Oskar Regele: Ergänzungsband 1. Der österreichische Hofkriegsrat 1556-1848 (1949)

III. Der Einfluß des Hofkriegsrates auf die militärische Führung. - b) Beispiele aus der Kriegsgeschichte - 3. Der Spanische Erbfolgekrieg 1701—1714 - 4. Die Türkenkriege 1736—1739 und 1788—1790

56 des Prinzen Eugen am Schlachtfeld von Zenta in dem am 13. September 1697 dem Kaiser vom Hofkriegsratspräsidenten Starhemberg erstatteten Bericht, in dem es heißt: . .und es wäre sehr zu wünschen, daß ihn (den Sultan) sein Hochmut so viel verblendete und bewegte, sich in ein Treffen mit Euer kaiserlichen Majestät Armata einzulassen, in welchem Falle mit der Gnade Gottes an einer ansehnlichen Victoria nicht zu zweifeln wäre, also tut der Prinz von Savoyen gar wohl, daß er sich nahe an ihn hält und seine movimenta durch Parteien fleißig rekognoszieren läßt, damit ihm der Feind durch seine Geschwindigkeit nicht etwa an der Theiß zuvorkomme und unsere Magazine an gedachtem Flusse nicht Not leiden.. . . -1).“ Wenn der Karlowitzer Frieden 1699 den Schlußpunkt hinter einen 16jährigen äußerst opferreichen und harten, deshalb umso leuchtender beendeten Feldzug setzen konnte, der Ungarn und Siebenbürgen befreite, dann liegt wohl nicht der geringste Anlaß vor, daran zu zweifeln, daß der Hofkriegsrat alles tat, was zum Endsiege erforderlich war. Und die Legende von Zenta möge nun endgültig aus Geschichts- und Lehrbüchern verschwinden, wie schon Alfred Arneth * 2) wünschte „daß man wirklich endlich aufhören sollte, so abge­schmackte Märchen zu wiederholen“ und wie schon J. B. Schels 3) 1811 die gleiche Forderung aufgestellt hatte. 3. Der Spanische Erbfolgekrieg 1701 —1714. Aus dem Spanischen Erbfolgekrieg seien als ganz besonders lehrreich die Jahre 1703—1704 herausgegriffen. 1703 war noch Mannsfeld Hofkriegsratspräsident und dieser stellte den Antrag, Italien aufzugeben. Prinz Eugen trat aber diesem Antrag entgegen und erhielt die Zustim­mung für seine eigenen Pläne. Ein richtiger Feldherr folgte somit nicht blindlings den Vor­schlägen des Hofkriegsrates und hatte, wie man wieder sieht, die Möglichkeit, seinen eigenen Willen durchzusetzen, der unmittelbarer Kriegsschauplatz-Kenntnis entsprang und daher auch vom Hofkriegsrat respektiert wurde. 1703 wurde Prinz Eugen selbst Hofkriegsrats­präsident und da gleichzeitig Graf Gundacker Starhemberg an die Spitze der Hofkammer trat, eröffneten sich die allerbesten Aussichten auf die erfolgreiche Fortsetzung des Krieges. Mochte dieser auch noch lange dauern, so brachte doch schon das Jahr 1704 mit der Schlacht bei Höchstädt die Entscheidung. Diese Schlacht ist ein Kabinettstück hinsichtlich richtigen Zusammenwirkens der außenpolitischen und der militärischen Kriegführung. Damals galt es, einen Koalitionskrieg an drei Fronten zu führen, die erforderlichen Streitkräfte durch rasche Armeereformen bereitzustellen — was in erster Linie dem Hofkriegsrate oblag — die Alliiertenhilfe herbeizuführen, den Herzog von Marlborough für den gemeinsamen Operationsplan zu gewinnen, welcher Aufgabe sich Graf Wr atis law mit bestem Erfolge entledigte, die Mitwirkung des General-Leutnants Markgraf Ludwig von Baden sicher­zustellen und zu allen diesen Schritten die Genehmigung des Königs Josef und des Kaisers Leopold I. zu erlangen. Das Hauptverdienst, den großen Sieg von Höchstädt herbeigeführt und miterkämpft zu haben, gebührt dem Prinzen Eugen, der als Hofkriegsratspräsident den Schwerpunkt aller Verhandlungen in den Hofkriegsrat zu verlegen verstand und dadurch nicht zuletzt mit der Macht seiner Persönlichkeit, Diplomatie und Strategie zu gemeinsamem Siege führte 4). 4. Die Türkenkriege 1 736—1739 und 1 788—1 790. Ein ganz anderes Gesicht zeigt der Türkenkrieg 1736—1739, in welchem im allgemeinen ein Unstern über den Operationen stand. x) „Feldzüge des Prinzen Eugen...“, I., II., S. 214. 2) „Prinz Eugen von Savoyen“, Wien 1858, 1. Band, S. 458. 3) „Die Bataille von Senta“ in „Neue militärische Zeitschrift“, Wien 1811, 7. Heft, S. 3 ff. 4) Ritter. „Politik und Kriegführung...“, 56

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