Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)
II. Paläographie und Diplomatik - 15. Hans Pirchegger (Graz): Über steirische Diplome
Über steirische Diplome. 255 Nun greife ich auf die früher angeführte päpstliche Bestätigung des Klosters Michelbeuren 1137 zurück. Was ist mit dem hier als Stifter genannten Pfalzgrafen Hartwig? Das Kloster wurde 1072 vom Patriarchen Sieghard eingeweiht*). Damals lebte kein Pfalz- graf dieses Namens, er kann 1137 als Vorfahre des Stifters einbezogen worden sein; ich meine, es war der Pfalzgraf von 977 und der Großvater des Patriarchen, dessen Vater der gleichfalls in der Urkunde genannte Graf Sizo war, gestorben vor 1048. Gegen diese Annahme spricht nichts und sie gestattet, die Siegharde an die Hauptlinie anzuschließen. Damit erkläre ich die enge Verbundenheit des Peilsteiner- und des Aribonenbesitzes bei Leoben und bei Straßgang, von der ich oben gesprochen habe. Der Name Sizo kam wohl durch die Frau Hartwigs I. in die Familie, die eine Schwester oder Tochter des Chiemgauer Grafen Siegehard 959 gewesen sein kann (siehe Stammtafel E. Klebels) oder eines,Zeitgenossen gleichen Namens. Hält man am Leitnamen Aribo fest, so war der Vater Hartwigs I. jener Aribo, der 904 das Königsgut Göß erhielt* 2), welches die Grundlage der Stiftung des Pfalzgrafen Aribo vor 1020 bildete. Der Name und der Besitz sprechen dafür. Vielleicht war es derselbe Aribo, der 927 mit dem Erzbischof Odalbert in Maria-Saal weilte, genannt unter den Zeugen einer am 23. Mai ausgestellten Urkunde an hervorragender Stelle; den vier Grafen folgen: Reginhart, Arpo, Weriand, Markwart, Ascuin, Herold, Turdagowo und noch 22, darunter wieder ein Arpo 3). Sein Vater war der 904 genannte Graf Otahar von Karantanien, der Stammherr der Traungauer, denen der Bezirk des Erzberges gehörte, und mitten in ihm lag Besitz des Stiftes Göß! Wenn wir diesem Aribo eine Tochter des Edlen Hartwig zur Frau geben, des Bruders und Vogtes des Erzbischofs Odalbert (f935), so würde sich der zweite Leitname in der Familie, Hartwig, gut erklären lassen. Merkwürdig ist weiters, daß des Erzbischofs Gattin Rihni in Seeon einen Hof und eine Kirche besaß, die sie 924 dem Erzstifte im Tausche überließ 4). Ich wage schließlich noch, den „überaus berühmten“ Aribo an die Spitze der Stammtafel zu stellen. Wir wissen wenigstens von keinem anderen Aribo, der berühmter gewesen wäre als der Ostmarkgraf 870—907, der gegen Herzog Arnulf kämpfte und die ersten Ungarneinfälle erlebte. Im Jahre 909 erhielt er von König Ludwig die Abtei Trunseo gemeinsam mit dem Erzbischof Pilgrim, sie sollte nach deren Tode an Salzburg fallen. Das ist sein letztes Lebenszeichen. Bald darauf mag er in hohem Alter auf der Wisentjagd umgekommen sein. Merkwürdig ist nun wieder, daß zu den Stiftern des neu gegründeten Klosters Traunkirchen um 1050 ein Graf Otakar gehörte 5). Das Kloster Göß wurde zwischen 994 und 1020 vom Pfalzgrafen Aribo, seiner Gattin Adala und seinem Sohne Aribo, der später Erzbischof von Mainz wurde, gegründet. Sie gaben ihrer Stiftung mehrere Königsdiplome mit als Bestätigungen für ihre Ausstattung. So schenkte König Otto I. dem Grafen Kadelach 942 einen Unfreien namens Reginprecht, der vorher dem Kloster Ötting (Herrschaft Treffen in Ob.-Kärnten ?) gedient hatte. Ferner dem Kleriker Thietpreht (Diotpert) 954 und 961 Königsgut in der Gegend von St. Veit in Kärnten. Ich möchte beide zum Verwandtenkreis der Adala rechnen. Schließlich Kaiser Otto II. 979 seinem Getreuen Aribo drei königliche Huben bei St. Veit (Kärnten) im Amtsbezirke des Walpots Hartwig 6). *) SUB. 2, Nr. 84, S. 145. 2) StUB. 1, Nr. 13, S. 16. — E. Klebel läßt einen Engelbert Vater Hartwigs sein, 930 Graf im Salzburggau; wohl nur deshalb, weil auch Hartwig diesen später geleitet hat. Aber die Erblichkeit der Grafschaften war damals noch nicht so durchgedrungen, wie man gewöhnlich annimmt. 3) SUB. 1, S. 69. — Auch S. 119 kommen am 9. Mai 927 zwei Arbeo vor. 4) SUB. 1, S. 105. 6) SUB. 2, Nr. 41, S. 76. — G. E. Frieß, Geschichte des ehemaligen Nonnenklosters Traunkirchen (AÖG. 82. Bd., 1895). — J. Strnadt, Abhandlungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer (AÖG. 94. Bd., S. 561). — H. Pirchegger, Geschichte der Steiermark, 1. Bd. (2. Auflage), S. 490 ff. (Anhang: Die Herkunft der Otakare von Steyr und der Traungau). 6) MG. Dipl. I, Nr. 49, 173 und 221, S. 133, 254 und 303 = StUB. 1, Nr. 22, S. 26; Nr. 23 und 24, S. 27 f. — MG. Dipl. II/l Nr. 203, S. 230 = StUB. 1, Nr. 28, S. 34.