Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)
III. Heraldik und Geneologie - 20. Carl Äusserer (Wien): Die „Gando de Porta Oriola“ von Trient
Gáruló de Porta Oriola. 339 die großen Auslagen, welche ihnen bei der Besetzung und Verteidigung der Stadt gegen die fortwährend anstürmenden Feinde erwachsen waren, übergeben haben *). Trentin und Manfredin waren wieder auf Seite der Tiroler Grafen und wieder traf sie dasselbe Schicksal, sie wurden vom Bischöfe exkommuniziert. Die Lossprechung erfolgte nach Unterwerfung der Stadt am 15. Februar 1269, wobei unter den anwesenden Zeugen Trentin Gandi genannt ist * 2). Seit dem Ende der Fehde zwischen dem Bischöfe Egno und den Tiroler Grafen und seit dem Tode des ersteren 1273 tritt Trentin nicht mehr politisch hervor. Manfredin hatte drei Söhne: Griffet und Riprandin, die am 13. März 1307 vom Bischöfe mit ihren Lehen belehnt werden3), und Tercius, der nur einmal erscheint, angeführt als Grenznachbar eines Grundstückes in Bimuga bei Oveno, das neben anderen der Kanoniker Ottobell, Sohn des Bonus de Campo, am 24. Juli 1240 dem Trientner Domherrn Friedrich von Mantua geschenkt hat 4). Über alle drei Söhne sind uns keine weiteren Nachrichten überkommen. Trentin hatte außer Manfredin zahlreiche Nachkommenschaft. In einer Urkunde von 1285, in der er selbst als verstorben bezeichnet ist, werden uns die Namen von fünf Kindern überliefert: Egan (Egenus), Megenard, Gandus, Tridentin und Jordan. Am 22. Juli des Jahres investiert Egan mit Frau Margarete als Vormünderin seiner Brüder Megenard, Gandus, Tridentin und Jordan den Friedrich, Sohn des weil. Andreas von Orzano, mit einem Hause samt zugehöriger Baulichkeit, Hof, Garten und Äckern zu Orzano oberhalb Civezzano ,,in contrata, ad redondum, ad Cognolam, in campanea, ad fontanam, supra Baselgam, ad polezum, in valle, ad flemacium, ad runchi, ala novai, ad molarium und ad magravatm“ gegen jährlichen in Trient zu stellenden Pachtzins 5). Egan war der älteste der Brüder und als solcher hatte er schon am 11. Februar 1285 gemeinsam mit seiner Mutter Malgarita eine Verpachtung von um Schloß Bosco gelegenen Gütern an Bertola von Ritten getätigt6), die, ob des Umstandes, daß aus dieser Urkunde durch den Beisatz ,,quod quandocumque ipsi locatores vel sui heredes reedificarent et abitarent ipsum castrum Buschi“ zu ersehen ist, daß Schloß Bosco zur damaligen Zeit unbewohnbar und zerstört war, von besonderem Interesse ist. Allerdings, wann das Schloß zerstört oder verfallen ist, darüber ist nichts gesagt. Nach dem vorhergehenden scheint das castrum de Busco bereits in verfallenem Zustande an die Gando gekommen zu sein, von diesen selbst nicht mehr aufgebaut, nur die zu diesem gehörigen Güter genutzt worden zu sein. Margarete, die Gattin Trentins und Mutter der genannten Kinder, war wahrscheinlich, wie einer Imbreviatur vom 6. April 1272 zu entnehmen ist, eine Tochter des Concius von Giovo, der wieder ein Bruder jenes Liebard von Giovo gewesen ist, dem Bischof Egno von Trient 1263 Schloß Königsberg verliehen hat. In der Imbreviatur heißt es, daß in Gegenwart der Brüder Olivier und Montenarius, Söhne des Concius von Giovo, Bischof Egno den Pfarrer Jakob von Mez als Prokurator des Trentin Gando und dessen allfälliger Kinder, die er mit seiner Frau Malgarita hat und haben könnte, mit dem Zehente in Cembra, den der verstorbene Concius vom Bistume zu Lehen hatte, belehnt hat7). x) Hormayr, Jos. Frh. v.: Geschichte der gefürsteten Grafschaft Tirol, II. Bd., Tübingen, 1806 bis 1808, S. 389, Nr. 177; vgl. Äusserer, Person-Pergine, S. 164, Wien, und Durig, Beiträge, S. 76 ff. 2) Hormayr, Geschichte, II., S. 430, Nr. 195; über die geschichtlichen Einzelheiten vgl. Durig, Beiträge, S. 81. 3) Cod. Cies. I—, p. 59 b. 4) Santifaller Leo: Trientner Domkapitel, Urkunden, Nr. 185. 5) Innsbruck, Landesregierungsarchiv, Urk.-Nr. P 657. e) Innsbruck, Landesregierungsarchiv, Urk.-Nr. P 1516. 7) Trient, Staatsarchiv, Cod. 1055, Nr. 501, der vom verstorbenen Prof. Voltelini für den Druck bereits fertiggestellten Abschrift, die mir von Prof. Hüter in Innsbruck in entgegenkommender Weise zur Verfügung gestellt wurde, wofür ihm an dieser Stelle mein bester Dank gesagt sei.