Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

II. Paläographie und Diplomatik - 15. Hans Pirchegger (Graz): Über steirische Diplome

Über steirische Diplome. 257 Göß zu fallen hätten. Die Namen der Holden sind durchwegs deutsch, daher ich vermuten möchte, daß sie in Rötelstein und dem angrenzenden Gams gesessen waren x). Natürlich erhielt das Kloster von seinen Gründern außerdem noch Familiengut, das nicht durch Diplome gedeckt werden konnte. So besaß es um 1065 Arpindorf (Adendorf bei Neumarkt), dessen Name doch auf Aribo zurückgehen wird, ferner zwei Güter in der Mark: eines an der Kainach, das Azocho als Lehen besaß, und das andere zu Raaba, südöstlich von Garz. Diese letzgenannten Güter sowie zwei Slawenhuben in der Grafschaft Leoben gingen um 1065 in den Besitz Salzburgs über. Wenn das Erzstift später an der Kainach Lehen austeilte, wenn z. B. ein Teil der Feste Krems ein solches war, so geht das wahrscheinlich auf diesen Gößer Besitz zurück * 2). Ein großer Qüterzuwachs erfolgte im Jahre 1187. Damals übergab der Hochfreie Liuthold von St. Dionysen — Waldstein — Gutenberg einen Teil seines Vermögens dem Kloster Göß, wo seine Tochter Ottilie Äbtissin war. Es erhielt zugleich auch zwei Diplome. König Heinrich III. schenkte am 2. Mai 1041 seinem Getreuen Engelschalk das Lehen, das bisher sein Bruder Rudolf inne hatte, bestehend aus drei Königshuben im Enns- und Paltental. Derselbe König übergab am 1. Oktober 1043 seinem Getreuen Adalram drei Huben in Ramar- stetin als Eigentum mit allem Zugehör 3). Außerdem teilte Liuthold der Ottilie zahlreiche Güter in der Umgebung von Weiz und die Eigenkirche St. Dionysen bei Leoben zu. Seine Gattin Elisabeth, die höchstwahrscheinlich dem Hause der Grafen von Peilstein angehörte, schenkte ihre Eigenkirche St. Veit in Proleb 4). Worin bestanden nun die im Enns- und Paltentale gelegenen Güter, was war Ramar- stetin und wer waren die Empfänger der beiden Diplome ? Bei der Teilung seines Besitzes (1187) wies Liuthold der Ottilia u. a. 12 Huben in Perndorf (Bärndorf) zu und was er sonst noch im Paltentale besaß 5). Vor seiner Kreuz­fahrt entlieh er sich von Ulrich von Holzhausen Geld und dafür belehnte die Äbtissin diesen auf Bitten des Vaters mit Lengdorf im Ennstale 6). Damit haben wir bereits wenigstens einen Teil der 1041 geschenkten königlichen Güter ermittelt. Liutholds Urgroßvater, der edle Magan, hatte zur Zeit des Erzbischofs Gebhart — wohl bald nach 1074 — dem Kloster Admont eine Hube zu Bärndorf im Paltental gegeben 7). Wir sehen den Zusammenhang. Nun ist zwischen 1102 und 1139 ein Engelschalk von Attergau oder von Wasen bezeugt, dessen Vorfahren Engelschalk und Rudolf hießen — Vater und Sohn —, letzterer 1035 als Traditor genannt8). Er ist der Stammvater der Pitzenberger. Der Hochfreie Rudolf von Pitzenberg (bei Schwanenstadt, Oberösterreich) schenkte nun dem Kloster Admont vor 1147 seinen Hof zu Kunagrün im oberen Ennstale. Nach seinem Tode beanspruchten seine Schwestersöhne Rudolf, Engelschalk und Dietpold (von Wasen) das Gut, traten aber zurück !) MG. Dipl. III, Nr. 437, S. 559 = StUB. Nr. 40, S. 48. 2) SUB. 2, Nr. 95 und 98, S. 161 und 165 = StUB. 1, Nr. 68, S. 78 und Nr. 69, S. 80. — A. Lang, Die Salzburger Lehen in Steiermark (Beiträge zur Erforschung steirischer Geschichtsquellen, 43. und 44. Jg.), Nr. 20/20 und 355/2. 3) MG. Dipl. V, Nr. 78, S. 102 und Nr. 110, S. 139 = StUB. 1, Nr. 50 und 54, S. 58 und 62. 4) StUB. 1, Nr. 685, S. 667 und Nr. 686, S. 668. — Die Urkunden sind Fälschungen, doch der Inhalt ist unverdächtig. O. Wonisch, Über das Urkunden wesen der Traungauer (Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark, 22. Jg., 1926, S. 134 ff.). 5) StUB. 1, Nr. 685. — Elisabeth widmete auch ihren Besitz in Stübing dem Kloster (wo 1147 Graf Konrad von Peilstein begütert war, StUB. 1, Nr. 265, S. 278), ferner, wie schon gesagt, die St.-Veit-Kirche nordöstlich Leoben, deren kleiner Sprengel unmittelbar der Kirche Waasen benachbart war, die gleichfalls dem genannten Grafen gehörte (StUB. 1, Nr. 640, S. 610, 2, Nr. 106, S. 162). 6) StUB. 1, Nr. 689, S. 673. Vgl. Nr. 272, S. 282, irrig zu 1147, richtig 1189. 7) StUB. 1, Nr. 323, S. 318, und Nr. 662, S. 641. — Über Liuthold und seine Vorfahren siehe meine Beiträge zur Genealogie des steirischen Uradels. 2. Die Hochfreien von Gutenberg-Feistritz imd Otto von Plankenberg, (Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark, 15. Jg., 1917). 8) SUB. 1, S. 891. 17

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