Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

III. Heraldik und Geneologie - 20. Carl Äusserer (Wien): Die „Gando de Porta Oriola“ von Trient

Gando de Porta Oriola. 335 Die Gando waren nun als Schloßinhaber, Gruben-, Maut- und Zollinhaber und durch ihr vielfaches Hervortreten in Vertrauensstellungen zu gewaltiger Macht gekommen. Durch geschickte Käufe und in kluger Ausnützung der jeweiligen Lage haben sie sich immer mehr emporgearbeitet. In der Mautfrage wurde 1240 durch den Richter Bartolomeus d’Alba entschieden, daß die Brescianer den Kanonikern und den Brüdern Trentin und Adelpret Gando von jedem Saum Eisen ein Stück sowie einen Zoll von jeder anderen Ware und Tiere zu entrichten haben. Die Maut verursachte aber immer wieder Streitfragen, die insofern eine Regelung erfuhren, als festgesetzt wurde, daß die Brescianer, Lombarden und Trevisaner nicht nur den erwähnten Eisenzoll, sondern auch für Schleifsteine, Vieh, Stahl, Messer, Getreide und sonstiges ihre Abgaben zu leisten hatten *). Eine weitere bedeutende Einnahmequelle schufen sich die Brüder Trentin und Adelpret Gando durch Austausch von Zinsen aus sieben in der Stadt Trient gelegenen Häusern gegen eine Wassermühle in der contrata S. Mariae de plebe, die in unmittelbarer Nähe einer anderen bereits von ihnen besessenen Mühle gelegen war 2). Der Tausch von nichts weniger als sieben in der Stadt gelegenen Häusern — andere Häuser hatten sie sicher auch, u. zw. in den heutigen Straßen Via Lunago, Via Paolo Oss — Mazzurana und Via della Prepositura wirft gleichfalls ein Licht auf ihren Reichtum. Neben den im Nordosten der Stadt gelegenen Gütern hatten die Gando auch Güter im Südwesten der Stadt Ravina 3). Innig verbunden ist die weitere Geschichte des Geschlechtes mit den politischen Ereignissen im Reichsfürstentume. Um 1247 war Bischof Aldriget von Campo (1232—1247) gestorben und 1248 Egno, Graf von Eppan, Bischof von Brixen, vom Papste zum Verweser bestellt worden, während eine Gegenpartei im Kapitel, gestützt vom berüchtigten Podestä Sodeger de Tito, einen Gegenbischof in der Person des Domherrn Ulrich de Porta aufgestellt hat. Letzterer war Einheimischer und entstammte dem Trientner Geschlechte der de Porta. Bischof Egno, der schon als Brixner Bischof schwere Kämpfe um die weltliche Macht im Brixner Bistum zu führen hatte, stand hier im Reichsfürstentume Trient nicht nur ähnlichen, sondern noch viel schwierigeren Verhältnissen gegenüber. Durch die Einsetzung einer welt­lichen Verwaltungsmacht in den Podestä waren dem Bistume neben den Tiroler Grafen und dem aufstrebenden Adel noch ein zweiter Rivale im Kampfe um die Macht erstanden. Unter diesen Podestäs war der seit 1239 amtierende Sodeger de Tito der berüchtigste und gefähr­lichste, der, begünstigt durch die Parteibewegungen in Italien, Ausdehnungsbestrebungen oberitalienischer Städte und namentlich gestützt auf Ezzelin da Romano, dem Bischöfe schwer zugesetzt hat. Dieser Streit wurde noch beeinflußt durch verwandtschaftliche Beziehungen seiner Träger zwischen den Parteien. Bischof Egno konnte nicht einmal in sein Bistum und mußte zunächst seinen Sitz auf dem ihm gehörigen Schlosse Andrian auf- schlagen. Erst 1255 kam er unter geschickter Ausnützung der Lage nach Trient, nachdem Ulrich de Porta zurückgetreten war. Unter den Bedingungen, die Bischof Egno zum Aus­gleiche übernehmen mußte, war auch jene der Anerkennung der am 2. Jänner 1254 erfolgten Weber, St. Martino, S. 65 und Stolz, Zollwesen, S. 724. Vgl. Codex Clesianus, Bd. XII, fol. 15 a, wo unter jenen Urkunden, die dem Bischöfe Bernhard von Cles vom König Ferdinand rückerstattet wurden, auch jene über die Mautangelegenheit der Jahre 1240—1242 angeführt sind: ,,Item ain urtl, das die Pressaner den thumbherrn zue Triendt und Otto de Gando und seinen sunen die eysenmaut zue Triendt zalen sollen, nemblich von ainem sam eysens ain stuckh anno 1240. Item an demselben instrument sein geneydt das die Pressaner die maut zue Triendt den thumbherrn und Gando zalen nemblich von ainen sam eysen ain stuckh, ain meuler zway stuckh, ain sam schleifstain ain stain, ain sam vngeschliffner schleifstain zwen stain, ain sam Kessel ainen Kessel, ain sam lasur ain stain, ain sam messer ain messer, ain pherd zwainzig schilling, ain muli zwelf phenning, ain ochs oder Kue vier phening, ain Klain haupt viechs ain phening, ain maul oder esel zwelf phening, ain sam salz oder traid ain halbe pacey densalzodertraids,ain meyler pley zwelf phenning anno 1240.“ a) Äusserer, Regesto Nr. 32. 3) Innsbruck, Landesregierungsarchiv, Urk.-Nr. P 637.

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