Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

III. Heraldik und Geneologie - 20. Carl Äusserer (Wien): Die „Gando de Porta Oriola“ von Trient

334 Äusserer, Einmal muß er in einem Handel verwundet worden sein, denn 1236, am 23. Juni, belegt der kaiserliche Podestä Wiboto, Wilhelm, Sohn des Vivian, mit dem Banne der Person und des Vermögens, weil dieser auf Klage Trentins wegen Verwundung nicht vor Gericht erschienen war 4). Zwei Jahre später taucht der zweite Sohn Otto’s, Adelpret, auf. Am 21. April 1238 kaufen die beiden Brüder Trentin und Adelpret, Söhne des Herrn Otto de Gando, vor dem Richter Albert Nizardi, aufgestellt durch den Herrn Lazarinus von Lucca, kaiserlichen Legaten im Bistum und Herzogtum Trient, von Frau Bona, Tochter des weil. Herrn Riprand, Sohn des Otto Richi, in Gegenwart ihres Mannes, des Grafen Ulrich von Flavon, um 400 Pf. B. den dritten Teil des Schlosses Bosco bei Civezzano samt zugehörigen Gütern 2). Dieser Kauf eines Schloßanteiles weist auf das Streben des Geschlechtes, in den Besitz eines „Schlosses“ zur Hebung ihres Ansehens zu kommen und ist ein Zeichen ihrer bereits erreichten finanziellen und sozialen Stellung. Schloß Bosco stand einst inmitten der kleinen Ortschaft Bosco nordöstlich von Trient am Ostabhange des Montevaccino im Gebiete der Gando’schen Gruben und war Sitz eines eigenen Herrengeschlechtes der Herren — domini de Busco. Am 18. Juni 1187 hatte Bischof Albert von Madruzzo (1184—1188) Peter, Sohn des weil. Riprand von Civezzano, und dessen namentlich nicht genannten Bruder mit dem von diesem als Allod besessenen und an den Bischof zu Lehen übertragenen Schlosse castrum de Busco, ihrem Hause, Platz und Baulich­keiten mit dem im Bau befindlichen Turme et de dominio et maiora et districto ipsius castri de Busco — leib- und grundherrliche Gerichtsbarkeit — belehnt 3). Aus dem Wortlaute der Urkunde ist zu entnehmen, daß das castrum de Busco selbst damals nicht mehr bestanden hat, daß nur mehr ein Haus (domus), eine Baulichkeit (casale), in dem sie einen Turm zu errichten im Begriffe standen, vorhanden war, das als castrum bezeichnet ist und mit dem eine leib- und grundherrliche Gerichtsbarkeit verbunden war. Das Schloß scheint zunächst auch nicht aufgebaut worden zu sein, denn wie wir später sehen werden, wird von einem Aufbaue des Schlosses gesprochen. Am 12. März 1213 investierte Bischof Friedrich von Wangen Jakobin und Ottolin, Söhne des obigen Peters von Bosco, mit dem Anteile des weil. Enriget de Busco, u. zw. mit der Hälfte des Schlosses Bosco und mit ihrem gemauerten Hause in Civezzano, unter den üblichen Bedingungen der Offenhaltung des Schlosses und Hauses für den Bischof4). Am 23. November 1231 hatte Ottolin von Bosco und dessen Neffe Jakobin, Sohn des verstorbenen Ottolin, Jakobin das Lehen an den Grafen Egno von Eppan verkauft 5). Zweifellos waren die Herren von Bosco ein Zweig der alten Herren von Civezzano. Wie Schloß Bosco dann in den Besitz der Richi gekommen ist und welche Bewandtnis es mit dem anderen Teil gehabt hat, darüber konnte ich bisher noch keine aufklärende Urkunde finden. Ulrich von Flavon, der Gatte der Frau Bona, Tochter des Otto Richi, begegnet uns 1236 als Schuldner Otto’s von Gando, des Vaters des Trentin. Damals wurde ersterer durch den Richter und Vikar Jordan zur Zahlung einer Schuld an Otto von Gando verurteilt 6). In der Verkaufsabrede vom 9. April 1238 7) heißt es, daß die Kaufsumme von 400 Pf. B. mit Zugrundelegung einer Geldschuld von 150 Pf. B. „quas ipsa dna. Bona dare tenebatur dno. Trentino fil. qd. dni. Ottonis de Gando et de quibus condepnata fuerat data est tenuta“ und Zahlung von 250 Pf. B. ausgeglichen worden ist, also eine neuerliche Geldschuld diesmal der Frau Bona, die an Zahlungs Statt eingesetzt ist. Es ist daher klar, daß der Verkauf des Schlosses durch Frau Bona und Ulrich, Grafen von Flavon, infolge Verschuldung erfolgt ist. 1 2 3 4 5 6 7 1) Ebenda, Nr. 10. 2) Ladurner, Grafen von Flavon, S. 158, Innsbruck, Landesregierungsarchiv, Urk.-Nr. P 370. 3) Klink, Cod. Wang. Nr. 26. 4) Ebenda, Nr. 116. 5) Voltelini: Südtiroler Notariats-Imbreviaturen, Nr. 331. 6) Voltelini: Südtiroler Notariats-Imbreviaturen, Nr. 238, 414 und 444. 7) Innsbruck, Landesregierungsarchiv, Urk.-Nr. P 370.

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