Oskar Regele: Ergänzungsband 1. Der österreichische Hofkriegsrat 1556-1848 (1949)

III. Der Einfluß des Hofkriegsrates auf die militärische Führung. - b) Beispiele aus der Kriegsgeschichte - 6. Die Franzosenkriege 1792—1815

Verantwortung zu tragen hatte“ 4). Auch Suworow erging sich in schärfsten Verurteilungen Thuguts wegen dessen Eingriffen in die Armeeführung. Adolf von Horsetzky sagt über das Jahr 1799: ,,Fiir diesen Feldzug trifft die sonst vielfach mit Unrecht erhobene Klage zu, daß der Hofkriegsrat sich zu sehr in alle Details eingemischt habe. ..“ fügt aber ein Urteil bei, „daß auf französischer Seite eine weit größere Bevormundung statthatte wie auf österreichischer“ 1 2). Hofkriegsratpräsident war damals General Tige, von dem Angeli meint: „der am Ende doch nur das Werkzeug des allmächtigen Ministers“ d. i. Thuguts war 3 4 5 * 7). „Noch übler aber war, — sagt Hüffer, ein Historiker, der den guten Eigenschaften Thuguts stets gerecht geworden ist. . . — daß die Leitung des Krieges wesentlich in den Händen eines Ministers lag, der seinen Einfluß auf die Operationen keineswegs durch einen militärischen Scharfblick rechtfertigen konnte...“4). Als sich Ende 1799 der in Italien befehligende Melas entschloß, Winterquartiere zu beziehen, da die Voraussetzungen für einen Winterfeldzug fehlten, wies der General-Quartiermeister General Zach eine Weisung Thuguts vor, die ausdrücklich die Fortsetzung der Operationen im Winter forderte. Melas lehnte es ab, Thuguts Weisungen zu befolgen und machte geltend, nur „vom Kaiser und in dessen Namen vom Kriegs-Präsidenten Befehle anzunehmen“. Er trat unmittelbar mit dem Hofkriegsrats­präsidenten in Verbindung und erreichte nicht nur die Bestätigung seiner gefaßten Ent­schlüsse, sondern auch wirksame Hilfe für die Armee zur Wiedererlangung der Schlagkraft 5). Das Bild also, das sich vom Feldzug 1799 ergibt, ist ziemlich eindeutig: außerhalb des Hofkriegsrates wirkende Kräfte waren oft ausschlaggebender als der Hofkriegsrat selbst, dessen Präsident allerdings diesen Kräften zu stark nachgegeben zu haben scheint. Der Krieg vom Jahre 1805 wurde gegen das Votum des Erzherzogs Karl, der erst für 1806 die Schlagfertigkeit der Armee garantierte, begonnen, da die auswärtige Politik zum Kriege drängte. Dieser Krieg war ein wenig glückliches Zwischenspiel, da es einem Unberufenen, dem General Mack gelang, sich unumschränkte Machtvollkommenheiten zur militärischen Kriegführung zu verschaffen. Obwohl nur General-Quartiermeister, war er doch vollkommen unabhängiger Oberkommandant, was der Kaiser nur mehr dem Namen nach blieb. Der Operationsplan für 1805 wurde in einer Konferenz festgelegt, an der Wintzingerode, Mack, Staatsrat Collenbach und der Vizepräsident des Hofkriegsrates Schwarzenberg teilnahmen. Erzherzog Karl versäumte es nicht, seinen kaiserlichen Bruder vor Mack zu warnen, indem er ihm schrieb: „Der Feldmarschalleutnant Mack durchgreift alle Autoritätsrechte eines mit einer unbegrenzten Vollmacht versehenen kommandierenden Generals“ 6). Wie Mack im Norden, so kommandierte der Erzherzog im Süden nach freiem Ermessen. Die vom Kaiser durch den Hofkriegsrat erlassene Weisung vom 5. Oktober 1805 7) umriß lediglich den großen Rahmen: den Einklang mit den Operationen in Deutschland, den Beginn einer Offensive nur im Notfälle, doch wenn der Feind angriffe, „so versteht es sich von selbst, daß Euer Liebden sogleich. . . dasjenige vorzunehmen haben, was Sie für das Beste Meines Dienstes notwendig zu sein erachten.“ Auch der Feldzug 1809 wurde gegen alle Einwände des Erzherzogs Karl aus außen­politischen Erwägungen unternommen, ohne daß die Armee einen zufriedenstellenden Rüstungsstand aufgewiesen und Österreich Verbündete gehabt hätte. Die Führung war dem Erzherzog wieder anheimgestellt, soweit dies in den Grenzen der grundlegenden Pläne möglich war. Dem Kaiser standen Stadion und Bellegarde beratend zur Seite, im Stabe 63 1) Angeli. „Erzherzog Karl ...“, II., S. 508. 2) „Kriegsgeschichtliche Übersicht der wichtigsten Feldzüge in Europa seit 1792, S. 114. 3) Angeli. „Erzherzog Karl...“, II., S. 508. 4) Criste. „Erzherzog Karl...“, II., S. 139. 5) Radetzkys Selbstbiographie in „Mitteilungen des k. k. Kriegsarchivs“, 1887. 8) Criste. „Erzherzog Karl...“, II., S. 328. 7) ebendort, IT., S. 338. 63

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