Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

I. Archiv-Wissenschaften - 9. Eduard Straßmayr (Linz): Das Schloßarchiv Weinberg (Oberösterreich)

140 Straßmayr, so ganz an der Religion ihres Vaters festgehalten und in den religiösen Wirren der Wieder­täufer-Bewegung deren Anhänger in Schutz genommen, so waren die Enkel überzeugte Lutheraner. Durch den Urenkel Hans Wilhelm, der ebenfalls dem evangelischen Glauben treu zugetan war und nach 1580 die Herrschaft Weinberg übernommen hatte, erfuhr das Schloß eine Erweiterung und Verschönerung. Damals war ja die Blütezeit des österreichischen Adels, die in einer regen Pflege des Geisteslebens und Schulwesens, in der Gründung von Schloßbibliotheken und Fürsorge für die Archive, nicht zuletzt in der Errichtung stolzer Renaissancebauten zum Ausdruck kam *)• Aus jener Zeit stammen die wuchtigen wehrhaften Anlagen der Burg Weinberg, wie sie heute noch in vortrefflicher Erhaltung das Bild der Mühl­viertler Landschaft beleben. In der Zeit, da Hans Wilhelm auf seinem Schlosse hauste, brachen harte Prüfungen über die Gegend herein. Der einst so gewaltige Zustrom frommer Pilger nach St. Wolfgangs ehrwürdiger Stätte in Kefermarkt war versiegt, das Gotteshaus die meiste Zeit gesperrt und einem langsamen Verfall preisgegeben. Im Jänner 1611 überschwemmte das berüchtigte Passauer Kriegsvolk das Mühlviertel, an allen Orten raubend und sengend 1 2). Sehr arg trieben es die Soldaten in Kefermarkt, das sie vollständig ausplünderten. In diesen kritischen Tagen zeigte der Zelkinger Mut und Entschlossenheit. Obwohl nur eine geringe Besatzung in seinem Schlosse lag, in welches viele Familien mit ihren Habseligkeiten geflüchtet waren, behauptete er sich durch sein furchtloses Auftreten gegenüber den Passauern. In seinen Schreiben an die oberösterreichischen Stände und an den Landeshauptmann beklagte er sich über den Mangel an Hilfe von dieser Seite und bekundete einen Selbstwillen und eine sich über die bestehende Ordnung hinwegsetzende Gesinnung, wie sie damals manchem aus dem Adel nach dem Schlage eines Georg Erasmus von Tschernembl, des wortgewandten Führers der evangelischen Stände, eigen war. Als im Jahre 1626 der Bauernsturm durch Oberösterreich brauste, drangen bewaffnete Scharen auch in Weinberg ein. Die stürmischen Ereignisse der letzten Zeit und das nach der Schlacht am Weißen Berge (1620) über den unbotmäßigen Adel des Landes herein- gebrochene Strafgericht hatten die Kraft des alten Schloßherrn gebrochen. Das drohende Schicksal der Ausweisung voraussehend, zog er sich noch rechtzeitig nach seinem Stamm­schlosse Zelking zurück und überließ die oberösterreichischen Güter seinem Vetter Christoph Wilhelm. Letzterer mußte bald darauf als eifriger Anhänger des Protestantismus gemäß dem Reformationspatent aus dem Lande ziehen und verkaufte 1629 Weinberg an die Thür­heim und die Herrschaft Leonstein an die Salburg 3). Bereits im Jahre 1634 erlosch das alte Geschlecht der Zelkinger im Mannesstamm, das mehr als zweieinhalb Jahrhunderte hindurch von Weinberg aus seinen oberösterreichischen Besitz verwaltet hatte. Im Jahre 1629 hielt Hans Christoph von Thürheim seinen Einzug in Weinberg. Dieses uralte Geschlecht hat seine Stammburg im schwäbischen Orte Oberthürheim, nach welchem es seinen Namen erhielt 4). Sein Besitz lag in Schwaben, wo es bis 1788 das Rittergut Bibrach- zell innehatte. Ein Mitglied der dem katholischen Glauben stets treu ergebenen Familie, Hans Christoph, nahm in sehr jungen Jahren bei Erzherzog Leopold Wilhelm von Österreich und dem Bischof von Passau Dienste und zog anläßlich der bayrischen Besetzung als Pfleger der 1) Newald R., Beiträge zur Geschichte des Humanismus in Oberösterreich. Jahresberichte des oberösterreichischen Musealvereines, Bd. 81 (1926), S. 193 ff. Zibermayr I., Das oberösterreichische Landesarchiv in Linz. Ein Bild der Entwicklung des heimatlichen Schriftwesens und der Landesgeschichte. Zweite vermehrte Auflage, Linz 1930, S. 55 ff. 2) Kurz F. und Czerny A., Der Einfall des von Kaiser Rudolf II. in Passau angeworbenen Kriegs­volkes in Oberösterreich und Böhmen (1610—1611). Jahresberichte des oberösterreichischen Museal- Vereines, Bd. 55 (1897), S. 13 ff. 3) Zibermayr, St.-Wolfgang-Legende, S. 223. 4) Die Familiengeschichte behandeln eingehend Starkenfels A., Oberösterreichischer Adel (Nürnberg 1885—1904), S. 465 ff. (Thürheim A.), Die Reichsgrafen und Herren von Thürheim (Linz 1895), S. 13 ff.

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