Oskar Regele: Ergänzungsband 1. Der österreichische Hofkriegsrat 1556-1848 (1949)
III. Der Einfluß des Hofkriegsrates auf die militärische Führung. - b) Beispiele aus der Kriegsgeschichte - 6. Die Franzosenkriege 1792—1815
zu Heidelberg stattfand und den der Kaiser in mehrfacher Hinsicht nicht nur als überflüssig, sondern sogar als schädlich bezeichnete 1). Für den Feldzug von 1796 hatte der Kaiser noch im Dezember 1795 vom Hofkriegsrat einen Bericht über die Rüstungslage eingefordert. Dieser Bericht meldete die Schlagfertigkeit der Armee unter der Voraussetzung, daß die notwendigen Geldmittel zur Verfügung gestellt würden, Der Kaiser bemerkte in seiner dem Bericht angefügten Resolution zum Schlüsse: „Ich setze auch mein vollkommenes Zutrauen in die Finanzen, daß sie den Hofkriegsrat getreulich unterstützen werden, wozu ein vertrauliches, freundschaftliches immerwährendes Einverständnis zwischen denselben und dem Hofkriegsrathe Vieles beitragen wird“ 1 2). Die Operationen betreffend hatten Clerfayt und Wurmser Vorschläge zu machen, mit der Ausarbeitung des Operationsplanes wurde sodann General Bellegarde beauftragt; der Plan selbst ging neuerlich an Lacy, Wurmser und Clerfayt und wurde schließlich dem Erzherzog Karl als Kommandanten der Nieder-Rhein-Armee zur Stellungnahme übermittelt. Der Erzherzog war an diesen Plan nur in dessen Grundzügen gebunden, ansonst konnte er um so mehr frei handeln, als er mit 21. Februar 1796 zum Reichs-Generalfeldmarschall ernannt worden war. Die dem Erzherzog vom Kaiser am 4. April 1796 ausgestellte Instruktion gibt zunächst eine Zusammenfassung der geprüften Operationspläne und befiehlt sodann die Offensive, nämlich „die feindlichen beiden Armeen eine nach der anderen wenn möglich zu schlagen und dann Landau zu belagern“ 3). Dem Erzherzog war also weitester Spielraum gewährt. Erzherzog Karl berichtete im Laufe des Feldzuges direkt dem Kaiser. Mit General Wurmser hielt er in Anwesenheit der beiden Stäbe Besprechungen über die gemeinsam zu führenden Operationen, was selbstverständlich dringend nötig war. Als der Kaiser mit Rücksicht auf die Lage auf dem italienischen Kriegsschauplatz dem Erzherzog die Defensive auftrug, da Truppen nach Italien gesandt werden mußten, da fügte der Kaiser bei: „. . .es sei denn, die Umstände ließen Dir auch ohne den von Dir abgenommenen Truppen noch zu, etwas zu unternehmen, welches Du dann nach Umständen tun kannst“ 4 5). Am 22. Juli lehnte es der Kaiser wieder ausdrücklich ab, konkrete Befehle zu erteilen, „da die Umstände sich täglich ändern“ 6). Im weiteren Verlaufe des Feldzuges genehmigte der Kaiser die Operationen des Erzherzogs, allerdings mußte er die politischen Rücksichten geltend machen, nach denen Mainz und Mannheim zu behaupten gewesen wären. Die Räumung deutschen Gebietes verleitete nämlich die deutschen Fürsten — Baden, Württemberg, Kursachsen u. a. m. — in das Lager Frankreichs überzugehen. Nochmals, u. z. am 22. August überließ der Kaiser dem Erzherzog vollständig die Führung der Operationen6). Nach Abschluß des Feldzuges wollte der Erzherzog den Schwerpunkt der Operationen nach Italien verlegen, doch erhielt er den Befehl, Kehl und Hüningen einzunehmen, was darin seine Begründung fand, daß den Franzosen keine Ausfallstore am Rhein überlassen werden durften. Gesichtspunkte der Gesamtkriegführung mußten auch diesmal den Vorrang behalten, mag auch der Erzherzog in diesen Tagen anderer Meinung gewesen sein. Der Feldzug des Jahres 1799 stand im Zeichen der ungeschwächten Beeinflussung durch Thugut. „Wohl kaum hat in einem Kriege die Diplomatie so unumschränkt und bleibend die Oberhand behalten wie in diesem. Die Strategie trat fast durchwegs in zweite Linie und konnte nur in sehr beschränktem Maße sich Geltung erringen.... Der Erzherzog befand sich sonach sehr häufig vollbrachten Tatsachen oder bindenden Befehlen gegenüber, die in den meisten Fällen in den Rahmen der Kriegführung nicht paßten, für die er die 1) ebendort, I., S. 164. 2) Angeli. „Erzherzog Karl...“, I., 1., S. 8. 3) Criste. „Erzherzog Karl...“, I„ S. 192 f. 4) ebendort, I„ S. 228. 5) ebendort, I„ S. 277. 8) Criste. „Erzherzog Karl...“, I., S. 331.