Oskar Regele: Ergänzungsband 1. Der österreichische Hofkriegsrat 1556-1848 (1949)
III. Der Einfluß des Hofkriegsrates auf die militärische Führung. - b) Beispiele aus der Kriegsgeschichte - 5. Die Preußenkriege 1740—1763
58 geben. Wenn etwas gegen das Märchen von der Hemmung der Generale durch den Hofkriegsrat spricht, dann sind es die erwähnten Fälle der Strafverfolgung durch ebendenselben Hofkriegsrat. Interessant ist noch in diesem Zusammenhänge, daß sich F. M. Wallis 1739 vor Belgrad gegen das Votum seines Kriegsrates entschloß, Belgrad durch Abmarsch seiner Armee seinem Schicksale zu überlassen und daß er kurz darauf nur durch die einmütige Haltung der Kriegsratsbeisitzer veranlaßt werden konnte, durch Besetzung der Save die Türken an einem Fluß Übergang zu verhindern *). Aus dem Türkenkriege der Jahre 1788—1790 bleibt erwähnenswert, daß Laudon nach der Erstürmung Belgrads den Hofkriegsrat wissen ließ „daß nur der Weisheit des von Hadik entworfenen Planes der schnelle Fall dieser Festung zuzuschreiben sei“* 2). Hadik war 1774—1790 Präsident des Hofkriegsrates und hatte als solcher den Türkenkrieg vorbereitet. Es zeugt von der Gediegenheit dieser Vorbereitung, wenn ein Feldherr vom Range eines Laudon es für richtig fand, die ihm vom Hofkriegsrat gewährte Hilfe anzuerkennen. Freilich war auch Hadik ein erprobter Heerführer, so daß sich damals sowohl an der Spitze des Hofkriegsrates als auch der Armee Generale von Ruf befanden. 5. Die Preußenkriege 1740—176 3. „Auch unter Maria Theresia blieb dem Hofkriegsrat der alte Einfluß auf Kriegsund Operationsplan, aber es dürften sich wenige Beispiele finden lassen, einzelne Hofkriegsratspräsidenten, wie einst Mannsfeld ausgenommen, nach welchen derselbe durch Verschulden des Hofkriegsrates wirklich ein hemmender gewesen wäre. Nicht nur dem Prinzen Carl von Lothringen oder hohen Befehlshabern wurde von der Königin und ebenso vom Hofkriegsrate oft nahegelegt, daß man von Wien aus die Verhältnisse nicht richtig beurteilen könne und sie daher nach eigenem Ermessen handeln müßten, sondern selbst Generale von geringerem Range mit selbständigem Kommando... erhielten ähnliche Weisungen“3). . .. „Von dem Gedanken geleitet, Diplomatie und Kriegführung in engsten Kontakt zu bringen, erflossen die Reskripte an die im Felde stehenden Generale während der ganzen Dauer des Siebenjährigen Krieges zumeist nicht vom Hofkriegsrate, sondern aus der Staatskanzlei, welche Maria Theresias treuer Ratgeber Kaunitz leitete, der .dabei allerdings immer bestrebt war, durch solche Weisungen die Generale in ihren Entschlüssen nicht einzuengen; und oft erschien er selbst zu Beratungen auf dem Kriegsschauplätze wie z. B. vor dem Tage von Kolin im Lager Dauns zu Böhmisch Brod“ 4). Mit diesen beiden Feststellungen erscheint bereits die Rolle des Hofkriegsrates während der Preußenkriege hinreichend gekennzeichnet, soweit es sich um die unmittelbare Heerführung handelt. Im allgemeinen verfügte Maria Theresia sehr selbständig in allen militärischen Angelegenheiten, fällte ihre Entscheidungen in fallweisen Konferenzen, stützte sich überwiegend auf die Gutachten Khevenhüllers und konnte sich im übrigen ruhig auf den Hofkriegsrat verlassen, der unter ihrer Regierung Präsidenten wie Daun und Lacy anvertraut war. Zur näheren Erläuterung folgen kleine Beiträge aus den einzelnen Feldzugsjahren. Am 15. Dezember 1740 erhielt der in Schlesien kommandierende General Browne den ausdrücklichen hofkriegsrätlichen Auftrag, vollkommen nach eigenem Gutdünken zu disponieren, da man etwas bestimmtes nicht vorschreiben könne. „Wer sich die Mühe nehmen will, die erhaltenen Akten jener Zeit zu lesen, wird für Obiges hundert Beispiele statt eines finden“ 5). Wörtlich ließ die Kaiserin Browne wissen: ,,. . . wiederholen Dir hiernächst nochmals, Unsere Meinung nicht zu sein, wegen des Ortes, wo Du Dich zu setzen habest, was *) Angeli. „Der Krieg mit der Pforte 1736—1739“, S. 462. 2) Schweigerd. „Österr. Helden und Heerführer“, III., S. 356. 3) „Kriege unter der Regierung der Kaiserin-Königin Maria Theresia“, I., 1., S. 323 f. 4) Criste. „Kriege unter Kaiser Josef II.“, S. 5 f. 5) „Kriege unter der Regierung der Kaiserin-Königin Maria Theresia“, I., S. 324. 58