Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)
III. Heraldik und Geneologie - 19. Petrus Ortmayr (Seitenstetten): Wie und wann kamen die sächsischen Grafen von Seeburg und Gleiß, die Ahnen des Erzbischofs Wichmann von Magdeburg, nach Österreich?
320 Ortmayr, Epitaphium: Geronis comitis. Incarnato Christo si recte numerabis Undecies C. XX. pene duobus Transactis (annis) quando September agebat Iam decimum nonumque diem, lacrimabile dictu, Gero obiit proh! pene puer vir nobilitate Clarus, statura nostro mirabilis evo. Annos aetatis XXV peregit. Adiectis VIII LX que diebus. Nam nonum cum morte diem divisit. Et iste est Cui primum primus templi fundator in ipso Wigmannus dominus tumuli providit honorem Dic Lector, vivant ambo feliciter, Arnen. Den Nachweis, daß der in der Inschrift genannte Gero der Vater des Erzbischofs Wichmann von Magdeburg ist, liefert H. Größler x). Der in zwölf Hexametern abgefaßte Text kündet, daß der noch jugendliche, aber hünenhaft gebaute, aus vornehmer Familie stammende Gero am 19. September 1122 in einem Alter von 25 Jahren und 68% Tagen gestorben und in der von dem Gründer von Kaldenborn, dem Grafen Wichmann von Thüringen, erbauten Klosterkirche als erster Toter feierlich bestattet worden ist. Als Geburtstag und Geburtsjahr des schmerzlich Beklagten läßt sich der 12. Juli 1097 errechnen. Ist der 19. September der Todestag Geros, so wird es verständlich, warum Wichmann die große Memorienfeier für sich und seine Eltern in Seitenstetten für den 18. September in folgender Weise festsetzt * 2): ut memoria nostra ac parentum nostrorum in eadem ecclesia (beate Marie in Sytanstetten) rediviva recordatione perpetuis temporibus inobliviscibilis permaneat, ita quod in festo sancti Lamberti (17. September) uberior fratribus refectio provideatur et proxima die sequenti celebris nostri ac parentum nostrorum memoria missarum ac commendacionibus celebracionibus (sic) peragatur et quingenti panes in elemosine largicione pauperibus erogentur. Adiunctum est nicholominus in hac nostra disposicione, quod omni dominica die missa de spiritu sancto et singulis diebus due misse, una pro salute vivorum altera pro commendacione defunctorum in sepedicta sytanstetensi Ecclesia celebrabuntur. Die reichlichere Mahlzeit, die den Brüdern am Lambertifest gereicht werden soll, steht schon in Verbindung mit der Gedächtnisfeier des folgenden Tages und ist ebenso wie die Verteilung von 500 Broten an die Armen (Gespende), als ein Werk der leiblichen Barmherzigkeit, das den Verstorbenen zugute kommen soll, und zugleich als Dank für die Gebetsopfer anzusehen. Die Seelenstiftung Wichmanns gerade in Seitenstetten weist schon darauf hin, daß sich seine Eltern länger in Gleiß aufgehalten haben. Der Erzbischof spricht außerdem von einem Wohlwollen, ja von einer Vorliebe, die er und seine Eltern für dieses Haus hegten 3). Dies setzt einen öfteren Verkehr voraus, der nur vom nahen Gleiß aus möglich war. Der Aufenthalt Geros in Gleiß ist um Weihnachten 1119 ausdrücklich bezeugt durch die schon erwähnte Tauschurkunde zwischen den Bischöfen Heinrich von Freising und Ulrich vonPassau, in der comes Ger de Gluze als 4. Zeuge genannt ist nach marchio Leopoldus, comes Conradus de Pilstein und comes Sigihart de Scalah 4). Bald darauf muß er nach Seeburg übersiedelt x) Vgl. H. Größler, Geschlechtskunde der Grafen von Seeburg und der Edelherren von Lutisberg, in den Mansfelder Blättern, Mitteilungen des Vereines für Geschichte und Altertum der Grafschaft Mansfeld zu Eisleben, 3. Jg., 1889, S. 115 f. 2) Seitenstettener Urkundenbuch Nr. 11, S. 18. 3) Seitenstettener Urkundenbuch Nr. 9, S. 11: quod nos ac parentes nostri Sitanstetensem ecclesiam, nobis utique vicinam, in gratiam nostram recepimus et in tantum dileximus. 4) Bitterauf, Freisinger Traditionen II, Nr. 1509.