Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

III. Heraldik und Geneologie - 19. Petrus Ortmayr (Seitenstetten): Wie und wann kamen die sächsischen Grafen von Seeburg und Gleiß, die Ahnen des Erzbischofs Wichmann von Magdeburg, nach Österreich?

Sächsische Grafen von Seeburg und Gleiß in Österreich. 323 beschenkten Sachso sehen, obgleich wir aus oben geschilderten Gründen nicht imstande sind, einen bestimmten Namen zu nennen. Denn es ist ganz unwahrscheinlich, daß innerhalb einer ganz kurzen Zwischenzeit zwei verschiedene sächsische Familien in dem von Sachsen­lande so weit entfernten Gleiß einander abgelöst hätten. Die Grafen von Querfurt sind als nahe Verwandte des sächsischen Kaiserhauses anzusehen, wenn auch urkundlich nicht festzustellen ist, wo Bruno I., Graf von Querfurt (1 19. [21.] Oktober 1019), in der Stammtafel des sächsischen Kaiserhauses einzureihen ist. Das Wohlwollen, das Otto III. gerade dem Querfurter Hause entgegenbrachte, ersieht man auch daraus, daß er 997, also einige Jahre nach der Schenkung an Sachso Brun von Querfurt, den späteren Erzbischof der Heiden und Märtyrer, nach Ablauf seiner Schulzeit in Magdeburg an seine Hofkapelle zog 1). Leider ist in der Schenkungsurkunde kein Grund für die Verleihung der drei Königs- hufen an Sachso angegeben. Es wird darin weder ein besonderes Verdienst des Empfängers hervorgehoben noch ist das sonst bei Nennung von Privatpersonen gebräuchliche: Fideli nostro beigefügt. Es liegt der Gedanke nahe, daß einem noch ganz jungen Mitgliede des Hauses Querfurt das Geschenk gleichsam in die Wiege gelegt wurde. Die früher dargelegte Besiedlungsgeschichte der Gleißer Gegend macht es wahrschein­lich, daß der Querfurter nicht unmittelbar aus Sachsen, sondern über Bayern nach Gluzen- gisazi (Gleiß) kam. Deshalb ist auch ein Bayer, nämlich Heinrich II. der Zänker, Herzog von Bayern und Kärnten2), in der Urkunde als Fürsprecher genannt: ob petitionem et interventum fratris ac fidelis nostri Heinrici Baioariorum et Karentinorum ducis 3). Durch die Bezeichnung fratris wird das gute Verhältnis zur Regentschaft betont. Und Heinrich II. hat sich tatsächlich nach der Versöhnung und Wiedereinsetzung in sein Herzogtum zu treuer Anhänglichkeit an den Herrscher durchgerungen, die er durch kräftige Unterstützung Ottos in den Kämpfen gegen die Slawen bewies. Da auch im Jahre 992 und 993 solche Feldzüge gegen die Wenden unternommen wurden, so erklärt sich seine Anwesenheit bei der Ausstellung unserer Urkunde am 15. Juni 993 in der Pfalz Nordhausen 4) leicht. Innige Freundschaft und Schicksalsgemeinschaft in guten und schlimmen Tagen verband Herzog Heinrich mit Bischof Abraham von Freising (962—994). Das Hochstift Freising entfaltete im 10. Jahrhundert eine rege kolonisatorische Tätigkeit auch in der Ybbs­gegend, so daß der Besitz der Grafen von Seeburg und Gleiß auf beiden Seiten von Freisinger Land begrenzt ist5). Der Tausch des Bischofs Gotesschalch von Freising mit Otto III. vom 16. August 995 6), bei dem der Bischof gegen ein Gütchen bei Krems sechs Königshufen bei Ulmerfeld an der Ybbs erhält, sowie die Schenkung desselben Herrschers im folgenden Jahre 996 7), durch die Freising 30 Königshufen in Neuhofen an der Ybbs und Umgebung übereignet wurden, stehen der Sachso-Urkunde zeitlich sehr nahe. Wenn ferner die in den Urkunden genannten Güter auch räumlich einander nahe liegen, so ist ein Zusammenhang nicht zu verkennen. Ja, die Begrenzung der Freisinger Schenkungen setzt die vorherige Vergabung des Gleißer Besitzes geradezu voraus. Da überdies die Sachso-Urkunde in den *) In dieses Jahr setzt Voigt (a. a. O. S. 32) die Beförderung Bruns. 2) Über Heinrich II. vgl. S. Riezler, Geschichte Bayerns, Stuttgart-Gotha 1927, 1. Bd., 1. Hälfte, S. 555 ff. 3) Über die Interventionen zur Zeit der Minderjährigkeit Ottos III. vgl. P. Kehr, Zur Geschichte Ottos III. in Sybels Historischer Zeitschrift 66, NF. 30, S. 405 ff. Während die übrigen Herzoge auf ihren Amtssprengel beschränkt sind, greift Heinrich als Prinz des königlichen Hauses über die Grenzen des Herzogtums hinaus. Kehr a. a. O. S. 433 mit Anmerkung 2 und S. 434 mit Anmerkung 3. 4) Diesen Königshof (im Regierungsbezirk Erfurt) hatte einst Otto II. seiner Gemahlin Theophano (t 991) als Morgengabe geschenkt in zarter Rücksichtnahme, damit die griechische Prinzessin auch eine deutsche Heimat habe. 6) Vgl. die Übersichtskarte bei Ammer, Der weltliche Grundbesitz des Hochstiftes Freising in der wissenschaftlichen Festgabe zum zwölfhundert jährigen Jubiläum des hl. Corbinian, München 1924, S. 299 ff. (dem Bande beigegeben). 8) MG. Diplom. Ottonis III., Nr. 170, S. 581. 7) MG. Diplom. Ottonis III., Nr. 232, S. 647.

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