Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)
II. Paläographie und Diplomatik - 15. Hans Pirchegger (Graz): Über steirische Diplome
258 Pirchegger, und verkauften dem Kloster Admont auch den oberen Hof daselbst*). Ich zweifle nicht, daß auch Kunagrün in der Verleihung von 1041 enthalten war und daß der Traditor von 1035 dem Rudolf von 1041 entspricht. Ramarstetin ist wenigstens zum Teil in Romatschachen enthalten, das, nahe dem Markt Pischelsdorf in der Oststeiermark gelegen, von Liutholds Gattin Elisabeth dem Kloster Göß im Jahre 1187 geschenkt wurde und Besitz des Stiftes bis zu seiner Aufhebung war. Elisabeth war eine Peilsteinerin, gehörte also der Sippe der Aribonen an und zu ihren Vorfahren, entweder vom Vater oder von der Mutter her, dürfte Adalram von 1043 gehört haben. F. Posch meinte, daß Ramarstetin der ursprüngliche Name für Pischelsdorf gewesen sei, das seinen heutigen Namen erst erhalten habe, nachdem es in den Besitz des Erzbischofs von Salzburg übergegangen war * 2). Das ist möglich. Ich habe noch auf die Herrschaft Feistritz hingewiesen, die gleichfalls nicht weit von Pischelsdorf gelegen ist 3). Göß besaß ferner noch Seiersberg, Brunn und Abtissendorf südwestlich von Graz, die erstgenannte große Gemeinde bereits 1148 als Klostergut ausgewiesen4). Merkwürdig ist, daß sie ganz vom Salzburger Amte Straßgang umschlossen ist. Sie muß daher ursprünglich dazu gehört haben und Aribonengut gewesen sein. Ich vermute, daß Aribo und Boto, bald nach 1040 mündig geworden, ihr Erbgut geteilt haben, u. zw. Amt um Amt, wie das ja sonst Brauch war. Seiersberg kam, vermute ich, an Aribo, wurde 1055 von der Krone eingezogen, aber ihm nach seiner Begnadigung wieder zurückgegeben. Kurz vor seinem Tode verstiftete er es an Göß, so wie Algersdorf an Göttweih. Am 13. April 1000 schenkte Kaiser Otto III. auf Fürsprache des Herzogs Heinrich, seines Vetters, dem Markgrafen Adalbero hundert Huben in der Provinz Kärnten, in seiner Mark und Grafschaft gelegen 5). Das Diplom befindet sich noch heute im Kloster St. Lambrecht, es betraf dessen Herrschaft Piber in der Weststeiermark, denn nur sie lag von den Klostergütern in der eigentlichen Mark. Jaksch schrieb dem Diplom eine hohe staatsrechtliche Bedeutung zu: Der 13. April sei der Geburtstag der Steiermark, denn die Mark sei damals von Kärnten getrennt und dem Herzogtum Baiern angeschlossen worden, bei dem sie bis 1180 blieb 6). Diese als ganz sicher hingestellte Annahme gründet sich darauf, daß Kärnten bereits 995 dem Grafen Otto aus dem Wormsgau übertragen worden sei und Herzog Heinrich, der im Diplom als Fürsprecher genannt wird, nur das Herzogtum Baiern behalten habe. Wie wenig das zutrifft, hat L. Hauptmann gezeigt7). Außerdem betont das Diplom ja ausdrücklich, das geschenkte Gebiet sei in der Provinz Kärnten gelegen. Die immer wiederholte Behauptung einer Abhängigkeit der Kärntner Mark von Baiern bis 1180 läßt sich in Wirklichkeit durch nichts erweisen. Abhängig war nur der Markgraf, weil er bairische Lehen besaß, sowohl in der Mark als auch insbesondere im Traungau, wahrscheinlich auch im Chiemgau 8). Am 28. November 1042 schenkte König Heinrich III. dem Markgrafen Gottfried zwei königliche Huben in Gösting mit vier genannten slawischen Hörigen; sollten die zwei Huben in Gösting nicht voll erreicht werden, so konnte sie der Markgraf im benachbarten Königs!) StUB. 1, Nr. 305, S. 308; dazu 2, Nr. 8, S. 6. 2) Siedlungsgeschichte der Oststeiermark (MIÖG. XIII. Erg.-Bd., 1941). Vgl. meine Besprechung in der Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark, 37. Jg., 1946, S. 90 f. 3) Beiträge zur steirischen Orts- und Familiengeschichte. Ebenda, 35. Jg., 1942, S. 50 ff. *) StUB. 1, Nr. 278, S. 288. 6) MG. Dipl. II/2, Nr. 355, S. 785 = StUB. 1, Nr. 33, S. 40. 6) Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer I, 4 (Kärnten), S. 54 f. 7) Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer I, 4 (lírain), S. 372 f. und 376 f. — Ein ähnlicher Mißgriff Jakschs war (S. 227), daß er das Kanaltal von Villach bis Pontafel zum Herzogtum Friaul rechnete, wiewohl ein Diplom von 979 für Brixen ausdrücklich besagt: Fillac in regione Karin tana in comitatu Hartuvich comitis. Vgl. Mon. Car. III, Nr. 150. 8) H. Pirchegger, Siedlungsgeschichtliche und staatsrechtliche Beziehungen der Steiermark zu Baiern (Zeitschrift für bayrische Landesgeschichte, 12. Jg., 1939); derselbe, Baiern, Österreich, Steiermark und der Traungau (ebenda, 13. Jg., 1942).