Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

III. Heraldik und Geneologie - 20. Carl Äusserer (Wien): Die „Gando de Porta Oriola“ von Trient

336 Äusserer, Belehnung des Sodeger de Tito mit dem neuen Hause am Dosso del Malconsilio in Trient durch Ulrich de Porta und die Stadt Trient neben jener des Versprechens, dem Podestä, den Bürgern von Trient und allen ihren Freunden im Bistume und außer Landes vollständige Verzeihung aller zugefügten Beleidigungen zu gewähren und den Bürgern alle Käufe, Pfand- schaften, Lehen oder Erwerbungen, welche sie durch den Podestä an Gastaldien, Gütern des Bistums oder irgendeiner anderen Person gemacht haben, zu bestätigen. An obiger Belehnung vom 2. Jänner 1254, die in einer Vollversammlung in Gegenwart des erwählten Ulrich de Porta und zahlreicher genannter Bürger stattfand, hat Trentin de Gando aktiv teilgenommen. Dieser und der Richter Johannes wurden in der Versammlung zu Boten, Sindiker und Procuratoren zur Durchführung obiger Belehnung Sodegers de Tito und seiner Erben beiderlei Geschlechtes mit dem neuen Hause zu St. Martin super Dossum posita iuxta murum Civitatis Tridenti, qui nominatur Dossus de Malconsilio (das spätere Buon- consiglio) gewählt und bestellt x). Trentin, den wir hier als gewählten Vertreter einer öffent­lichen Amtshandlung begegnen, genoß daher das besondere Vertrauen seiner Mitbürger, die sichtbar hier bei einer so verantwortungsvollen Handlung zum Ausdruck gekommen ist. Sodeger de Tito, der brutale Podestä, der sich selbst als Podestä per dominum Fridericum Imperatorem potestas civitatis et episcopatus tridentini bezeichnet und seine Stellung in unverantwortlicher Weise zu seiner eigenen Bereicherung benützt hat, starb kurz darauf zwischen dem 5. und 15. Juni 1255. Mit seinem Tode war aber noch nicht eine endgültige Wendung zum Besseren erfolgt, denn noch lebte Ezzelin da Romano, der seine Macht­sphäre auch nach Trient auszudehnen bestrebt war. Bischof Egno war eifrig bemüht, Stadt und Bistum Trient zu festigen und Schlösser und Burgen in die Hände treuer Vasallen zu legen, um erfolgreich sich vor den unbotmäßigen Angriffen zu schützen. Ezzelin machte inzwischen seine verheerungsvollen Einfälle — wohin er kam, überall zerstörend und ver­wüstend. Der Bischof befand sich in einer bedrängten Lage. Von Valsugana aus bedrohte ihn Ezzelin und vom Norden her die Tiroler Grafen, die die schwere Lage des Bischofs wieder zur Ausweitung ihrer Macht benützten, nicht aber waren sie bedacht, das Bistum zu schützen, wie es ihre erste Pflicht als Vögte gewesen wäre. Neben den Tiroler Grafen wüteten im Süden die Castelbarker, die sich Güter und Rechte im Lagertale anzumaßen versuchten. Der allseits bedrohte Bischof mußte kämpfen und dieser Kampf kostete Geld. Er war zu Ver­pfändungen gezwungen. Wieder taucht Trentin de Gando auf. Er ist am 21. Jänner 1258 im bischöflichen Palaste in Trient Urkundenzeuge neben dem Archidiakon Ulrich, den Richtern Albert und Calapin und Silvester von Lodron, als Bischof Egno den Nikolaus, Sohn des Wezilo von Brenta, für geleistete Anleihen und treue Dienste mit dem Schlosse Brenta samt dessen reichen Gütern belehnte * 2). Und wieder ist er Zeuge, als am 6. März 1258 Bischof Egno dem Gralant von Salurn dessen treue Hilfeleistung ,,pro servitiis perceptis et recepturis (recipiendis) a dicto domino Gralanto et a Servitoribus ipsius cum equis et armis et balisteris stando et veniendo in servitio domini episcopi pro episcopatu contra hostes et inimicos eiusdem domini episcopi“ durch Verleihung einer Hufe zu Tramin entlohnte3). Trentin selbst aber verpfändete Bischof Egno am 11. November 1258 in Anbetracht seiner getreuen Dienste pro melioramente et defensione Civitatis Trid. et episcopatus et ad Werram faciendam stando in Tridento contra dominum Ecelinum et suos seguaces“ — wie es in der Urkunde wörtlich heißt — für 1500 Pf. B. Schloß Königsberg und zwei Hufen im Dorfe und in der Umgebung von Tramin 4). Damit erscheinen die Gando q Hormayr, Geschichte II, Nr. 161, und Durig, Beiträge, S. 51. 2) Hormayr, Jos. Freih.v.: Sämtliche Werke, II. Bd., Nr. XXXIV, und Bonelli, Notizie istorico- critiche, II., 1760, S. 147. 3) Bonelli, Notizie istorico-critiche, II., S. 155. 4) Hormayr, Sämtliche Werke II, Nr. XXXV. Vgl. Reich Desiderio: Sul confine linguistico nel secolo XVI a Pressano, Avisio, S. Michele, Mezacorona. Seconda editione, Rovereto 1910, und Durig: Beiträge zur Geschichte Tirols in der Zeit Bischof Egnos von Brixen (1240—1250) und Trient (1250—1273),

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