Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

III. Heraldik und Geneologie - 20. Carl Äusserer (Wien): Die „Gando de Porta Oriola“ von Trient

326 Äusserer, die Tiroler Grafen die Überhand gewannen, da schlugen sie sich auf Seite der letzteren und nahmen als Bürger von Trient aktiven Anteil an den Widerstandsbestrebungen der Stadt gegen die weltliche Macht des Bistums. Im Gewoge der wechselvollen Kämpfe teilten sie das Geschick der Stadt, verfielen dem geistlichen Banne, überstanden aber alle Wider­wärtigkeiten, ohne Einbuße an ihrem Vermögen und ihrem Ansehen zu erleiden. Der Stammvater und Namengeber der Gando de Porta Oriola, Gandus, wird zur Zeit seines ersten urkundlichen Auftauchens (1213) gleich den übrigen, schon früher erscheinenden Domini de Porta Oriola als Dominus, Herr, gekennzeichnet, war zwar frei, stand aber doch als Angehöriger der Macinata S. Vigilii, des bischöflichen Gefolges, in gewisser Abhängigkeit, beschränkt vor allem in der Handlungsfreiheit hinsichtlich der Verfügungsrechte über Eigen und Besitz. Als Nobiles, wie die Gando de Porta Oriola später ausdrücklich bezeichnet werden, gehörten sie zur nobilis Macinata des Bischofs. Die Lebensdauer des Geschlechtes war eine verhältnismäßig kurze. Rasch wie ihr Aufstieg war ihr Niedergang — allerdings bedingt durch die Zeitereignisse. Bereits in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts starben sie in männlicher Linie aus und der Rest ihres Besitzes fällt durch die Vermählung der letzten Namensträgerin des Geschlechtes, Trentina, mit Heinrich von Roccabruna in den Besitz dieses uralten Trientner Herren- und Burgengeschlechtes. Der Name Porta Oriola, den das Geschlecht trägt, rührt von dem gleichnamigen Stadttore, der porta Oriola, der Stadt Trient her, an den heute noch der Name einer Gasse, der Via Oriola, erinnert. Es ist ein uralter Name, der uns schon im ältesten Urkundenbestande begegnet x). Er hat sich auf unser Geschlecht übertragen, das, dort offenbar schon in vor­urkundlicher Zeit ansässig, sich im Laufe der Zeit zu seiner Stellung emporgearbeitet hat. Als ältester Angehöriger des Geschlechtes der Porta Oriola erscheint in der Zeugenreihe des Vergleichsinstrumentes um den Besitz Lisignago im Cembratale zwischen dem Benedik­tinerkloster St. Lorenzo vor Trient und Rupert von Salurn, dem Herrn der nördlich von Trient gelegenen Burg und Herrschaft Salurn, vom 30. August 1166 * 2) neben dem an erster Stelle genannten Richter Heinrich de Bella, einem Angehörigen des Geschlechtes der Bella, jenes Geschlechtes, das das Richteramt zu Lehen hatte, dem Schenken Friedrich, Fredericus Scanzius, dem Vater des Rudolph Scanzius, des späteren Erbauers des Schlosses Segonzano im Cembratale 3), Adelpret von Mez, Tridentin Richi und anderen Vornehmen Henricus de Porta Oriola. Seine Nennung in diesem Zusammenhänge dokumentiert die damalige Stellung der Porta Oriola. 1178 ist ein Zuco de Porta Oriola4) und 1185 ein Adelpretus de Porta Oriola 5) erwähnt. Dieser Adelpret ist wohl jener Adelpret, der uns in der Folge wiederholt als Trientner Kanoniker begegnet 6) und als Mitglied des Trientner Domkapitels zum engsten Gefolge des Bischofs gehörte. 1208 taucht ein Landulfus de Porta Oriola 7) und 1210 ein Henricus filius quondam Adelpreti de Porta Oriola (Auriola) — ein Sohn des bereits verstorbenen Kanonikers Adelpret de Porta Oriola — auf8). Andere uns im ältesten Urkundenbestande begegnende, einfach als de Porta bezeichnete Persönlichkeiten können nicht ohne weiteres immer als Angehörige der de Porta Oriola angenommen werden, zumal es in Trient ein eigenes Geschlecht der de Porta gegeben hat, dem unter anderen der *) Vgl. Cesarini-Sforza L.: Piazze e strade di Trento. Arch, trent. XIII., 1896, p. 1 ff., und Gerola, Gius.: Le einte murarie di Trento. Studi trent. VIII., 1927, p. 13. а) Tiroler Urkundenbuch, I., Abt. Hüter Franz: Die Urkunden zur Geschichte des deutschen Etsch­landes und des Vintschgaus. 1. Bd.: bis zum Jahre 1200, Innsbruck, 1937, Nr. 310. 3) Äusserer Carlo: Cenni sui castello e sui Signori di Segonzano. Studi trent., V., 1924. *) TUB., I., 1., Nr. 377. б) Kink Rudolf: Codex Wangianus. Fontes rerum Austr., II. Abt., V. Bd., Wien, 1852, Nr. 22. ®) So 1191 März 7. Äusserer C.: Regestum ecclesie Tridentinae. I. Regesto dei documenti dell’ archivio capitolare di Trento dal 1182 al 1350 conservati nel r. archivio di stato di Trento. Roma 1939 (Regestum chartarum Italiae, Nr. 26), Nr. 2: 1197 Nov. 21: TUB., I., 1., Nr. 505. 7) Kink, Cod. Wang. Nr. 445. 8) Ebenda Nr. 85.

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