Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)
III. Heraldik und Geneologie - 20. Carl Äusserer (Wien): Die „Gando de Porta Oriola“ von Trient
Oando de Porta Oriola. 337 als Inhaber des prächtigen, ungefähr eine halbe Stunde ober St. Michael an der Etsch gelegenen Schlosses Königsberg. Die Geschichte dieses einzigartigen Schlosses harrt noch seiner Erschließung. Vermutlich soll es seinen Namen nach der semita Karoli, an der das Schloß einst errichtet worden war, erhalten haben. Wahrscheinlich von den mächtigen Eppanern begründet, war es in deren Besitz und sie erhielten es vom Trientner Bischof zu Lehen. Mit dem Schlosse war auch eine Gerichtsbarkeit verbunden, die zum Gerichte und zur benachbarten Grafschaft Giovo und Gaedo gehörte. Kaum ein Jahr nach erfolgter Belehnung Trentins verlieh Bischof Egno am 9. September 1259 Manfredin, Sohn des Trentin von Gando, Königsberg. Wieso es zu dieser auffallenden Neubelehnung gekommen ist, ob durch Rücklösung des Schlosses oder ob sich Trentin auf Seite der Gegner des Bischofs gestellt hat, ist zwar urkundlich nicht überliefert, doch werfen die Zeitereignisse einiges Licht auf diesen eigenartigen Vorgang. Wir erfahren, daß Trentin in die Gefangenschaft des Grafen Meinhard von Tirol geraten war und daß, wenn es auch in der Urkunde nicht klar ausgesprochen ist, er doch es nur der Intervention Friedrichs von Wangen zu danken hatte, daß er wieder die Freiheit erlangt hat. Die erfolgreiche Intervention Friedrichs von Wangen erklärt sich einerseits aus den verwandtschaftlichen Beziehungen der Herren von Wangen zu den Eppanern, dessen Geschlechte der damalige Bischof Egno angehörte, und anderseits jener zu den Tiroler Grafen x). Trentin erwies sich Friedrich von Wangen dankbar. Er erließ ihm am 9. Dezember 1259 seine sämtlichen Schulden, versprach ihm, ein zu seinen Gunsten aufgesandtes Lehen zu freier Verfügung rückzustellen und ihm auch eine dem Bischöfe Egno zugehörige Schuldurkunde auf 46 M., die er als Zahlung erhalten hatte, rückzuerstatten * 2). Die Gefangenschaft Trentins mag zunächst der Anlaß zur Verleihung des Schlosses an dessen Sohn Manfredin gewesen sein, wie anderseits seine spätere Freilassung seine geänderte Haltung im Streite der Machtbestrebungen verursacht haben mag. Die Freilassung Trentins wird zweifellos nur unter bestimmten, in solchen Fällen üblichen Bedingungen, wie, sich nicht mehr am Kampfe aktiv zu beteiligen, erfolgt sein. Noch 1260 hatte Bischof Egno am 29. Juli dem Trientner Domkapitel und Trentin Gando den Zoll, den sie seit zehn, zwanzig, dreißig, vierzig und fünfzig Jahren für alle von Italien zu Wasser und zu Lande geführten Waren erhalten haben, bestätigt, aber drei Jahre später investierte er Liebard von Giovo in Anbetracht seiner treuen Dienste mit der custodia et regimine des Schlosses Königsberg. Aller Wahrscheinlichkeit nach hat sich demnach innerhalb der Jahre von 1260 bis 1263 ein Haltungswechsel Trentins vollzogen, der uns durch weitere Zeitereignisse bestätigt wird3). Ende September 1259 war Ezzelin da Romano seinen im Kampfe zur Unterwerfung Mailands erlittenen Wunden erlegen. Trient war von einem Feinde zwar befreit, die Ruhe im Bistume damit aber nicht hergestellt. Die Gegensätze hielten an. Zum Aufstande der unbotmäßigen Castelbarker, denen sich auch Pelegrin von Beseno und Sinibald von Castel- corno mit vielen Bürgern der Stadt Trient angeschlossen hatten, gesellten sich Aspirationen Mastino if. della Scala, Hauptmanns von Verona, auf die Stadt Trient. Bischof Egno war 1265 zur neuerlichen Flucht aus der Stadt gezwungen und floh in das Schloß Belvedere in Zeitschrift des Ferdinandeums, III., 9, Innsbruck, 1860, S. 57 ff. undCod. Cies. XII., fol. 18 b: ,,Item bemelter bischof verphendt Trentin Gandi von Trient die pfleg Kunigsperg und sonderlichen zwo hueben zue Tramyn die Ulrich vom Puz und Heinrich Keller pawen umb 1500 Pf. B. im Ezeleins von Roman krieg verbraucht anno 1258“. J) Über Friedrich von Wangen und die verwandtschaftlichen Beziehungen der Herren von Wangen zu den Tiroler Grafen einerseits und zu Bischof Egno von Trient anderseits vgl. Ladurner Justinan: Die Edlen von Wanga, die älteren. Archiv für Geschichte und Altertumskunde Tirols, II. 1865, S. 209 ff. 2) Innsbruck, Landesregierungsarchiv, Not. Inst, vom 9. Dezember 1259, Urk.-Nr. II, S. 509. 3) Alberti Francesco Felice degli: Annali del principato ecclesiastico di Trento dal 1022 al 1540 ecc. annotati da Tommaso Gar, Trento 1860, S. 139; Dominez, Regesto Nr. 422, Weber, S. Martino, S. 66, und Durig, Beiträge, S. 94. 22