Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

III. Heraldik und Geneologie - 17. Anna Coreth (Wien): Ein Wappenbuch Kaiser Maximilians I.

Ein Wappenbuch Kaiser Maximilians I. 295 immer wieder neben dem römischen Königtum erwähnt werden. Zunächst erfährt man noch nicht, welche es sind. Daß die Zahl sieben nicht willkürlich gewählt war, sondern hier die prophetische Idealzahl, die heilige Zahl, die Zahl der Fülle bedeutet, geht nicht nur daraus hervor, daß sie im Laufe der Jahre abweichende Deutung und Anwendung erfuhr, sondern vor allem daraus, daß noch von sieben Reichen die Rede ist, wo schon acht und neun Königs­wappen prangen x). Die Versuche, festzustellen, woher Kaiser Max diese Idee übernahm, konnten kein konkretes Ergebnis bringen * 2). Es lag wohl der Gedanke zugrunde, der Sieben­zahl der Churfürsten, die ihm hindernd entgegentraten und seine königliche Autorität zu beschneiden trachteten, eine Siebenzahl von Mächten gegenüberzustellen und so gleichsam einen neuen Begriff eines heiligen, christlichen Imperiums zu gründen. Die Tendenz, sich von den Gegebenheiten des Reiches und den Traditionen seiner Vorgänger am Reiche loszulösen, um sich zu unterscheiden, ist bei ihm durchgehends zu beobachten. Nehmen doch in seinen umfangreichen genealogisch-historischen Büchern die römisch-deutschen Kaiserdynastien der Ottonen, Salier und Staufer nicht den geringsten Platz ein; ja auch von Karl dem Großen, den er zwar als seinen hervorragendsten Vorgänger anerkennt, will er keineswegs abstammen, vielmehr wie dieser von den Merowingern, um so mit ihm — und mit den französischen Königen ebenbürtig und ,,ains geschlechts“ zu sein 3). Aber auch die gegenwärtige Struktur des Regnum Germaniae hat bei ihm ein verändertes Gesicht; läßt er doch in seinem Triumphholz­schnitt auf den römischen König folgen „die drew heuser: Oesterreich, Bayern, Sachsen unnd die drew Ertzbistumb: Maidburg, Salzburg und Premen“. Auch hier also neue Vertreter des Reiches: nicht die geistlichen Churfürsten, deren einer sein Hauptgegner Berthold von Mainz war, sondern deren Vertreter 4 5), zudem alle gegen Osten gerichtete Kolonialbistümer, nicht die weltlichen Churfürsten, sondern drei Fürstenhäuser, die nach Wimpheling als echte Nachkommen der alten Franken von Troya herstammten 6). Ist so das Regnum verändert, so schafft sich Maximilian als Haupt der Christenheit auch ein utopisches Imperium. Alphons Lhotsky erkannte die Königswappen auf dem Kanonenmodell „die Lauerpfeif“, die vor 1508 entstanden sein muß, als zu den sieben Königreichen gehörig 6). Es sind die Wappen Englands, Ungarns, Böhmens und Dalmatiens. Demgegenüber ist die in dieselbe Zeitspanne fallende Notiz im Gedenkbuch von 1506—08 auffallend: „item die Hungerischen kunig, item die Portugallischen kunig, item die Behemischen kunig, Fuchsmag in Triumph­wagen“ 7). Ist dort England, so ist hier Portugal merkwürdigerweise mit Ungarn und Böhmen, auf welche die Habsburger alte Erbansprüche hatten, gekoppelt. Und nun das Wappenbuch! Zählt es nicht neben dem römischen Reich sieben König­reiche und sind es nicht eben dieselben ? Ungarn mit seinen Nebenkönigreichen Dalmatien, Kroatien, Bosnien, die Maximilian wie sein Vater immer wieder im Titel führte, dazu Böhmen8), 7 kunigreichen und darauf die wappen lassen malen; vgl. dazu Karl Giehlow, Dürers Entwürfe für das Triumphrelief Maximilians im Louvre, Jb. 29, S. 73. x) Ehrenpforte, siehe unten. 2) Vielleicht ist eine kleine Anregung von den Niederlanden ausgegangen, wo die sogenannten 17 christlichen Königreiche zusammengeschlossen waren. „... en Bruges oü s’assemblent, ce dit-on, les nations de dix-sept royaumes chréstiens . . . “. Chronique de Chastellain, Bd. 5, S. 116; „Mais de la haute Frize, que Ton nomme Tun des XVII royaumes, le bon duc n’en joyt oncque“. Olivier de La Marche, Memoires, ed. Henri Beanne et J. d’Arbanmont, Bd. I (Paris 1883), S. 93; vgl. auch Bd. III, 1885, S. 319. Dazu J. Huizinga, Im Banne der Geschichte, S. 259. 3) Vgl. Jakob Mennel, Fürstliche Chronik, Nat.-Bibl. Wien, HS. 3074. *) Die drei Bistümer samt Aquileja und Besangon sollten bei einem Reichsrat von 17 Mitgliedern 1495 die Churfürsten vertreten. Vgl. Ulmann, Kaiser Maximilian I. S., 350. 5) Epitoma, ed. Schardius, Germ. ant. ill. p. 361. ®) Die „Lauerpfeif“ als Geschichtsdenkmal. Zeitschrift für historische Waffen- und Kostümkunde 1939, S. 261 ff. 7) Jb. Reg. 4021 (fol. 92). 8) das auch schon am Wappen türm gemalt ist, wozu nun nach dem Heiratsvertrag von 1506 mehr Berechtigung vorhanden war.

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