Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)
III. Heraldik und Geneologie - 20. Carl Äusserer (Wien): Die „Gando de Porta Oriola“ von Trient
Gando de Porta Oriola. 331 wie Otto de Gando zu den Getreuen des Bischofs zählte, war kurz vorher durch Bursa von Castelnuovo im Verlaufe der obigen Fehde schwer geschädigt worden x). Die Beziehungen Ottos de Gando zu den Rambaldo und zu den aus diesen hervorgegangenen Wicomar erhellt ein Erbschaftsstreit der Domina Hermela filia quondam Domini Henrici de Wicomario mit den Herren Ulrich und Pelegrin von Rambaldo und des letzteren Sohn Dalaianus, bei dem es sich um Anteile am Silberbergwerk und um bestimmte Lehen drehte. Es war ein Erbschaftsstreit zwischen engsten Verwandten, wobei sich beide Teile verpflichteten, sich dem Schiedssprüche des Podestä Wiboto und des Zacheus vom Doss Trento zu unterwerfen* 2). Wicomar war ein Sohn des Rambaldus und erscheint seit 1192 öfters in Urkunden. Bei dem am 20. November 1236 vom Zacheus de Dosso gefällten Schiedssprüche war Otto von Gando Bürge. So lernen wir Otto de Gando als Vertrauten des Bischofs kennen, er ist sein Geldgeber, und diese Vertrauensstellung brachte es mit sich, daß wir ihn bald wieder in einer ähnlichen Angelegenheit verwickelt finden. 1235 erscheint er neben dem Dekan Ulrich von Trient, dem Grafen Adelpret von Tirol, Gonselm von Disuculo, Aichebon und Poldus als Bürge Ulrichs von Beseno, als Bischof Alderich von Trient am 6. Juni letzterem die Hut und Gastaldie des Schlosses Beseno übertragen hat3). Ulrich von Beseno war ein Sohn des Pelegrin von Beseno, dessen Bruder Konrad von 1188 bis 1205 jener schwache Bischof von Trient war, der 1205 auf den bischöflichen Stuhl verzichtet hatte. Die Stammburg der Herren von Beseno war Schloß Beseno, dessen Ruine auf einem mächtig isolierten Hügel unmittelbar ober Calliano zwischen Trient und Rovereto steht — von weither sichtbar, ähnlich dem nördlich ober Trient gelegenen Schloß Königsberg4). Beseno und Königsberg beherrschten durch ihre Lage das Tal und dies erklärt ihre mittelalterliche Bedeutung und Rolle als mächtiges Bollwerk. Als ältester Namensträger des Geschlechtes erscheinen Carbonius und Gerardus de Beseno5) Ende des 12. Jahrhunderts. Die Söhne und Enkel des Carbonius sind nun unmittelbar mitbeteiligt an den ständigen Unruhen im Trientner Bistum, in dem Streite zwischen dem Bistum, den Tiroler Grafen und dem Stiftsadel. Mit Konrad von Beseno, dem Trientner Bischöfe, dem Sohne des Carbonius de Beseno, hatte das Geschlecht den Höhepunkt seines Glanzes *) Kink, Cod. Wang. Nr. 168. 2) Voltelini, H. v.: Die Südtiroler Notariats-Imbreviaturen des XIII. Jahrhunderts. I. Acta Tirolensia II., Innsbruck, 1899, Nr. 471 und 495. 3) Stammtafel der älteren Rambaldo: Rambaldus (bonus homo de foro, de mercato) 1147 Trintinus Odolricus (Obertus) Wicomarius 1 (Tridentinus) 1210—1231 1199—1208 1183—1188 1213 Gastaldio per dnm. Federicum ep. Trid. Henricus Pelegrinus Odolricus 1236 1235, 1236 1235, 1236 iudex Hermela 1236 4) Kink, Cod. Wang. Nr. 171. 6) Vgl. Äusserer Karl: Das älteste Gemeindestatut von Folgaria 1315. Mit einem Rückblick auf die Geschichte und Genealogie seiner ältesten Herren, der Herren von Beseno, und einer Stammtafel. Mitteilungen des österreichischen Institutes für Geschichtsforschung, Erg.-Bd. XI., S. 305 ff.