Az Eszterházy Károly Tanárképző Főiskola Tudományos Közleményei. 1990. Germanistiche Studien (Acta Academiae Paedagogicae Agriensis : Nova series ; Tom. 20)

Imre Kelemen, Berührungspunkte zwischen Moral und Politik bei Machiavelli

64 beweisen ist. Bei Machiavelli wird diese Dualität zum konkreten Mass von konkreten Handlungen. Ihre alleinige Anwendbarkeit ist nur auf dem Gebiet der Geschichte möglich. Als moralische Kategorien sind sie schon schwerer anwendbar bzw. zu interpretieren, weil sie oft falsche Werturteile enthalten. Die Moral, als abstrakter Begriff, ist für eine jede Epoche gültig, aber als praktisch orientierte Kategorie ist sie an eine bestimmte Epoche gebunden, und es ist immer die Geschichte, die entscheidet, was für eine Qualifizierung die Handlung, die im Interesse der Entwicklung durchgeführt worden ist, erhalten soll. Wesentlich ist es, dass die Menschen die Befehle der Zeit erkennen und ihre Taten an die Erfordernisse der Zeit anpassen. In diesem Fall kann das moralische Urteil, wenn es überhaupt möglich ist, nur positiv sein. Eine jede Epoche hat ihr Menschenbild, das für universell gehalten wird, und das an die jeweilige Zeit, den Ort und nicht zuletzt an das Denken gebunden ist. Damit ist das Konzept des idealen Menschen verbunden. Das mittelalterlich-christliche Menschenbild knüpfte grundlegend an religiöse Thesen an. Wie wir gesehen haben, mussten die weltliche und die kirchliche Macht zwei aufeinander aufbauende Funktionen erfüllen; deshalb zerteilte sich auch das einheitliche Menschenbild in einen "Menschenbegriff" und ein "Menschenideal". Die zwei Mächte hatten nicht mit denselben Menschen zu tun. Die weltliche Macht operiert mit einem Menschenbegriff, der auf der Depravation, d. h., auf der Konzeption der Verderbnis der menschlichen Natur beruht, während die kirchliche Macht ihr Menschenideal auf den Gedanken der Gnade baut. Die Trennung des Menschenbegriffs und des Menschenideals bedeutet zugleich auch, dass sich der Mensch auf irgendeiner Stufe der gesellschaftlichen Hierarchie befindet, und er hat nicht die Möglichkeit, etwas daran zu ändern, d. h., er muss diese von Gott gegebene Ungleichheit annehmen; andererseits bedeutet das eine religiöse Gleichheit, d. h., vor Gott sind alle gleich in den Sünden, und alle haben eigentlich die gleichen Chancen, selig zu werden. Der Idealtyp war über lange Zeit hinweg der sich von der Welt zurückziehende asketische Mönch. Der sündhafte Mensch betrachtete den Mönch als einen, der die Reinheit verkörpert, er suchte in ihm eine Art Christus, der die Sünden der Welt auf sich zu nehmen vermochte und der seine Reinheit auf die hinfälligen Menschen übertragen konnte. Der Mönch stand gewissermassen ausserhalb der Institution der Kirche, seine passive, sich von der Welt abwendende Lebensweise passte sich auf jeden Fall sehr gut den praktischen Bedürfnissen der Kirche bezogen auf den weltlichen Menschen an. Diese handlungsfreie, passive Betrachtungsweise war für die Bürger nicht mehr annehmbar. Ihr Ideal war der selbständige, handlungsfähige Mensch, der seine Sündhaftigkeit zwar annahm, bzw. durch die Kraft der Tradition annehmen musste, sich aber bezüglich seiner eigenen

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