Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)
III. Heraldik und Geneologie - 20. Carl Äusserer (Wien): Die „Gando de Porta Oriola“ von Trient
332 Äusserer, und seiner Macht erreicht. Es gehörte neben den Herren von Arco, Castelbarco und anderen zu den bedeutendsten und wichtigsten Burgherren des Lagertales. Allein Konrad von Beseno, zwar ein bedeutender Kirchenfürst, der so manche Vorteile für den damals von inneren und äußeren Feinden hart bedrängten Bischofsitz zu erringen verstanden hat, hatte doch nicht die nötige Energie und Tatkraft, um inmitten der ehrgeizigen Bestrebungen des Adels all dieser Schwierigkeiten Herr zu werden. Seine frühzeitige Abdankung, die er trotz aller Anstrengungen nicht mehr rückgängig machen konnte, war die Ursache langjähriger Gegensätze zwischen dem Geschlechte und dem Bistum, die in der Folge nicht wenig zum Niedergange des Geschlechtes mit beigetragen haben. Vergebens suchte Konrad mit Hilfe seiner Verwandtschaft gegen den neu erwählten Bischof Friedrich von Wangen (1207—1218) aufzutreten. Mit eiserner Hand schlug Bischof Friedrich die Verwandtschaft und Anhänger der Herren von Beseno nieder. Am 28. Februar 1208 mußte ihm Engelbrecht von Beseno, der Sohn Ottos, des Bruders des Bischofs Konrad von Beseno, seinen halben Anteil am Schloß Beseno mit dem Turme, ferner alle seine Besitzungen in der Pfarre Beseno und Folgaria samt Zugehör sowie die Vogtei, Zehente, Ufergeld und Gesinde in Avolano verkaufen, die der Bischof als unveräußerliches Gut auf den Altar des heiligen Vigilus legte1). Am 3. März desselben Jahres setzte Bursa von Castelnuovo den Bischof in den förmlichen Besitz ein. Diesem Verkaufe folgten am 16. November 1210 die Aufsendung der Lehen in Beseno, Avolano und Folgaria an die Lehensherren Ulrich und Heinrich, Grafen von Eppan, behufs der Auftragung an den Bischof. Weit schwieriger gestaltete sich aber die Niederwerfung Pelegrins von Beseno, des Bruders des Bischofs Konrad von Beseno, und seines Sohnes Ulrich, die im Vereine mit ihren Anhängern, verbündet mit den Vizentinern, dem Bischof hartnäckigen Widerstand leisteten und ihn schwer bedrängten. Erst als dieser die Acht über Pelegrin von Beseno und seine Anhänger verhängte und mit bewaffneter Hand gegen sie zog, gelang dem Bischof die Unterwerfung, in deren Verlauf Pelegrin von Engelpert, dem Sohne seines Bruders, auf Schloß Beseno gefangengenommen wurde. Trotz dieser schweren Vergehen nahm ihn aber der Bischof wieder zu Gnaden auf (28. Mai 1210) und setzte ihn wieder in seine Lehen, Rechte und Besitzungen ein, jedoch mit ausdrücklicher Bedingung, daß der gegen Trient gerichtete Turm niedergerissen und nicht ohne des Bischofs Genehmigung wiedererrichtet werden dürfe 2). Trotzdem erwiesen sie sich als unverläßliche Vasallen, beteiligten sich neuerlich an den Wechsel vollen Ereignissen im Bistume, wozu noch der kaufweise Übergang von Anteilen, die dem Heinrich von Beseno gehörten, an das Bistum kam. Das Geschlecht verblaßte und die vorgeschilderten Vorgänge führten in ihrer Folge zur Übertragung der Burghut und Gastaldie des Schlosses Beseno mit dem Aufträge, dort Recht zu sprechen, die Leute zu schützen und keine verdächtigen Personen einzulassen, am 29. August 1234 an den dominus Bonifacinus, Sohn des weil. Albert de Bonifacino de Ripa (Riva). Diese Übergabe war aber nur eine vorübergehende Maßregel, da kaum ein Jahr später (6. Juni 1235) die oberwähnte Übertragung an Ulrich von Beseno erfolgte, bei welchem Akte Otto de Gando Bürgschaft geleistet hat. Die unausgesetzten Fehden und Unruhen mit den dadurch bedingten Kosten führten zu immer größerer Geldknappheit des Bischofs und veranlaßten diesen zu ständigen weiteren Geldaufnahmen. Im Jahre 1235 verpfändete er für 1022 Pf. B. dem Otto de Gando die Maut von Trient, den Zehent von Oveno — heute Sopramonte — und Rimanien im nahen Barbaniga (Civezzano) und Nogaredo 3). Die Trientner Maut war nach dem ohne männlichen Erben verstorbenen Ulrich Lupe (Udalricus Lupe nobilis Tridentinus ecclesie ministerialis) an den Trientner Bischof Konrad II. von Beseno rückgefallen, der sie am 9. Jänner 1195 für 3000 Pf. B. den Domherren und den 1) Kink, Cod. Wang. Nr. 73. 2) Ebenda, Nr. 84. 3) Trient, Rep. 26, 2.