Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

I. Archiv-Wissenschaften - 9. Eduard Straßmayr (Linz): Das Schloßarchiv Weinberg (Oberösterreich)

139 Das Schlogarchiv Weinberg (Oberösterreich). Von Eduard Strafjmayr (Linz). Wenn wir der von einer anmutigen Landschaft belebten buckeligen Welt des Mühl­viertels zustreben und das Aisttal entlang auf der uralten Verkehrsstraße wandern, welche einst der blühende Handel von der Donau über Freistadt nach Böhmen beherrschte und heute ein Schienenstrang durchzieht, gewahren wir unweit des altertümlichen Städtchens Freistadt an einer Berglehne den Pfarrort Kefermarkt. Kaum eine Viertelstunde von der gotischen Kirche entfernt, ragt aus dem Tannengrün einer bewaldeten Bergkuppe der Herrensitz Weinberg hervor, ein stattliches Renaissanceschloß, das weit in die Lande hinausgrüßt. Um den Bau, in dessen weiten Räumen nur zwei Geschlechter seit dem 14. Jahrhundert bis zur Gegenwart hausten, die Zelkinger und Thürheimer, rankt sich denkwürdige Geschichte. Das nahe Gotteshaus, mitten im Naturfrieden der Mühlviertler Berge, umschließt ein Kleinod edler Kunst, den berühmten Flügelaltar, der schon Adalbert Stifter ganz in seinen Bann zog. Dieser kleine Flecken Erde hat auch in der Landesgeschichte seine Bedeutung. Auf dem Grunde der ausgedehnten landesfürstlichen Herrschaft Freistadt dürfte um die Wende des 13. zum 14. Jahrhundert Peter der Piber die Burg Weinberg errichtet haben, die bereits in einer Urkunde von 1305 aufscheint*)• Einige Jahrzehnte später gelangte die Feste in den Besitz der Familie Zelking, eines der ältesten Adelsgeschlechter Österreichs, das seinen Namen von der Stammburg Zelking bei Melk führte. Ein Sproß, Otto von Zelking, bekleidete im Jahre 1288 die im Grenzschutz gegen Böhmen wichtige Stelle eines Schloß­hauptmannes in Freistadt. Seit 1375 ist Albrecht von Zelking als Inhaber der Burg urkund­lich nachweisbar 2). Das Geschlecht der Zelkinger hat sich im Lande ob der Enns einen unvergänglichen Namen dadurch gemacht, daß es ein Prachtwerk mittelalterlicher Holzschnitzkunst, den Flügelaltar in Kefermarkt, stiftete 3). Christoph von Zelking, der über reichen Besitz verfügte und die Burgen Leonstein, Weinberg und Zelking sein Eigen nannte, begann in dem nahe gelegenen Flecken Keferdorf, welcher nach der Erhebung zum Markte (1479) den Namen Kefermarkt führte, zu Ehren des im deutschen Mittelalter sehr volkstümlich gewesenen heiligen Wolfgang im Jahre 1473 den Bau einer geräumigen Wallfahrtskirche. Bereits 1476 konnte sie eingeweiht werden. Für dieses stattliche Gotteshaus bestellte der fromme Mann bei einem heute nicht mehr nachweisbaren Künstler einen Hochaltar, der neben jenem Pachers in St. Wolfgang zu dem kostbarsten Kunstbesitz unserer Heimat zählt. Die Fertigstellung des Altars (1490—1498) erlebte Christoph Zelking nicht mehr, denn er starb 1491 und fand in der Kirche zu Kefermarkt seine letzte Ruhestätte. Als Erbauer eines vielbesuchten Wolfgang-Heiligtums und Förderer edler Kunst steht er heute noch in gutem Angedenken. Hatten schon die Söhne Christophs unter dem Einfluß der neuen Geistesrichtung des Humanismus, die sie an der Hochschule zu Bologna in sich aufgenommen hatten, nicht mehr b Strnadt J., Die freien Leute der alten Riedmark. Archiv für österreichische Geschichte, Bd. 104/2 (1915), S. 609 f. 2) Stadtarchiv Freistadt, Urkunden Nr. 65. 3) Näheres bei Zibermayr I., Die St.-Wolfgang-Legende in ihrem Entstehen und Einflüsse auf die österreichische Kirnst. Jahresberichte des oberösterreichischen Museal Vereines, Bd. 80 (1924), S. 212 ff. und Oberchristi Fl., Kefermarkt und sein gotischer Flügelaltar, Linz 1926, S. 1 ff.

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