Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

III. Heraldik und Geneologie - 19. Petrus Ortmayr (Seitenstetten): Wie und wann kamen die sächsischen Grafen von Seeburg und Gleiß, die Ahnen des Erzbischofs Wichmann von Magdeburg, nach Österreich?

Sächsische Grafen von Seeburg und Gleiß in Österreich. 321 sein; vielleicht vergabte er bei diesem Anlasse das Gut Uri (praedium ad Urle) nach Seiten­stetten * 2 3 4). Die Gemahlin Geros war Mathilde (Mechtildis), eine Tochter aus der Ehe des Grafen Thiemo von Brehna und Wettin mit Ida, einer Tochter des Grafen Otto von Nordheim. Sie wurde um 1100 geboren2) und verehelichte sich ungefähr löjährig mit Gero, einem Grafen von Bayern (comes de Bavaria), wie es in der wettinischen Genealogie mit Anspielung auf die Besitzungen um Gleiß heißt 3). Nach der nur ungefähr sechsjährigen Ehe mit Gero, der die drei Kinder Wichmann, Konrad und Egbert entstammten, vermählte sich Mathilde aufs neue mit Ludwig II. von Wippra 4). Sie starb am 21. Januar des Jahres 1155 und wurde in dem Erbbegräbnis der Wettiner auf dem Petersberg bei Halle fast in der Mitte der Kirche beigesetzt. Die Grabschrift nennt die Schwester des Markgrafen Konrad, Mutter des Ehrwürdigen in Gott Vaters und Herrn Wichmanns, Erzbischofs zu Magdeburg, Gräfin zu Baiern5). Nur wenig ist uns über den Grafen Wichmann von Seeburg bekannt, den der sächsische Annalist als Vater Geros nennt. Koch-Sternfeld vermutet 6), daß er mit dem quidam vir nobilis Wichmann 7) eine Person ist, der zur Zeit des Bischofs Egilbert (1006—1039) nach Freising ein Landgut (praedium suum ad Richanpach et Hohinsteina) schenkt. Als seine Gattin nennt der Annalist Gisla, die Tochter Ottos von Schweinfurt. Gegen diese Behauptung wurden die schwersten Bedenken laut. Übersichtlich bespricht die Frage H. Simonsfeld in den Jahrbüchern des deutschen Reiches 8). Es ist aber unrichtig, wenn er behauptet, Adolf Cohn 9) habe zuerst auf den Widerspruch hingewiesen, der hinsichtlich des Namens zwischen der Überlieferung beim Annalista Saxo und einer von Wichmann als Bischof von Zeitz am 14. (oder 15.) Februar 1152 selbst ausgestellten Urkunde10) besteht. Wichmann spricht darin vom Tod seiner heißgeliebten Großmutter Berta (dilectissime avie inee Berchte). Der wissensreiche und für seine Zeit kritische Seitenstettener Genealoge Schaukegl hatte schon 1795 darauf aufmerksam gemacht u), aber Cohn hat die Sache viel ausführlicher behandelt. Er gibt die Überlieferung beim Annalisten vollständig preis und meint, Berta, J) Vgl. die Bestätigungsurkunde des Papstes Urban III. vom 30. August 1186 im Seitenstettener Urkundenbuch Nr. 12, S. 18. 2) Otto Posse, Die Markgrafen von Meissen und das Haus Wettin bis zu Konrad d. Gr., Leipzig 1881, S. 280 und die Stammtafel des Hauses Wettin nach S. 304, ferner G. Bode, Geschichte der Grafen von Wernigerode und ihrer Grafschaft in der Zeitschrift des Harz-Vereines für Geschichte und Altertumskunde, 4. Jg. (1871), S. 18, Stammbaum S. 19. 3) Genealogia Wettinensis in MG. Script. XXIII 227. Auch in der Magdeburger Schöppenchronik (a. a. O. 117, 15) wird er als ,,van hogem siechte der Beieren“ bezeichnet (W. Hoppe a. a. O. S. 237, An­merkung 11). Die Gleiß naheliegende, einst zu Freising gehörige Stadt Waidhofen wurde früher zum Unter­schied von Waidhofen an der Thaya ,, Bayrisch - Waidhofen ‘ ‘ genannt. 4) H. Größler, Geschlechtskunde der Edelherren von Wippra, in den Mansfelder Blättern, 4. Jg. (1890), S. 22. 5) G. Köhler, Das Kloster des heiligen Petrus auf dem Lauterberge bei Halle und die ältesten Grab­stätten des erlauchten sächsischen Fürstenhauses usw., Dresden 1857, S. 38. *) Koch-Sternfeld a. a. O. S. 119 (Bemerkungen und Erläuterungen zur Stammtafel des Erz­bischofs Wichmann). 7) Meichelbeck C., Historia Frisingensis, Tom. I, Nr. 1157, Bitterauf, Freisinger Traditionen Nr. 1615. 8) H. Simonsfeld, Jahrbücher des deutschen Reiches unter Friedrich I., 1. Bd., Leipzig 1908, 5. 90 und Anmerkung 275; vgl. auch Fr. Stein, Das Ende des markgräflichen Hauses von Schweinfurt in Forschungen zur Deutschen Geschichte, XIV. Bd., S. 385 ff. ®) A. Cohn, Wettinische Studien, Beiträge zur Genealogie des sächsischen Fürstenhauses, in Neue Mitteilungen aus dem Gebiete historisch-antiquarischer Forschungen, 11. Bd., Halle 1865, S. 137 ff. 10) Vgl. Otto v. Heinemann, Albrecht der Bär, Darmstadt, S. 460 f. und S. 375, Anmerkung 110. u) Schaukegl, Spicilegium S. 190, Anmerkung 4. 21

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