Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)
III. Heraldik und Geneologie - 19. Petrus Ortmayr (Seitenstetten): Wie und wann kamen die sächsischen Grafen von Seeburg und Gleiß, die Ahnen des Erzbischofs Wichmann von Magdeburg, nach Österreich?
Sächsische Grafen von Seeburg und Gleiß in Österreich. 319 angesetzt werden. Ob sie nicht Wichmann beim oben erwähnten ersten Besuch in Gleiß im Jahre 1174 schon gemacht hat ? Es würde sich so auch leichter erklären, daß in der in Verona ausgestellten Urkunde des Papstes Urban III. vom 30. August 1186, in der dem Kloster Seitenstetten alle bisherigen Schenkungen bestätigt werden, der Bau einer Kirche in Ybbsitz bereits als eine vollendete Sache hingestellt wird: ex dono Wichmanni venerabilis Magde- burgen archiepiscopi predium ad Ybisize cum ecclesia, quam construxistis. Es spiegelt sich also das kolonisatorische und kulturfördernde Wirken Wichmanns in seinem Magdeburger Kirchensprengel im kleinen auch auf seinen Allodialgütern wider. Er wird durch seine Schenkungen an Seitenstetten zum Gründer des durch seine Eisenindustrie blühenden Marktes Ybbsitz *). Abt Kilian Heumader von Seitenstetten (1477—1501) ließ für die spätere gotische Kirche dieses Marktes ein schönes Glasgemälde mit dem Bildnisse des Erzbischofes hersteilen * 2). Dieser kniet im vollen Ornat mit Infel und Stab in einer gotischen Halle, mit gefalteten Händen betend. Hinter ihm das Wappen des Stiftes Seitenstetten. Die Inschrift lautet: Her. Weichman. Erczbischoffe zw. Maidburg. hye. stiffter. anno Domini MCLXXXVI. Das Gemälde stammt aus dem Ende des 15. Jahrhunderts. Den Benediktinern von Seitenstetten, denen Wichmann vom Herzen zugetan und gewogen war3), gab er im Jahre 1186 noch einen weiteren Beweis seiner Fürsorge, indem er dem Grafen Konrad von Peilstein die erbliche, unveräußerliche und unentgeltliche Vogtei über die Güter jenseits der Ybbs übertrug 4). Das Kloster hinwiederum begeht noch heute Wichmanns und seiner Eltern Seelengedächtnis und hält sein Andenken als das ,,des zweiten Stifters“ in hohen Ehren. Ein großes Ölgemälde im Sommerspeisesaal, aus der Meisterhand des Martin J. Schmidt aus Krems, stellt den Erzbischof zusammen mit Bischof Ulrich von Passau dar, wie er die Schenkungsurkunde dem Abt Konrad I. überreicht. Im Abteisaal bildet ein Brustbild von ihm als Flachrelief die Bekrönung eines Kamines (aus dem Jahre 1735). Als lebende Erinnerung trägt jeweils ein Mitglied des Klosters den Namen seines großen Wohltäters. Erzbischof Wichmann scheint bei seinem zweiten Besuch und in den darauffolgenden Jahren wohl in der Voraussicht, daß die Sonne seiner Lebenszeit zur Rüste gehe, die Verhältnisse mit dem Erbgute Gleiß endgültig geregelt zu haben. Denn er bedachte in dieser Zeit nicht bloß das passauische Eigenkloster Seitenstetten reichlich, sondern machte das Hochstift Passau selbst zum Haupterben. Seit 1185 erscheint es als Eigentümer des Gebietes um Gleiß (Hofmarkt und Schloß) mit den Gütern um Sonntagberg, Zell an der Ybbs, Opponitz und der sich anschließenden Gegend am rechten Ybbsufer bis gegen Lunz am See 5). Mit Wichmann, der am 25. August 1192 zu Könnern auf einem von ihm selbst erbauten Hofe starb 6), erlosch das Geschlecht der Grafen von Seeburg und Gleiß. Bei seinen Stiftungen — er verwandelte auch das väterliche Gut Seeburg in eine Propstei — leitete ihn das Streben, etwas für sein und seiner Eltern Seelenheil zu tun. Namentlich der frühe Tod seines Vaters Gero scheint auf ihn großen Eindruck gemacht zu haben 7). Geros Lebenszeit erfahren wir aus der Grabinschrift, die uns Johannes Esocis, der letzte Prior des Klosters Kaldenborn, in einem von ihm hergestellten Kopialbuch erhalten hat8). x) Eine ausführliche Geschichte des Ortes und der industriellen Entwicklung bietet E. Meyer, Geschichte des Marktes Ybbsitz, Verlag Marktgemeinde Ybbsitz, 2. Auflage, 1928. — 2) Das Bild befindet sich jetzt zusammen mit dem Bildnis des Abtes Kilian Heumader in den Kunstsammlungen des Stiftes Seitenstetten. 3) Seitenstettener Urkundenbuch Nr. 9, S. 11. 4) Seitenstettener Urkundenbuch Nr. 13, S. 21. 5) Maidhof, a. a. O. S. 154, Anmerkung 1379. ®) Hoppe, a.a.O. S. 293. Über das Todes- und Memoriendatum vgl. noch Hoppe, Exkurse, a. a.O.S. 244. 7) Hoppe, a. a. O. S. 268 und 293. 8) Abgedruckt bei Christian Schöttgen und M. Georg Christophorus Kreysig, Diplomataria et scriptores Historiae Germanicae medii aevi tom. II. S. 690. Ich gebe den Text nach einer Photokopie wieder, die mir Dr. Goerlitz gütigst zur Verfügung stellte.