Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)
I. Archiv-Wissenschaften - 8. Jakob Seidl (Wien): Das Österreichische Staatsarchiv, dessen Abteilungen und führende Beamten in den letzten fünfzig Jahren. I. Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv
138 Seidl, hauptsächlich sein Verdienst. Stowasser, der trotz der Eigenheit seines Wesens und nach dem ersten Eindruck sehr selbstbewußten Haltung ein hilfsbereiter Kamerad und gewissenhafter und kenntnisreicher Berater der Archivbenützer war, ist im Jahre 1934, noch nicht 47 Jahre alt, plötzlich gestorben. Oskar Schmid, der wegen des ersten Weltkrieges, aus dem er als Dragoneroberleutnant zurückgekehrt war, sein Hochschulstudium unterbrechen mußte, ist im August 1920 in das Haus-, Hof- und Staatsarchiv eingetreten, in dem er hauptsächlich in der Belgischen Abteilung und in den Reichsarchiven verwendet wurde, zu deren bestem Kenner nach Groß er sich entwickelte, und deshalb stets zur Beantwortung schwieriger Anfragen über diese Archive herangezogen wurde. Aus diesem Grunde wurde er auch, obwohl mit einem im ersten Weltkrieg zugezogenen Lungenleiden behaftet, im zweiten Weltkrieg im Herbst 1940 als Heeresverwaltungsrat nach Belgien entsendet, um den 1856 bis 1875 mit diesem Lande durchgeführten Archivalientausch, der dem archivwissenschaftlichen Herkunftsgrundsatz nicht entsprach, einer Revision zu unterziehen und einen auf Gegenseitigkeit beruhenden Ausgleich herbeizuführen, der ihm bei seinem rein sachlichen und gewinnenden Wesen, das ihn auch bei den Verhandlungsgegnern beliebt machte, sicher gelungen wäre. Leider konnte er die Verhandlungen nicht zu Ende führen, die bis jetzt nicht wieder aufgenommen worden sind. Schwer krank ist er Ende 1941 nach Wien zurückgekehrt und im Sommer 1942 im Alter von 52 Jahren gestorben.