondern wechseln mit den Schreibern des Textes oder sind vom Korrektor nachgetragen. Ersteres ist der Fall von f. 16 a bis 105 a (mit Ausnahme einer Glosse auf f. 67 b) von Hand I und von f. 109 b bis zum Schluß von Hand II, vom Korrektor sind geschrieben die Glossen Lethe grece oblivio f. 119 a, Con- stantinopolis ... f. 158 a, Nota rem valde ... (?) f. 176 b, Nota: Primus omnium ... f. 182 a, Iste Aaron ... f. 185 a und Hic nota quam verum ... (?) f. 188 a. Es liegt also auf der Hand, daß sie aus der Vorlage für Hs. 454 (= L) stammen. Die Herausgeber der Hist, mise. * 2) haben nur einen geringen Teil der in Betracht kommenden Hss. benützt. Keine von diesen konnte Vorlage für L gewesen sein. Wohl aber weist der Textvergleich auf eine gewisse Abhängigkeit von der Hs. der Ambrosiana hin, die der Ausgabe von Muratori zugrunde liegt, während sie wesentlich von der Wiedergabe bei Eyssenhardt abweicht3). Ein näheres Eingehen in den Textvergleich zeigt die gleiche Tatsache auf, daß L mehr den Hss. bei Muratori als jenen bei Eyss. folgt. Es lassen sich zahlreiche Stellen ausfindig machen, doch wird dieser Vergleich erst recht interessant, wenn er sich auch noch auf das sogenannte Auctarium Neuburgense zu Ottos Chronik erstreckt. Diese Zusätze hat Ad. Hofmeister 4) in seiner Ausgabe von Ottos Chronik aus dem Codex Jenensis, Bos q 6 ( = B 1) veröffentlicht. Unter diesen befindet sich eine große Anzahl von Glossen, die als Randnoten zur Hist. mise. der Hs. L aufscheinen. Sie sind sowohl ihm als auch den Bearbeitern der Marbacher Annalen, Herrn. Bloch 5) und J. Haller 6), entgangen, bzw. konnten von keinem irgendwie abgeleitet werden, von einigen Anklängen q Vgl. MG. SS. r. Merow. II. pag. 13 und 224; A. Chroust, Die Überlieferung des dem Ansbert zu­geschriebenen Berichtes über den Kreuzzug Friedrichs I. im NA. 16 (1891) S. 514 f.; A. Kern, Die Hss. der Universitätsbibliothek Graz, I. S. 260. 2) Fr. Eyssenhardt, Historia miscella. 1869; SS. r. Italic. I. Mediolani 1723, pag. 1 ss.; MG. Auct. antiqu. II. Pauli Diaconi Historia Romana, pag. 1—224. 3) Die Abweichung beginnt in L f. 102 b, Zeile 4 von unten simulans adversum / / Aurelianis urbem concitus pergit . . . bis f. 103 b, Zeile 16 von oben: / / strages et raping patrat^ sunt .... Es entspricht dies bei Eyss. S. 332, 2—351, 20, d. i. einem Teil des XV. Buches, dem ganzen XVI. Buch und dem Anfang des XVII. Buches, dessen Rest hinwiederum das Ende des XV. Buches von L bildet. Die weitere Einteilung in Bücher entspricht dem Druck bei Eyss., nur bleibt die Zahl der Bücher in L um zwei hinter jener des Druckes zurück, so daß L nur 24 Bücher aufweist. 4) Ottonis Episcopi Frisingensis Chronica in Ser. r. Germanicarum in us. sehol. (15), ed. alt. 1912, p. 473 ss. 5) Die elsässischen Annalen der Stauferzeit in Regg. der Bischöfe von Straßburg I. (1908) S. 112 ff. und Annales Marbacenses qui dicuntur in Scr. r. German, in us. sehol. (30, 1907), pag. XIV s., 2, 8, 24. ®) Die Marbacher Annalen (1912) S. 38 ff.

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