Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

III. Heraldik und Geneologie - 20. Carl Äusserer (Wien): Die „Gando de Porta Oriola“ von Trient

325 Die „Gando de Porta Oriola“ von Trient. (Mit zwei Stammtafeln.) Von Karl Äusserer (Wien). Unter den längst ausgestorbenen Trientner Herrengeschlechtern, den Badeca, Belenzani, Bella, de Porta, Borseri, Dosso, Grassi, Mercadenti, Mezasema, Mitifoco, Rambaldo, Richi, Rubei, Wicomar und anderen, neben alten Inhabern von Burgen und Schlössern, die in der mittelalterlichen Geschichte der Stadt Trient eine besondere Rolle gespielt haben, war eines der markantesten jenes der Domini de Porta Oriola. Sie begegnen uns seit der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Ein Zweig dieser, der „Gandus“ de Porta Oriola, gelangte als Inhaber von Gruben, Mauten und Zöllen zu immer größerem Reichtum, damit finanziell wirtschaftlicher Stellung und im Gefolge dieser durch geschickte Ausnützung der jeweiligen politischen Lage im Verlaufe des 13. Jahrhunderts zu großem Ansehen und gewaltiger Macht. Ein Glied des Geschlechtes der Porta Oriola erscheint in der zweiten Hälfte des 12. Jahr­hunderts als Trientner Kanoniker, ein zweites der Gando de Porta Oriola hundert Jahre später gleichfalls als geistlicher Würdenträger, als Trientner Kanoniker, und durch Ver­schwägerung und Versippung mit bedeutenden Adels- und Wirtschaftsgeschlechtern knüpften sie Beziehungen zu allen maßgebenden Kreisen der Stadt Trient und des Bistums, zur bischöflichen Kurie, zum Adel und zur Wirtschaft an. Sie verstanden es auch, sich in das öffentliche Leben einzuschalten, wurden zu Burgen-, Schloßherren, wurden zu Großgrund­besitzern und zu einem der angesehensten Herrengeschlechter des alten Trentino. Zur Zeit ihres ersten urkundlichen Auftretens in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts befanden sie sich bereits in gehobener sozialer Stellung als Domini, Herren, bezeichnet. Ihre Blütezeit fällt in eine Zeit, in der das Bistum Trient und seine Vertreter, die Bischöfe, einen entscheidenden Kampf führten um die Behauptung ihrer weltlichen Macht gegenüber dem aufstrebenden Landadel, insbesondere den Tiroler Grafen, die als Vögte des Stiftes durch ihre Stellung und durch ihren sich stets mehrenden territorialen Besitz ihre Rechte und ihren Einfluß ebenso auszudehnen bestrebt waren wie die reich begüterten und durch die Zeitereignisse begünstigten kleineren Stifts Vasallen. Es war ein Kampf, der bedingt war durch die allgemeinen politischen Zeitereignisse, durch die Vorgänge im Reich, die Bestre­bungen der deutschen Kaiser auf italienischem Boden und die Rückwirkungen, die diese auf den geschichtlichen Werdegang im Reichsfürstentume ausübten. Die im Grenzgebiete sich geltend machenden Gegensätze in dem Streite um die Macht im Bistume einerseits und die Aspirationen der aufstrebenden oberitalienischen Städte auf trientinisches Gebiet wurden noch beeinflußt und gefördert durch verwandtschaftliche Bande der bischöflichen Würdenträger zu einzelnen aufstrebenden Vasallen. Die Einsetzung kaiserlicher Verwalter, Bürgermeister, Podestä, in Trient, die ihrerseits wieder eine traurige Selbstpolitik trieben, förderte die Gegensätze, die in der Geschichte des Reichsfürstentums durch den berüchtigten Podestä Sodeger de Tito gebrandmarkt sind. Durch das ganze 13. Jahrhundert tobte der Kampf um die weltliche Machtstellung des Bistums und der seiner weltlichen Vasallen, des Landadels, aber auch des Bürgertums in der Stadt. In diese kritische Zeit fällt die Glanzzeit unseres Geschlechtes, der Domini de Porta Oriola, als Beispiel der Geschichte eines hervorragenden Geschlechtes, das in hohem Maße sich aufzuschwingen verstanden hat. Zunächst stand es treu auf Seite des Bischofs, als aber zu Beginn der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts

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