Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

III. Heraldik und Geneologie - 17. Anna Coreth (Wien): Ein Wappenbuch Kaiser Maximilians I.

296 Coreth, England und Portugal. Damit haben wir die erste bisher bekannte Zusammenstellung der sieben Reiche gefunden J), u. zw. in der Form, die sich nach manchen Schwankungen endlich 1515 im Triumphrelief wiederfinden wird. Hier im Wappenbuch sind auch die Motive für die Führung der Wappen jener am Rande der Christenheit, an den Grenzen liegenden Reiche* 2) erklärt. Sie sind fast durchwegs auf Verwandtschaftsbindungen begründet, der Zweck ist die Gefolgschaft dem christlichen Imperator. Und ganz deutlich wird der Zusammenhang mit der geplanten Kaiserkrönung. Zeigt doch der Schautaler, der im Jahre nach der Annahme des Kaisertitels, 1509, in Gold geprägt wurde 3), auf der Vorderseite Maximilian als Türken­streiter, auf der Rückseite aber das Reichswappen umgeben von sieben Königswappen und herum einen zweiten Kranz von 19 anderen Herrschaften. Diesmal sind es aber die Wappen von Ungarn, Neapel, Dalmatien, Portugal, Böhmen, England — und Österreich, dessen Erhebung zum Königreich mehrmals geplant wurde, vor allem aber auch gerade im Jahre 1508 4). Ist im Programm zum Triumphzug, das nach Angaben des Kaisers 1512 von Treitzsaurwein ausgearbeitet worden ist, im großen Titel Maximilian als „Haupt der Christenheit, auch Siben cristenlichen kunigreich kunig und Erb“ benannt, so herrscht hier doch keine volle Klarheit über die Zugehörigkeit. Wohl sind an die österreichischen Lande angeschlossen: „Behamb Erb, Engelland Erb, Portugall Erb, Merhehrn Erb“, während Ungarn, Dalmatien, Kroatien und Bosnien beim ungarischen Krieg mitziehen, aber auch das Königreich Nieder-Lombardei aufscheint. Die Unterscheidung zwischen rechtmäßig bean­spruchten Ländern und solchen, zu denen eine weite Verwandtschaft eine Beziehung schafft, bleibt weiter erhalten. In der Formulierung: „Germaniae, Hungáriáé, Dalmatiae, Croatiae, Bosniae Rex, Angliáé, Portugalliae et Bohemiae heres“ preist das Triumphrelief Dürers von 1515 den Kaiser zum Anlaß der feierlichen Doppelhochzeit seiner Enkel, dem zweiten großen Ereignis seiner Publizistik, und dem Höhepunkt seiner Glorifikationen. So enthält auch die gleichzeitig vollendete Ehrenpforte den großen Triumphtitel, an der Wappentafel aber sind zu den Königreichen des Wappenbuches noch Nieder-Lombardei und Österreich hinzugefügt. Und auch die königlichen Verwandten unter den Erzstandbildern des Grabmales sind gleichzeitig diejenigen Könige, „der Schilt, namen unnd landt kaiser Maximilian fuert“ und vertreten gerade wieder die Länder England, Böhmen, Ungarn und Portugal, dazu Kastilien. 5) Mit diesen vorbereitenden Beobachtungen sollte die Stellung der kleinen Schrift innerhalb der Heraldik, Genealogie, Politik und Publizistik Maximilians skizziert werden; viele Detailfragen zu den einzelnen Abschnitten müssen vorläufig offenbleiben und einer ausführlichen Behandlung an anderer Stelle harren. *) In dem schon erwähnten Inventar vom 7. Februar 1507 fällt folgende Notiz auf: In der Truhe zu Wiener Neustadt fanden sich auch ,,siben kuniglich gemailte wappn, da an paidn ortn des Schilde ain liberei mit gelbn oder gulden prunnenemern gemailt ist“. Jb. 5, Reg. 4493 (fol. 30). Weder über den Zeit­punkt der Entstehung noch über den Inhalt läßt sich Näheres sagen. Die Eimer deuten auf den Orden der Mäßigkeit hin. 2) Bei Portugal wird das ausdrücklich betont. 3) S. Karl Domanig, Die deutsche Medaille, Wien 1907, Nr. 14. 4) Vgl. Oswald Redlich, Die Pläne einer Erhebung Oesterreichs und Burgunds zum Königreich. Zeitschrift des historischen Vereins für Steiermark, XXVI, 1931 (Luschin-Festschrift), S. 93; Andreas Walter, Die burgundischen Zentralbehörden unter Maximilian I. und Karl V., 1909, S. 93 f. Das Wappen von Neapel, das hier auffällt, erinnert an den 1515 von Maximilian gemachten Vorschlag, seinen Enkel Ferdinand zum König von Neapel zu machen. Vgl. Turba, Geschichte des Thronfolgerechtes in allen habsburgischen Ländern, Wien 1903, S. 368. Vielleicht reicht der Plan schon weiter zurück. Das Wappen ist das bis 1501 von der aragonesischen Nebenlinie in Neapel geführte. Vgl. Corpus nummorum italicorum, Bd. 19 (Napoli, P. 1), Tafel 4, Nr. 6, bis Tafel 11. B) Dies geht aus der Gruppe „Die Grabpildter“ des Programms zum Triumphzug klarer hervor als aus der endgültigen Standbilderfolge. Im Programm sind nach den römischen Kaisern und Königen als sogenannte „fremde Könige“ genannt: König Artus (England), König Ladislaus (Ungarn und Böhmen), König Philipp (Kastilien), König Stefan (Ungarn), König Johann (Portugal). Nat. Bibi. HS. 2835, gedruckt: Franz Schestag, Kaiser Maximilian I. Triumph, Jb. 1, S. 168.

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