Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

III. Heraldik und Geneologie - 20. Carl Äusserer (Wien): Die „Gando de Porta Oriola“ von Trient

338 A unserer. Pine. Von hier aus verkündete er am 25. Oktober 1265 dem Propste von St. Michael, dem Pfarrer und den Brüdern von Fleims, Cembra und Giovo das Interdikt gegen die Rebellen und Bürger von Trient, die ihn zur Flucht aus der Stadt genötigt hatten. Unter den nament­lich angeführten Rebellen erscheint Manfredin, Sohn des Herrn Trintins Gandi von Chuni- sperch x). Trintin selbst ist zwar nicht als Rebell namentlich angeführt, hingegen sein Sohn Manfredin und es kann infolge der geschilderten Umstände kein Zweifel darüber obwalten, daß Vater und Sohn sich auf Seite der Gegner des Bischofs gestellt haben und daß diese geänderte Haltung der Anlaß zur Verleihung des Schlosses Königsberg an Liebard von Giovo gewesen ist. Der Bischof wollte und mußte das Schloß, dessen Wichtigkeit durch seine Lage gegeben war, in verläßlichere Hände legen als jene der Gando. Liebard von Giovo war der Herr des in der kleinen Ortschaft Ville der Gemeinde Giovo (Juvum, Zovo) gelegenen Schlosses, an das heute nur mehr ein einsamer Turm am Eingänge in das Cembratal nördlich von Trient erinnert. Er war der Sohn des gleichnamigen Liebard und ein Bruder des Conzius, Konrad, dessen Tochter Malgarita Egan Gando geheiratet und der das Geschlecht fortpflanzte, das mit Hieronymus von Giovo in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts ausgestorben ist * 2). Es gehörte zu den bedeutendsten, war neben den Herren von Segonzano das maßgebende im Cembratal, das sich von der kleinen Ortschaft Lavis oberhalb Trient nach Osten erstreckt. Nicht so kritisch waren die Folgen für das Geschlecht der Gando. Nichts läßt darauf schließen, daß sie irgendwelche Einbußen erlitten hätten. Auch in diesem Falle trat eine volle Versöhnung ein. Im folgenden Jahre 1266 verpfändete Bischof Egno Manfredin Gando für 432 Pf. B. den alten und neuen Zoll an den Toren von Trient, leider ohne Präzisierung, was unter dem alten und was unter dem neuen Zoll zu verstehen ist 3). Bei all diesem Hin und Her haben der Reichtum des Geschlechtes, sein Ansehen, seine politische Geschmeidig­keit und nicht zum mindesten auch seine Verschwägerungen die entscheidende Rolle gespielt. Kaum ein Jahr später wiederholt sich dasselbe Spiel. Wieder treffen wir die Gando mit­verwickelt in den großen Gegensätzen und Machtbestrebungen der Tiroler Grafen gegen den Bischof. Am 27. April 1267 im bischöflichen Palaste zu Trient erscheinen unter anderen Zeugen Trentin und Manfredin, als die Sindiker und Prokuratoren der Stadt, die Herren Rupert von Cognola und Markus de Ruzia, als Vollmachtträger dieser in öffentlicher Ver­sammlung dem Grafen Meinhard und dessen Bruder Albert von Tirol-Görz das Schloß Malconsiglio als Ersatz für den großen Schaden, den sie durch die Leute von Trient an ihren Häusern und am Palaste in Burgonovo erlitten hatten und als Entschädigung für *) Vgl. Gerola Gius.: II castello di Belvedere in Val di Piné. Tridentum I., 1898, S. 357 ff., und II., 1899, S. 20 ff. Die Urkunde ist auf Seite 208/9 abgedruckt. 2) Stammtafel der ältesten Herren von Giovo: Liebardus de Zovo 1191—1231 Liebard Concius de dno. 1263 Liebard de Zovo belehnt mit 1223—1236 Schloß Königsberg Olivier Montenarius Malgarita * 1261—1272 1261—1272 1261 oo Trentin Gando 1272 Über die späteren Herren von Jaufen vgl. Die erloschenen Edelgeschlechter Tirols, Neue Zeit­schrift des Ferdinandeums, XII. Bdchen, Innsbruck, 1846, S. 167. s) Weber S.: S. Martino, S. 66; auch Durig, Beiträge, S. 94. Conradus de Zovo 1185

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